Indien: Frauen flüchten ins Frauen-Taxi

6. Februar 2013, 18:48
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Aus Angst vor Übergriffen nützen immer mehr Frauen das Angebot von Sakha Consulting Wings

Als Frau alleine auf den Straßen Delhis unterwegs zu sein gilt nicht erst seit der tödlichen Vergewaltigung einer 23-jährigen Studentin als gefährlich und risikoreich. Zwei von drei Frauen in der indischen Metropole gaben im Jahr 2010 an, mit sexueller Belästigung konfrontiert gewesen zu sein. Die größte Unsicherheit herrscht laut dieser Umfrage in öffentlichen Bussen.

Ein Umstand, der mithilfe des Taxi-Unternehmens "Sakha Consulting Wings" entschärft werden soll. Befördern und befördert werden dürfen hier ausschließlich Frauen. Seit der weltweit verurteilten Vergewaltigung ist das Interesse an diesem Angebot stark gestiegen. "Frauen suchen vermehrt im Internet nach sicheren Transportmöglichkeiten. Auch über Social Media wurde unser Service einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht", sagt Gründerin Nayantara Janardhan gegenüber derStandard.at. 

Gewalt gegen Frauen kein Tabuthema mehr

Auch wenn die Fahrten teurer sind als mit gewöhnlichen Taxis und im Vorhinein angemeldet werden müssen, nehmen viele Frauen das Angebot in Anspruch. "Die Palette unserer Kundinnen reicht von berufstätigen Frauen bis hin zu Müttern mit Kindern oder Touristinnen", erzählt Janardhan. Sie beschäftigt acht Taxifahrerinnen, die mit den sieben Taxis des Unternehmens unterwegs sind.

Das vermehrte Interesse an dieser sicheren Transportmöglichkeit sieht Janardhan aber nicht in einer gestiegenen Angst vor Übergriffen begründet. Vielmehr habe sich das Bewusstsein seit der Vergewaltigung verändert: "Gewalt gegen Frauen im öffentlichen Raum Delhis hat es schon immer gegeben. Dieser schreckliche Vorfall ist jetzt Anlass, um für besseren Schutz durch neue Gesetze zu sorgen. Bei den Protesten sind Männer und Frauen aus allen Schichten der indischen Gesellschaft zusammengekommen. Es ist endlich möglich, die Ängste offen auszusprechen."

Wenige Frauen im Taxigewerbe

Die Sicherheit von Frauen ist nur eines der Anliegen von Nayantara Janardhan. Ebenso wichtig ist es ihr, dass Frauen als Fahrerinnen und in anderen Tätigkeiten eine Verdienstmöglichkeit haben. Denn Sakha Consulting Wings ist viel mehr als ein Taxi-Unternehmen und beschäftigt insgesamt rund 50 Frauen. Ein Ausbau des im Jahr 2010 gegründeten Unternehmens ist in naher Zukunft geplant.

Dass Frauen hinter dem Steuer sitzen, ist in Delhi ungewöhnlich. So ungewöhnlich, dass die Taxifahrerinnen im Straßenverkehr durch lautes Hupen und gefährliche Überholmanöver angefeindet werden.  Viele männliche Kollegen hätten Akzeptanzprobleme, wie eine Taxifahrerin erzählt: "Wenn ich an einer Taxihaltestelle parke, sind dort immer Männer, die sich zusammentun und warten. Ich bleibe hingegen immer im Auto, weil ich die einzige Frau bin." Würden aber mehr Frauen auf der Straße oder hinter dem Steuer sichtbar sein, würde gleichzeitig auch die Gefahr schwinden, hofft sie auf Besserung. (Teresa Eder, derStandard.at, 6.2.2013)

  • Frauen am Steuer, eine Seltenheit in Indien.
    foto: reuters/ thapliyal

    Frauen am Steuer, eine Seltenheit in Indien.

  • Das Unternehmen Sakha Consulting Wings operiert in der Metropole Delhi.
    foto: sakha consulting wings

    Das Unternehmen Sakha Consulting Wings operiert in der Metropole Delhi.

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