Wiegenlied und Wirbelsturm

Die Wiener Philharmoniker unter Gustavo Dudamel bei der Mozartwoche

Salzburg - Es begann zart, schwebend, traumverloren, auch bei der Mozartwoche klang es nach Wagner-Jahr: Man gab dessen Siegfried-Idyll, jene Kostbarkeit, die nicht einmal ein Gustavo Dudamel den Hämmern der Nibelungen auszuliefern versuchte - und die von den Bläsern zu Klängen aus Gold ausgesponnen wurde. Schroffer hätte der Kontrast zum " Mozart-Teil" nicht ausfallen können. Das d-Moll-Klavierkonzert kam mit Donner und Blitz daher. Und die Posthorn-Serenade schien in einen ausgewachsenen symphonischen Sturm, nicht nur in einen Salzburger Schnürlregen geraten zu sein.

Das drohende Grollen der Kontrabässe und die scharfen Blitze der Geigen versprachen mit den ersten Takten des Allegro eine scharfe Brise. Solistin Maria João Pires steuerte dem Wogen mit kräftigem Anschlag entgegen: eine heftig-bewegte Auseinandersetzung mehr denn ein organisches Miteinander. Man wartete, wie in der Arena, gespannt auf einen "Ausgang". Dudamel schien jedenfalls die Anliegen zweier starker Partner nicht wirklich zur Deckung bringen zu können. Mit der lieblichen Melodie und den filigranen Begleitfiguren im überirdisch schönen zweiten Satz "Romance" ließ Pires sich vom Orchester zwar auf Händen tragen, aber nur, um im dramatischen Mittelteil nach einem Akkord wie ein Peitschenschlag umso heftiger wieder auf eigene Füße zu springen: mit dem Effekt, dass etwa die dramatischen Bläserlinien über den Gesten des Klaviers nicht so hörbar waren, wie der Orchestersatz es verdiente.

Umso mehr ist Dudamel zu bewundern, wie er den Übergang zurück zur Romance zu zelebrieren wusste. Wirklich stimmig waren unter dem kräftigen Zupacken von Pires in dieser Mozart-Lesart vor allem die wild-romantischen Kadenzen - von Beethoven.

Zur Serenade D-Dur KV 320, mit der Mozart weit über Gebrauchsmusik hinausgegangen war: Einleitungs- und Finalsatz könnten zu einer Sinfonie gehören, "Concertante" und "Rondeau" sind Kostbarkeiten für Solo-Bläserensemble: wie geschaffen für die grandiosen philharmonischen Bläser. Enttäuschend hingegen das dunkel gefärbte Andante; und nicht fern von Zirkusmusik - aber einer mitreißenden - und ein wirkungsvoller Klangprospekt für das Posthorn-Solo von Gotthard Eder war das brillante Finale presto. Dirigent Gustavo Dudamel stand da eben für die naturburschenhafte Art, Mozart zu interpretieren. (Heidemarie Klabacher, DER STANDARD, 29.1.2013)

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