"Kack die Wand an"

27. Jänner 2013, 17:29
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König Joey ist im guten wie im schlechten Sinne unfassbar einfältig

Die vielleicht mitreißendste Dankesrede des Jahres lieferte am Samstag in einem (von diversen RTL-Kameras gefilmten) Selbstgespräch der frischgebackene Dschungelkönig Joey: "Kack die Wand an, Alter. Nee. Nee. Was? Dschungelkönig? Nee! Oder doch? Wow. Wow! Danke schön. Sänk ju. Jawohl! Dschungelkönig in the House."

Joey ist König der siebten und damit jener Staffel, in der das Unterschichtenformat vom Feuilleton entdeckt wurde. Nicht zuletzt die witzigen Dialoge der Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich haben den Trash gesellschaftsfähig gemacht (wobei man sich die Frage stellen kann, ob das nun für den Trash oder gegen die Gesellschaft spricht).

Dabei verpackten sie in ihren neckischen Kommentaren immer ein gehöriges Maß an Menschenverachtung - die Dschungelcamper, allesamt bemitleidenswerte, von narzisstischen Störungen geplagte Kreaturen, waren lediglich Material für ihre aus sicherer ironischer Distanz abgefeuerten Bosheiten. In den Zuschauern schien das den Wunsch nach Echtheit geweckt zu haben: Zweitplatzierte Olivia Jones, als Dragqueen selbst im Dschungel maximal geschminkt (und von RTL zur eindeutigen Klärung ihres Geschlechts ausgiebig bei Rasur und Toilettengang gefilmt), war gerade in dieser Künstlichkeit, im Umgang mit ihrer sexuellen Identität, authentisch.

König Joey daneben ist im guten wie im schlechten Sinne unfassbar einfältig. Fragt ihn Hartwich, ob er ihm (geistig) folgen könne, versteht er das räumlich: "Wohin?" Und als ihm zur Überraschung seine Freundin präsentiert wird, heult er ungeniert los wie ein kleiner Junge. Da sind dann auch die Moderatoren mit ihrer Ironie am Ende. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 28.1.2013)

Nachlese
Joey Heindle ist RTL-"Dschungelkönig"
- Sänger setzte sich im Finale gegen Dragqueen Olivia Jones und Claudelle Deckert durch.

  • RTL-Dschungelkönig Joey.
    foto: rtl

    RTL-Dschungelkönig Joey.

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