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In Blau dem Eheglück entgegen: Tara Erraught (als Angelina) in der Oldtimergarage von Prinz Don Ramiro.
Wien - In fragilen Zeiten, da auch kulturellen Großinstitutionen Krisenängste in den Gliedern stecken, muss das Bedürfnis nach Sicherheit wohl grenzenlos sein. Und eine sichere Bank ist Regisseur Sven-Eric Bechtolf in jedem Opernfall. Der Schauspielchef der Salzburger Festspiele produziert kein Risiko und keine Schweißperlen auf Intendantenstirnen. Seine präzisen Konsensarbeiten wirken als Mix aus Esprit und Zugänglichkeit, auch wenn er - wie bei Rossinis La Cenerentola - gleich ein ganzes Traumland entwirft. So wird auch diese heitere Fingerübung wohl locker mit dem Repertoirealltag der Staatsoper zu vermählen sein.
In San Sogno, dessen Fahnen Hummer und Sichel zieren und das dem Italien der 1950er nachempfunden scheint, herrscht zwar heftiges Gedränge am Buffet des beziehungstechnisch anzubahnenden Wohlstands. Doch eine Sozialanalyse ist nicht in Sicht. Bechtolf lässt einer grellen Verwechslungskomödie freien Lauf, in deren Zentrum eine Hausarbeiterin mit gütigem Herzen zur Fürstin wird. Angelina wirkt neben ihrer Folterfamilie - bestehend aus Stiefvater (glänzend: Alessandro Corbelli als Don Magnifico) und seinen vor allem mit Modemagazinen und Schönheitserhalt befassten Töchtern Clorinda und Tisbe - wie eine Putzblume aus dem Gemeindebau.
Womit sie den Boden schrubbt, damit kämmt sie sich. Und als sie schließlich das Herz des Prinzen (Dmitry Korchak verfügt zwar nicht über das einnehmendste Timbre, ist aber vokal ein durchschlagskräftiger Don Ramiro) erobert und mitten im Ehelichungprozess steckt, kocht in ihr noch immer die alte Identität hoch. Magisch fühlt sie sich von einem Wasserkübel angezogen und greift - obwohl schon hochzeitsgerecht gekleidet - nostalgisch zur dreckigen Bürste.
Hierbei handelt es sich um eine der dürftigen, um nicht zu sagen lächerlichen Ideen Bechtolfs. Zudem erweist sich bei dieser Humormaschine der wie eine Notbremsung wirkende Umbau vor dem Finale als mäßig elegant.
Insgesamt fällt das nicht sonderlich ins Gewicht - Bechtolf verziert die langen Arien doch mit allerlei Spaßgirlanden: Er lässt Prinzen-Lehrer Alidoro (solide: Ildebrando D'Arcangelo), der mit magischer Hand die Handlung weitertreibt, auf einem Hut Mappen balancieren. Er lässt das Männervölkchen von San Sogno Frauenkleider tragen und mit Eistüten wie Landeskarten herumtanzen.
Der Diener als Sänger
Und wenn sich der unter Geldnöten leidende Don Magnifico im Traumland befindet, sieht man ihn in einem Kasten die senkrechte Schlafposition üben. Was Wunder, dass der als Prinz agierende Diener Dandini (lange Zeit vokal eher blass: Vito Priante) seinen Erstauftritt als Italoschlagersänger absolviert. Was Wunder, dass der Prinz als passionierter Sammler alter Karossen erscheint, der sich auf seiner geheimen Brautsuche (tadellos und im Finale mit delikater Leichtigkeit: Tara Erraught als Angelina) im Chauffeurs-Outfit versteckt. Bechtolfs Welt wirkt wie eine flotte Pointenmodeschau.
Noch flotter hätte das gewirkt, wenn Dirigent Jesús López Cobos das Staatsopernorchester zu jener virtuosen Leichtigkeit animiert hätte, zu der es fähig wäre. Leider blieb es beim soliden, wenig impulsreichen und mitunter etwas herb klingenden Rossini-Dienst nach Vorschrift. An Tuttistellen klang das oft recht unausgewogen, und den Ensembleszenen gebrach es an Klarheit, wobei die Einzelleistungen von Valentina Nafornita (als Clorinda) und Margarita Gritskova (als Tisbe) zu loben sind. Herzhafter Applaus, in den sich ein Buh für den Dirigenten und mehrere für den Regisseur mischten. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 28.1.2013)
Termine
29. 1., 1., 4., 10., 14. 2.
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Die beiden ersten Premieren der Saison waren praktisch Fremdübernahmen (Alceste, Ariadne) und jetzt ein belangloses Operchen (im Verdi- und Wagner -Jahr!) in zweitklassiger Besetzung. Die Staatsoper ist zu einer Provinzbühne verkommen und die Presse schweigt schamhaft.
ist die cenerentola eben nicht, es wurde nur eines daraus gemacht, weil den veranwtortlichen eben der "saft" ausgegangen ist.
hatten wir bis jetzt h&m, pek und cloppenburg, schwarz - weiss austattungen ist jetzt die zeit der grässlich bunten 1950ger jahre dran.
die oper war seinerzeit schon als ANGELINA mit christa ludwig, berry,kmentt - peter ronnefeld dirigierte ein staatsopern erfolg.
Ioan Holender war da eben aus einem anderen Holz geschnitzt - und manche Kläffer von einst wünschen ihn sich schon wieder zurück. Er war zwar despotisch und somit bei der Wr. Presse nicht sehr beliebt, aber von Stimmen verstand er doch um einiges mehr als sein französischer Nachfolger, der leider mehr in den Seitenblicken als auf den Kulturseiten daheim ist...
abbado rossini gehört hat!
was waren das für reizende buffo opern inszenierungen, nicht als soziaaldrama verschustert.
herr bechtolf scheint der "regiesaft" bei seinen massenproduktionen auszugehen.
frau glittenberg ist eine miese schneiderin, die selbst kleidsames, elegantes schwarz anlegt - aus der jungen debütantin eine " mollige kistn" in kleiderschürze machte.
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