Aus den Bäumen von Tennessee

27. Jänner 2013, 18:12
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Der britische Newcomer Jake Bugg und sein Trio gaben ihre Österreich-Premiere

Wien - Im Freien feierte man mit der obligatorischen Geburtstagstorte die Volljährigkeit von FM4. Zeitgleich begann im großen Saal der Arena am Samstag der Kindergeburtstag. Das ist natürlich gemein. Aber Jake Bugg und seine Band sehen aus, als würden ihre Eltern backstage die Daumen drücken und mit einem warmen Schal warten. Bugg ist gleich alt wie der Sender, der ihn da aus England eingeflogen hat, und hasst es, auf seine Jugend und sein Aussehen angesprochen zu werden. Pech, Pech.

Zu Hause stürmte der 18-Jährige im Herbst des Vorjahres mit seinem titellosen Debütalbum an die Spitze der Charts. Das ist nicht nichts. Es ist sogar erstaunlich, denn Bugg spielt eine furztrockene Mischung aus Heintje, Country und Blues - zusammengehalten von ein paar kurzen rockistischen Klebestellen.

Nun muss man sagen, dass in Tennessee jede Woche fünf Jake Buggs aus den Bäumen fallen, aber in Großbritannien reicht das allemal für eine Sensation. Der Teenager wird von Britpop-Senioren wie Noel Gallagher - der weniger Unsympathische von Oasis - ebenso gestreichelt wie von der Hysterie-Presse auf der Insel. Und gemessen an so mancher akustischen Modetorheit ist Buggs forsch gespielter Traditionalismus tatsächlich erfrischend.

Sein Live-Auftritt machte ihn noch sympathischer. Mit tiefgekühlter Emphase und näselnder Stimme führte der von den verantwortlichen Radio-A(ni)mateuren topinformiert als Solo-Act angesagte Bugg sein Trio, bedankte sich knapp beim Publikum, kündigte einzeilig den nächsten Song an und verschwendete generell wenig Energie an die Kunst des Entertainments.

Das ist okay. Schon Johnny Cash hat einst gesagt, er verzichte darauf, herumzutänzeln oder zu enge Hosen zu tragen, dafür kenne und könne er tausend Songs spielen: "Let the music do the talking."

Dass forcierter Country und dessen viele Bastarde beim jungen Publikum reingehen, ist nicht neu. Buggs schlanke Besetzung ließ um drei Hausecken an verwandte Bands wie die Violent Femmes denken. Anders als diese bemüht sich Bugg jedoch um erwachsene Inhalte, während die Femmes im Elend der Adoleszenz badeten und dabei doch mehr Schmäh besaßen als der brave Jake mit der vorschriftsmäßigen Britpop-Frisur.

Der spielte sich mit akustischer und elektrischer Gitarre durch seinen Erstling, ohne dabei etwas falschzumachen. Beim zweiten Album wird's dann spannend. (Karl Fluch, DER STANDARD, 28.1.2013)

  • Schnörkellos und trocken fiel der Einstand von Jake Bugg in der Wiener Arena aus. Das Publikum war begeistert.
    foto: standard/robert newald

    Schnörkellos und trocken fiel der Einstand von Jake Bugg in der Wiener Arena aus. Das Publikum war begeistert.

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