Teuer, nachhaltig und mit Kratzern

4. Februar 2013, 17:00
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Einrichtungsprofis sehen den Trend zu hochwertigeren Möbeln aus Vollholz und raten zu einem Mix aus Billig- und Designmöbeln. Trends wie Ethno-Design und “Raw Chic” sind 2013 angesagt

Einrichtungstrends an sich sieht Johanna Pührer kritisch. Die selbstständige Einrichtungsberaterin aus Wien rät Kunden grundsätzlich davon ab, sich eine Wohnung in nur einem Stil oder von nur einem Designer einzurichten. Das sehe zwar in einem Einrichtungskatalog gut aus: "Aber niemand wohnt in einem Schaufenster."

TV-Serien als Inspiration

Wie Menschen sich ihre ideale Wohnung vorstellen, wird laut Pührer oft durch Magazine, Schaufenstergestaltung und vor allem TV-Serien beeinflusst. So werde etwa die Wohnung von Penny, einer Protagonistin der amerikanischen TV-Serie "The Big Bang Theory", momentan oft als Wunschvorstellung von ihren Kunden genannt. Den Einrichtungsstil von Pennys Apartment, das aus bunt und scheinbar zufällig zusammengewürfelten Möbeln besteht, bezeichnet Pührer als Ethno-Design.

Dieser Stil komme besonders bei jungen Menschen gut an, weil man nicht unbedingt darauf achten müsse, dass alles perfekt zusammenpasst, und weil er leistbar sei. Möbel im Ethno-Style gibt es nämlich auch im Möbelhaus. "Materialien wie Rattan oder Bambus sind im Kommen", erklärt Ikea-Chefeinrichterin Lina Hötzeneder.

"Raues" Design mit schicken Materialien

Auch die Einrichtung des Hauses in den neueren Folgen von "Two and a Half Men" kommt laut Pührer gut an. Dieser "Raw Chic" bestehe aus Materialien wie Beton, Leder, Kork und viel unbearbeitetem Holz. Der Schick werde dann durch ergänzende Elemente wie Fell, Pastellfarben und Textilien wie Wolle oder Leinen hinzugefügt.

Mut zur "Imperfektion"

Mit Trends wie dem "Raw Chic" wollen sich laut Pührer Menschen die Natur ins Haus holen. Dabei werde es immer wichtiger, dass das Holz naturbelassen ist. "Das ist verbunden mit einem Trend zur Imperfektion", weiß die Einrichtungsberaterin. Oberflächen seien nicht mehr glänzend und der Holztisch habe den einen oder anderen Kratzer. "So wie es wächst, so stellen wir es uns ins Haus", fasst es Pührer zusammen.

"Nah an der Natur"

Ähnliches beobachtet Lothar Trierenberg, Geschäftsführer von "das möbel" im 6. Bezirk. In seinem Shop werden Stücke von größtenteils österreichischen Möbelbauern präsentiert. Gute Massivholzmöbel, die "nah an der Natur" sind, würden momentan gern gekauft. Trends ließen sich bei den Einzelstücken, die er im Angebot hat, zwar schwer feststellen, ein allgemeiner Hang zur Nachhaltigkeit sei aber auf jeden Fall gegeben. "Es gibt hier zwei Nachhaltigkeitsaspekte", erklärt Trierenberg: Nämlich wie das Möbelstück produziert wird und wie lange es hält.

Für Fritz Hrusa, Geschäftsführer von Vitra Austria, spielt auch die Haptik eine wichtige Rolle beim Auswählen von Möbeln und Stoffen: "Bezugsstoffe werden wieder lebendiger - gröber gewebt aber sehr angenehm weich und kuschelig."

Investieren in Einzelstücke

Immer mehr Kunden würden auf ein Designerstück sparen und dieses dann mit günstigeren Stücken aus dem Möbelhaus mixen. Für welches Einzelstück sollte man etwas mehr Geld in die Hand nehmen? Die Antwort darauf ist individuell unterschiedlich: "Man sollte sich die Frage stellen: Was ist mir zuhause wichtig? so Trierenberg. Oft werde in Betten oder Esstische investiert. Wichtig sei außerdem immer die Frage, was ein Möbelstück können muss.

Auch Johanna Pührer rät dazu, bei Möbeln auf die Funktionalität zu achten und durchaus etwas tiefer in die Tasche zu greifen: "Die Möbel sollen klassisch, zeitlos und unauffällig sein." Die Dekoration könne man dann alle paar Jahre einfach verändern: Durch neue Polsterbezüge, Pflanzen und einzelne Farbfelder auf den Wänden durch Tapeten könne man im Handumdrehen auch mit kleinem Budget ein Zimmer neu gestalten.

Schwarz-Weiß als Klassiker

Ein Klassiker bei den Einrichtungstrends, der auch im Jahr 2013 weiterhin beliebt sein wird, ist für Pührer der Black and White Trend: "Mit diesem Stil ist man immer auf der sicheren Seite. Der ist zeitlos." Sie würde aber immer auch Farbe dazu kombinieren, um die Härte von Schwarz und Weiß aufzulockern: "Mit Rot und Orange wird es poppiger, mit Naturtönen und Grau bleibt es klassisch."

Auch das Retro-Design aus den 50-er Jahren bleibt 2013 modern. Charakteristisch dafür sind dunklere Pastellfarben, wie etwa ein Brombeer- oder Petrolton, sowie Nierentische und Ohrensessel. Wer auf der Suche nach Retro-Möbeln ist, kann laut Pührer auch preiswert auf Flohmärkten oder im Internet fündig werden.

Das Internet als Möbelhaus

Das Internet werde allgemein immer häufiger zum Möbelkaufen genutzt. "das möbel" bietet in seinem Internetshop rund 300 Produkte. Auch viele skandinavische Designer sind laut Pührer im Internet auf dem Vormarsch.

Grundsätzlich ist Johanna Pührer bei ihren Kunden eine Verfechterin des Individualismus: "Erlaubt ist immer was gefällt." Und was gefällt, das wird laut Lothar Trierenberg oft durch einen regelrechten "Übertrend der Individualisierung" bestimmt: "Man will Produkte, die nicht jeder hat." (Franziska Zoidl, derStandard.at, 4.2.2013)

  • Bunte Elemente, scheinbar willkürlich zusammengestellt - ein Trend der vor allem bei jungen Menschen gut ankommt.
    ikea

    Bunte Elemente, scheinbar willkürlich zusammengestellt - ein Trend der vor allem bei jungen Menschen gut ankommt.

  • Möbelstücke aus unbearbeitetem Holz gehören zum "Raw Chic" der aktuell gerne eingesetzt wird.
    lothar trierenberg/das moebel

    Möbelstücke aus unbearbeitetem Holz gehören zum "Raw Chic" der aktuell gerne eingesetzt wird.

  • Die Wohnzimmereinrichtung muss nicht mehr Stück für Stück aufeinander abgestimmt werden: Mut zur Imperfektion lautet die Devise.
    ikea

    Die Wohnzimmereinrichtung muss nicht mehr Stück für Stück aufeinander abgestimmt werden: Mut zur Imperfektion lautet die Devise.

  • Wer sich ein teures Designerstück zulegen will, investiert oft in Bett oder Esstisch. Häufig wird zu Möbeln aus Vollholz mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit gegriffen.
    lothar trierenberg/das moebel

    Wer sich ein teures Designerstück zulegen will, investiert oft in Bett oder Esstisch. Häufig wird zu Möbeln aus Vollholz mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit gegriffen.

  • Black and White: der zeitlose Klassiker. Kombiniert mit Rattan oder Bambus liegt man voll im Einrichtungstrend.
    ikea

    Black and White: der zeitlose Klassiker. Kombiniert mit Rattan oder Bambus liegt man voll im Einrichtungstrend.

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