Bei mindestens jedem zweiten Topjob spielt Parteibuch eine Rolle

28. Jänner 2013, 11:38
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Studie der Universität Wien: Je größer das Unternehmen, desto mehr Postenschacher

Wie korreliert die jeweilige Zusammensetzung der Regierung mit der Besetzung von Managerposten in staatsnahen Betrieben? Diese Frage beantwortet die erste umfassende Analyse von parteipolitischen Postenbesetzungen in österreichischen Staatsunternehmen von Laurenz Ennser-Jedenastik vom Institut für Staatswissenschaft an der Universität Wien, über die "Die Presse" in ihrer Montags-Ausgabe berichtet.

Bei mindestens jedem zweiten Topjob zählt das Parteibuch

Das Ergebnis der Studie: Von den 1.242 untersuchten Spitzenmanagern in 87 Firmen mit mehr als 50 Prozent Staatsanteil waren 719 Posten einer Partei zuzuordnen. Das heißt: Bei mindestens jedem zweiten Topjob spielt das Parteibuch eine Rolle. Davon entfielen 287 auf die ÖVP, 281 auf die SPÖ und 151 auf FPÖ beziehungsweise BZÖ. Ennser-Jedenastik nimmt an, dass die Parteibindung noch höher ist, da es über weniger prominente Manager in kleineren Unternehmen oft keine Informationen gab.

 

Wechselt die Regierung, wechselt das Management

Die erhobenen Zahlen zeigen sehr gut, wie sich die Änderung der Regierungszusammensetzung auf die Besetzung der Posten auswirkt. Während vor dem Jahr 2000 noch die SPÖ die meisten Manager in Topjobs hatte, änderte sich das mit der Regierungsbeteiligung der FPÖ. Wobei die SPÖ ihren Anteil auch unter Schwarz-Blau(-Orange) halten konnte. "Die SPÖ ging nie auf null, weil viele dieser Personen Beamte aus Ministerien sind, die in Aufsichtsräte gesetzt werden", erklärt Studienautor Ennser-Jedenastik im Gespräch mit derStandard.at. Ob das gleichbedeutend für die ÖVP sei, würde man erst feststellen können, wenn diese einmal fünf Jahr in Opposition sei.

Aufsichtsrats-Vorsitzender als wichtiger Posten

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats sei bei den Postenbesetzungen sehr wichtig, denn die Parteien würden vor allem über die Kontrolle des Vorsitzenden Einfluss ausüben. Während bei den Vorständen und Geschäftsführern rund 54 Prozent aller beobachteten Personen einer Partei zuzuordnen sind, sind es bei Aufsichtsratsvorsitzenden 61 Prozent.

Im europäischen Spitzenfeld

Auf europäischer Ebene seien diese Zahlen aus Österreich "nur mit wenigen Ländern vergleichbar". Man liege mit der Anzahl der Jobbesetzungen aufgrund des Parteibuchs zwar noch hinter Griechenland, aber doch ziemlich an der Spitze. In Ländern wie Dänemark wäre ein solches Studienergebnis undenkbar, sagt der Autor.

Wichtiges Verkehrsministerium

Besonders auffällig ist an den erhobenen Daten laut Ennser-Jedenastik, dass einige Ministerien besonders stark in Postenbesetzungen involviert sind. Hier habe das Verkehrsministerium neben den Ressorts Finanzen und Wirtschaft einen "enormen Wert". Die Minister und Ministerinnen wie Hubert Gorbach und Doris Bures kamen und kommen dabei jeweils aus dem Herzen der Parteien.

Wobei sich auch der jetzige Bundeskanzler Werner Faymann profiliert habe: "Faymann war in seiner Zeit im Verkehrsministerium einer der fleißigsten Umfärber." Im Verkehrsministerium seien mit ÖBB, Austro Control etc. auch "die größeren Fische zu holen". Das Ergebnis der Studie belegt auch, dass Postenschacher besonders in großen Betrieben ausgeprägt ist. Bei den zehn größten Unternehmen (wie ÖBB, Verbund und Asfinag) liegt der Parteienanteil bei 67 Prozent, bei den restlichen Firmen sind es 51 Prozent. (rasch/flog, derStandard.at, 28.1.2013)

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