"Farben sind das billigste Gestaltungsmittel"

11. Februar 2013, 17:09
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Wer Farben geschickt einsetzt, kann nicht nur die Stimmung in seiner Wohnung verändern, sondern auch Temperaturempfinden und Raumgröße beeinflussen

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem völlig weißen Raum: Weiße Wände, weiße Möbel, weiße Gegenstände, weiße Vorhänge. Unmöglich? Die wenigsten von uns können sich ein Leben ohne Farbe vorstellen. Genauso wie die Natur nicht in Reinweiß daherkommt, bleibt auch das Leben im eigenen Zuhause nicht von Farben verschont - und die stellen einiges mit einem an, wenn man nicht aufpasst. "Farben können nicht nur die Temperatur eines Raumes verändern, sondern auch Stimmung erzeugen", erzählt Farbpsychologin Claudia Schober im Interview. Doch nicht nur das: "Sie können Farben auch einsetzen, um Räume optisch kleiner oder größer zu machen."

Weite oder Enge erzeugen

Was für den einen eine gemütliche Höhle, ist für den anderen schnell eng und bedrückend. "Jeder Mensch reagiert auf Farben unterschiedlich", so Schober, "und jeder Mensch hat ein anderes Raumgefühl." Wer sich von Natur aus lieber einkuschelt, sollte also mit intensiven Farben arbeiten, so die Farbpsychologin. „Wenn ich aber eine riesige Halle brauche, muss ich eher weitende Farben verwenden."

Ob eine Farbe kuschelig oder raumgebend wirkt, hängt von der Intensität ab, mit der die Farbe aufgebracht wird. "Hellblau ist zum Beispiel eine Farbe, die extrem weitet", sagt Schober, "bei engen Vorzimmern oder in Kinderzimmern, die sich mehrere Kinder teilen, befreit das richtiggehend die Atmung." Wer überlegt, sein Kabinett in einen Palast zu verwandeln, sollte die Decke nicht vergessen, rät Schober: "Je nachdem, mit welcher Raumhöhe man zu tun hat, kann man so Weite erzeugen, oder auch eine gelbe Decke machen, da fühlt man sich angenehm gewärmt."

Farbe & Raumtemperatur

Versuche haben ergeben, dass in einem Raum, in dem kalte Farben vorherrschen, die Raumtemperatur niedriger empfunden wird und man eher friert als in einem Raum mit warmen Farben. Je nachdem, ob man seine Räumlichkeiten eher warm oder kühler halten will, sollte man dementsprechend auf den Gelbanteil in der Farbe achten, rät Claudia Schober - je höher dieser ist, desto wärmender die Farbe. Auch die Himmelsrichtung der Wohnräume kann mitentscheidend sein für die jeweilige Farbgestaltung: "Wenn man eher nordseitig wohnt, kann man ein Orange oder warmes Rot einbringen. Südseitig, beziehungsweise wenn man schnell unter der Hitze leidet, macht beispielsweise ein luftiges Türkis Sinn."

Bevor man sich für einen Farbton entscheidet, sollte man auch bedenken, wie dieser im Sommer oder im Winter wirkt. "Wir leben in einem Land, wo wir einen Jahreszeitenwechsel haben", so Schober, "wenn man sich da nicht fix für eine Farbe entscheiden will, kann man auch mit großflächigen Vorhängen arbeiten, die man im Sommer und im Winter austauscht." Für den Winter rät die Farbpsychologin zu Gardinen in Gewürzfarben, im Sommer könnten etwa blau-grüne Vorhänge die Räumlichkeiten verschönern.

Urlaubsgefühl zu Hause

Wer nicht genau weiß, mit welchen Farben er Stimmung in die Wohnung bringen will, kann sich nach seinem Ferienort orientieren. "Ich frage die Leute immer, wo sie gerne ihren Urlaub verbringen", verrät Schober. "Das sagt viel darüber aus, welche Temperatur die Leute bevorzugen und welche Stimmung sie in der Wohnung haben wollen." Und diese kann von Zimmer zu Zimmer unterschiedlich sein. "Im Eingangsbereich werde ich eher ein gelb oder ein hellblau einbringen, das ist das herzliche Willkommen zu Hause", sagt Schober. Für das Speisezimmer oder den Essbereich habe sich ein Pfirsichton bewährt, im Schlafzimmer setzt man am besten auf Grün: "Das ist die absolute Entspannungsfarbe." Wer in der Früh allerdings Schwierigkeiten hat, aufzustehen, für den empfehle sich ein sonniges Gelb.

Auch im Arbeitszimmer habe sich gelb sehr bewährt, sagt Schober: "Das fördert die Konzentration, man bleibt länger wach". Genau umgekehrt sieht sie die Farbgestaltung im Kinderzimmer: "Die Kinder haben ihre eigene Farbigkeit. Da ist weniger mehr, diesen Raum sollte man eher in Weiß oder in Naturtönen halten." Wer auf weiße Wände setzt, tut übrigens gut daran, sich an ein getöntes Weiß zu halten: "Reines Weiß ist sehr cool, sehr loftartig, aber oft zu kalt. In einem getönten Weiß fühlt sich der Mensch wohler." Ein weiterer Vorteil: Neben der abgetönten Farbe fallen weiß gestrichene Türen und Fenster, die nachgilben, nicht so auf.

Farbakzente setzen

Eher abraten würde Schober von Schwarz als Wandfarbe. "Das muss man dosieren. Wenn man zu viel Schwarz erwischt, hat man schnell das schwarze Loch zu Hause." Statt großflächig Farbe aufzutragen, empfiehlt sie, eher mit Möbeln zu arbeiten oder nur einen Streifen schwarz anzumalen. Solche Farbtupfer sind auch eine Lösung für Menschen, die mit Farbe an den Wänden eher weniger anfangen können oder das Ausmalen zu umständlich finden. "Auch bei kleinen Elementen kann man starke Farben einsetzen und Akzente setzen, die Energie verströmen." Ein rotes Sofa oder eine bunte Tischdecke hinterlassen keine Farbkleckse auf dem Fußboden, können aber dennoch frischen Wind in die eigenen vier Wände bringen.

Das sei auch eine gute Möglichkeit für Kompromisse, wenn sich die Bewohner des Haushalts nicht auf eine Farbe einigen können, so Schober. "Wenn die Bedürfnisse unterschiedlich sind, können Sie Möbel in derselben Farbe nehmen und Farbakzente setzen, beispielsweise mit Stuhlpölstern oder Kissen in unterschiedlicher Farbe auf einem schwarzen Sofa." Damit lassen sich auch aktuelle Farbtrends rascher umsetzen: Der Farbanbieter AkzoNobel hat für das Jahr 2013 ein tiefdunkles Blau als Trendfarbe ausgerufen, das vor allem in der Kombination mit hellen Zitrustönen, aber auch mit warmen und neutralen Farben, seine ganze Pracht zeigt. Pantone setzt wiederum auf Smaragdgrün, während der Farbhersteller Caparol für die kommende Saison gleich vier Farbwelten im Angebot hat, von "sensual delight" bis hin zu "ExtraOrdinary", mit Farbnuancen von Gold bis Edelrost.

Bevor man sich aber auf Farbtöpfe und Malerutensilien stürzt, empfiehlt Claudia Schober, ein Farbkonzept zu entwerfen: "Durch zu viele Farben kann es unruhig werden. Ich würde einmal mit Weiß als Grundierung durch die Wohnung gehen und mir dann vielleicht auch mit Hilfe von Farbmustern überlegen, welche Farben ich mir in dem Raum vorstellen kann." Für welche Farben man sich schließlich entscheidet, ist Geschmackssache, so Schober. Fest steht aber in jedem Fall: "Farben sind das billigste Mittel, seine Räume genau so zu gestalten, dass man sich darin wohlfühlt." (Barbara Oberrauter, derStandard.at, 11.2.2013)

Claudia Schober ist Ganzheitliche Farbberaterin und erstellt Farbkonzepte für den Wohn- und Arbeitsbereich.
www.schober-color-image.at

  • Wer seine Wohnung neu ausmalen möchte sollte bei der Farbwahl beachten, welche Stimmung oder Wohngefühl er/sie dem Raum geben möchte.
    akzonobel

    Wer seine Wohnung neu ausmalen möchte sollte bei der Farbwahl beachten, welche Stimmung oder Wohngefühl er/sie dem Raum geben möchte.

  • Helle Farben erzeugen Weite. Wer es lieber kuschelig mag, kann sich über kräftige Farbtöne trauen.
    caparol

    Helle Farben erzeugen Weite. Wer es lieber kuschelig mag, kann sich über kräftige Farbtöne trauen.

  • Grün und gelb sind besonders positive Farben und machen einen Raum freundlich und wohnlich - je nach Nuance kann man verschiedene Effekte erzielen.
    caparol

    Grün und gelb sind besonders positive Farben und machen einen Raum freundlich und wohnlich - je nach Nuance kann man verschiedene Effekte erzielen.

  • Die Farbhersteller liefern jedes Jahr neue Farbtrends: 2013 ist man mit blau vorn dabei.
    foto: akzonobel

    Die Farbhersteller liefern jedes Jahr neue Farbtrends: 2013 ist man mit blau vorn dabei.

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