Spitalsessen: Langweilig und geschmacklos?

Martin Schriebl-Rümmele
28. Jänner 2013, 07:11
  • Nahrung soll die Gesundheit fördern. Beim Anblick von Spitalsessen 
vergeht vielen der Appetit. Und es entstehen Zweifel, ob in Großküchen 
Vitamine, Vollkorn oder Vollwert Themen sind.
    foto: rainer sturm/pixelio.de

    Nahrung soll die Gesundheit fördern. Beim Anblick von Spitalsessen vergeht vielen der Appetit. Und es entstehen Zweifel, ob in Großküchen Vitamine, Vollkorn oder Vollwert Themen sind.

Krankenhausessen kommt meist aus großen Zentralküchen - Es muss kostengünstig sein und die hygienische Kriterien dürfen nicht zu kurz kommen

Krankenhausessen ist nichts, woran sich Patienten gerne erinnern. Während eines Spitalaufenthalts ist es der von Besuchern am öftesten thematisierte Bereich überhaupt, ergab eine Umfrage. Abgesehen davon werden regelmäßig Hygienemissstände aus Zentralküchen bekannt, die mitunter dramatische Folgen haben. Zwar beteuern alle Beteiligten, dass die Kontrollen enorm sind, wenn aber ein Mangel auftritt, wird er großflächig spürbar. Der Grund sind nicht zuletzt Sparbemühungen. Denn trotz oder gerade wegen der Komplexität muss Krankenhausessen vor allem eines sein: billig.

Die meisten Krankenhäuser haben keine eigene Küche mehr, sondern lassen sich aus Großküchen beliefern. Deshalb sind Krankenhausträger wie etwa die Vorarlberger Spitalsgesellschaft dazu übergegangen, Zentralküchen für die Versorgung zu bauen. Hygiene ist dort zwar oberstes Gebot, doch nicht selten passieren Fehler.

Ein negatives Beispiel ereignete sich vergangenen Sommer in Deutschland. Die bisher größte Lebensmittel-Epidemie unseres Nachbarlandes wurde von einem Caterer für Schulen verursacht: Mit Noroviren verseuchte chinesische Erdbeeren lösten bei tausenden Schülern eine Brechdurchfall-Welle aus. Vor einigen Jahren führte eine Salmonelleninfektion in einem Pflegeheim in Vorarlberg zu zahlreichen Erkrankungen und mehreren Todesfällen. Ursache: ein zugekaufter Cremekuchen. Das Heim gehörte zu einer Pflegeheimgruppe, deren Essen zentral von einem Caterer gestellt wurde.

Natürlich ist Essen aus Großküchen nicht unhygienischer, weil es billiger ist. Weil Großküchen bekanntermaßen Gefahrenherde sind, ist die Hygienekontrolle dort sogar besser als in vielen kleinen Restaurants. Gerade in Krankenhausküchen sind die Kontrollen und Bestimmungen enorm, bestätigt die Ernährungsexpertin und Internistin am Wiener AKH, Irene Kührer. "Eine Infektionsgefahr ist hier durch die strenge Qualitätssicherung nahezu ausgeschlossen. In großen Krankenhäusern müssen alle Produkte auf alle herkömmlichen Erreger getestet werden. Nach dem Essen wird das Geschirr thermodesinfiziert." Bei kleinen Häusern sei das vielleicht noch anders.

Der Großteil der Beschäftigten in Spitälern ist mit dem Thema nicht direkt beschäftigt - sofern es nicht um Patienten geht, bei denen die Ernährung eine zentrale Rolle spielt, wie bei Menschen mit Erkrankungen im Verdauungsbereich oder alten, multimorbiden Patienten.

Diätenvielfalt

Viele Krankenhausbetreiber würden nach dem Prinzip arbeiten, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer eines Patienten schon sehr kurz sei und die Ernährung in dieser Zeit kein echtes Problem darstelle, sagt Kührer. "Dennoch versucht man, dass Patienten nicht nüchtern bleiben, auch wenn es in Behandlungsabläufen zu Terminverschiebungen kommt." Die Empfehlung, nüchtern zur Blutabnahme zu kommen, sei übrigens Unsinn, sagt sie. "Das gilt nur, wenn etwa der Blutzucker untersucht wird."

Dazu komme, dass es eine Vielzahl an verschiedenen Menüzusammenstellungen für ein großes Krankenhaus geben müsse und Reserven in allen Bereichen für Notfälle, die etwa in der Nacht eingeliefert werden und in Planungen für den kommenden Tag nicht berücksichtigt sind. All das mache Krankenhausernährung zu einem sehr komplexen logistischen Thema. "Am AKH gibt es etwa 70 bis 80 Sonderdiäten, die regelmäßig bereitgestellt werden müssen", sagt Kührer. Insgesamt werde die Qualität seit Jahren besser. "Ich kann mich noch erinnern, früher gab es nur kaltes Abendessen, und das kam um 17 Uhr."

Andere Länder, strengeres Urteil: Kürzlich kritisierte eine Studie in England die Qualität der zentralen Essensversorgung in Krankenhäusern. Die Mahlzeiten dort sollen ungesünder sein als drei Viertel des Angebots in einem Fastfood-Restaurant. Das National Institute of Health and Clinical Excellence warnte, dass das Essen in den Spitälern sogar krankmachen könne.

Eine andere Kritik äußert der Buchautor Rob Lyons (Panic on a Plate). Er meint, das Essen in Spitälern sei zu langweilig und geschmacklos. Patienten würden es deshalb oft stehen lassen, was dem Heilungsfortschritt nicht entgegenkomme. Ernährungsexpertin Kührer: "Man darf aber nicht vergessen - sobald man krank ist, gibt es Geschmacksveränderungen, und meistens schmeckt einem dann gar nichts." Viele Krankenhäuser reagieren darauf und haben das Pflegepersonal geschult, Aufzeichnungen gerade bei sensiblen Patienten zu machen, ob sich diese ausreichend ernähren und trinken.

Hauptproblem auch hier: der wachsende Arbeits- und Kostendruck. "Der Anteil der Kosten von Verpflegung an den Gesamtkosten deutscher Krankenhäuser liegt nach Berechnungen bei 6,95 Prozent", rechnete zuletzt Anton Schmidt, Vorstandsvorsitzender der P.E.G. Einkaufsgenossenschaft, bei einer Veranstaltung in Wien vor. Umgerechnet auf Österreichs wären das im Jahr 2011 rund 780 Millionen Euro gewesen. Schmidt: "50 Prozent sind Personalkosten, 40 Prozent Lebensmittelkosten und zehn Prozent Sachkosten der Küche."

Convenience-Food

Die Komplexität beruht seiner Meinung nach auf drei Faktoren. Zum einen sei da die Produktion. "Hier stellt sich die Entscheidung zwischen der Eigenproduktion - ,Cook and Serve' versus Aufwärmen - beziehungsweise der Alternative dazu, nämlich dem Zukauf aus der Lebensmittelindustrie auf Basis von High-Convenience-Speisen, also Fertigprodukten." Nächstes Thema sei die Art der Speisenverteilung: Tablettsystem versus Großgebinde oder Servieren vor Ort. "Mit allen logistischen Themen, die sich anschließen, wie Schnittstellen der Berufsgruppen, Transportdienste und Schwesternschaft", so Schmidt. Letztes Problemfeld sei dann der Lebensmitteleinkauf generell.

Ein damit zusammenhängendes Thema wird in einem Testversuch im Landesklinikum St. Pölten bearbeitet - die Getränkeversorgung. In St. Pölten sind derzeit 50 neue Wasserspender der Firma Kärcher in Betrieb. "Bisher müssen wir pro Jahr 70.000 Euro für Flaschenwasser ausgeben", schilderte Bernhard Kadlec. Der kaufmännische Direktor zeigte sich erst kürzlich bei einer Pressekonferenz über eine Alternative erfreut. Wasserspender machen Lagerung und Leergut hinfällig, ebenso das Heben schwerer Kisten und nicht zuletzt Hygieneprobleme durch spezielle Ventile und eine thermische Desinfektion. Das Beispiel zeigt, dass sich manche Krankenhausleitungen intensiv mit diesen Themen befassen - auch wenn sie im Spitalsalltag oft nur als Nebenschauplatz wahrgenommen werden. (Martin Schriebl-Rümmele, DER STANDARD, 28.1.2013)

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Ich hab immer abgenommen...

...war gut so.

nach drei herzinfarkten u.einigen Eingriffen hatte ich keine Lust auf diese Kost,ich wurde von meinem OB.Arzt dafür kritisiert.

Tipp:
DiätologIn kommen lassen. Dann kann man sich - zumindestens ist es in der Rudolfstiftung so - das aussuchen, was einem schmeckt (oder besser gesagt, das was zumindestens genießbar klingt).

Korneuburg - super - war wirklich gut! Da habe ich in guten Speiselokalen um teures Geld schon schlechter gegessen. Man hat sich jeden Tag darauf gefreut.
Rudolfsstiftung - erträglich wenn einem jemand Salzstreuer und Pfeffermühle mitbringt aber eher einfallslos.

spitalsküche:am besten sterilisiert und totgekocht-

Perfekte Speisen in Uni HNO Klinik

in Graz ! Frisches Essen, viele bio Produkte, knackiger Salat, besser hätte ich es nicht machen können! Auch das Wiener AKH finde ich ok! Tipp: immer Menüzettel verlangen!

in St. Pölten ebenfalls - für jeden Patienten Wahlmenü. Für Sonderklassepatienten gibt es eine eigene Speisekarte wo man sich die Speisen selbst zusammenstellen kann - da ist wirklich von der Aufschnittplatte bis zum Eisbecher alles dabei - und wenn etwas nicht dabei ist, kann man mit der Küche telefonieren - ich war wirklich baff.

Eigenerfahrung

Essen im Spital:

SMZ -Ost oder Donauspital :
Erzwungener Aufenthalt 14 Tage
Beobachtungen: Tagebuch :

Die Spitalskost hier ist bestenfalls Nahrung!
Mit richtigem Essen oder gar Speise hat das nichts zu tun.
Obwohl: mir ist eigentlich nix abgegangen, hatte keinen Appetit.
Bis mir vor kurzem von irgendwoher der Geruch von richtigem Essen in die Nase gestiegen ist. Gut gewürzt usw. Da kam mir aus hintersten Gedächtnisregionen die Erinnerung. Da gabs doch mal was, was auch geschmeckt hat.
Hab meinen Geschmacksinn also noch nicht ganz verloren...
Doch einen Vorteil hat's bis jetzt gehabt.
Hab in den letzten 12 Tagen 4 Kilo verloren. Und fast ohne Bewegung.

Heute (Samstag Abend )
Einige Scheiben Käse ( als Gouda tituliert), 1 Päckchen Butter, 1

In dem KH, wo ich arbeite ...

... werden seit einiger Zeit in regelmäßigen Abständen Gabelbissen zum Abendessen serviert ... mit einem enormen Zuspruch seitens der Patient_innen, aber leider ohne Lipidsenker als Beilage ;)

"Eine echte Gesundheitsreform beginnt in unserer Küche und nicht in Brüssel."

*
Mind. 50 % der Krankenhausaufenthalte könnten wir uns sparen, wenn wir uns schon vorab rein pflanzlich ernähren würden (Gemüse, Obst, Nüsse, Getreide etc.) ... "Schonkost" heißt es meistens, wenn es schon zu spät ist.
*

niemand hält sie davon ab sich vetgetatisch zu ernähren

nur lassen sie ihre guten ratschläge bei sich!

bei meinem letzten Krankenhausbesuch war ein Pflege, die Station und die Behandlung vorbildlich. So richtig zum Gesund werden
Nur das Essen war eine einzige Katastrophe. Da kann man aus noch so vielen Speisen wählen, bei der Megaküchenzubereitung ist die Qualität so was von daneben, dass man krank aber sicher nicht gesund wird.

Dass Spitalsessen schlecht wäre ist IMHO eine jener urban legends - ein Urteil das etliche Leute die nie Spitalsessen gegessen haben unreflektiert wiederkäuen. Das Spitalsessen das ich bisher gegessen habe war ganz gut und auch besser als das was man in vielen österreichischen Firmenkantinen findet. Leider gibts in den Krankenhäusern viele unzufriedene und vor allem undankbare Leute, vor allem unter den Immer-wieder-Patienten, die gerne über alles und jeden jammern. Aber auf deren Urteil sollte man denke ich nicht hören.

Es gibt sicher auch (kleinere) Spitäler, wo das Essen ok ist.
Es gibt sicher auch viele Menschen, die durch Firmenkantinen, Mac und co nicht mehr so große Ansprüche haben.
Aber keine kann mir erzählen, dass Maga-Küchen wie gerader der KAV beim SMZ-Ost plant (beliefert in Zukunft mehrere große wiener Spätler) rein logistisch in der Lage sind halbwegs gesundes Essen zu produzieren, vom Geschmack ganz zu schweigen

meine erfahrung

in innsbruck - das essen war ok. es war immer etwas dabei, das geschmeckt hat. und wenn man im krankenbett liegt, hat man eh nicht so einen großen hunger....

Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, Stumpergasse, Wien 6, hat eine großartige Spitalsküche. Ich war begeistert vom Speiseangebot. Man kann sich spezielle Menüs zusammenstellen und vorbestellen. (Fast) besser als zu Hause :-))

als ich letzte Woche im Krankenhaus war, war im Nebenbett eine Dame, die sich wörtlich über alles beschwert hat, was passiert ist. Übers Essen, die Schwestern, die andere Zimmerkollegin, (über mich wahrscheinlich, als ich nicht da war ;)) die Ärzte, die Wartezeit, die Aussicht, dass es so weit war zum Raucherbalkon..

Ich glaube aber, dass das gar nicht daran liegt, dass das alles so schlimm war. Sondern daran, dass man im Krankenhaus halt komplett die Kontrolle über quasi alles, was man sonst selbst bestimmt, abgibt. Tagesablauf, fremde Leute im Raum, und eben auch, was man isst.

Ich glaube, das Beschweren ist einfach nur eine Möglichkeit, den Schein von Kontrolle zu wahren.

Also, liebe Köche, macht euch nichts draus, das passt schon.

Ich war noch nie,

auf Holz sei 3x geklopft, stationär in einem Krankenhaus aber von Besuchen (ist ja mit ein Hauptthema, das Essen) weiss ich dass es so schlecht nicht ist. Immerhin gibts Vorauswahl und von Kantinenessen das eine Zeitlang warm gehalten wird darf man sich ohnehin nicht zuviel erwarten.

Bin geteilter Meinung:

1) Wenn es egal ist welches Essen ich zu meiner Krankheit essen sollte, dann passts.
2) Wenn ich aber bestimmte Bedürfnisse habe, wie z.B.: keine Möglichkeit mich zu bewegen, sollte man sicherlich mehr Eiweiß dem Patienten zuführen, sonst ist der Muskel weg (wie es 2 mal bei mir der Fall war). Oder wenn der Patient übergewichtig ist, dass es leichtere Kost ist.

Ich meine, warum müssen im Winter Patienten mit Zitrusfrüchten gefüttert werden. Das belastet den Körper nur zusätzlich bei der Heilung.

Was ist denn so schlecht an Citrusfrüchte im Winter?

Weil sie den Körper kühlen und anfällig machen. Ist im Sommer ja gut zum kühlen (die Früchte wachsen ja auch in sonniger Gegend), aber im Winter sollte man lieber darauf verzichten.
Siehe z.B. http://www.ernaehrungsberatung-wien.at/aktuelles... usfruechte

achso, TCM...

richtig!

und nicht vergessen täglich das nashornpulver und tigerbalmsalbe verwenden...

...das essen passt schon...

...1. das essen mag vielleicht nicht sternequalität in bezug auf geschmack haben, soll es auch nicht, es soll leicht sein und der behandlung entsprechen... 2. im krankenhaus soll man gesund werden und nicht fett werden... 3. die medizinische versorgung ist bei uns (auch wenn es viele nicht glauben wollen) der hit, fahren sie nur nach frankreich oder england und legen sie sich ins spital (viel spass ;-), orientierung natürlich am besten... 4. nicht so viel raunzen ;-)

Meiner letzten Erfahrung nach war das Essen alles andere als leicht und ich hatte Schonkost. Ich bekam Sachen, die ich als gesunder nicht vertragen hätte.
Halbwegs gutes Essen im Krankenhaus hat nichts mit Fett werden zu tun, sondern mit gesund werden.
Eine schnellere Genesung verkürzt den Krankenhausaufenthalt und spart Kosten.
Das ist aber leider nicht im Interesse der Krankenhäuser, die bekommen pro Tag und Behandlung bezahlt und das Essen ist nur ein Kostenfaktor.

...das ganze gesundheitssystem ist "leider" ein kostenfaktor...

...dem wir uns stellen müssen...ich kann hier des weiteren empfehlen in ein paar großen kantinen im land vorbei zuschauen...wenn sie wurstel mit pommes, nudeln mit souce (welche weiß man nicht ;), pizzaschnitten, schnitzel mit erdäpfelsalat (wahlweise mit mayo aus der tube zum selber ausdrücken und vermischen, pfui teufel ), etc. lieber am speiseplan hätten geht das sicher auch...bei der anzahl an essen finde ich die qualität und die auswahl sehr gut...und ja, essen soll gesund machen, da ist es auf jeden fall besser die sonstige zeit die man nicht im krankenhaus verbringt eine gesunde ernährung zu pflegen (die prio kann man für sich ja setzen, und muss nicht tausende menschen bedienen!)...ad 4. nochmal: nicht so viel raunzen ;-)

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