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Wien - Bei Hugo von Hofmannsthal herrschen klare Verhältnisse. Durch seinen Lebenswandel frühzeitig vom irdischen Dasein befreit, geht der reiche Jedermann durch Reue doch noch ins Himmelreich ein. Die Engel sind die Guten, der Teufel hat das Nachsehen, Jedermann fügt sich in sein Schicksal. Anders in Letzter Aufruf Jedermann, Marc Pommerenings frei an das Original angelehntem Stück, das Samstagabend in der Inszenierung von Christian Himmelbauer im Theater an der Gumpendorfer Straße seine Uraufführung erlebte.
Jedermann ist hier ein Investmentbanker, den weder Paradies noch Hölle interessieren - will er das Leben doch gar nicht aufgeben. Er fleht nicht nach Begleitern für seine letzte Reise, sondern versucht den Tod zu bestechen. Statt mit Personifikationen von Mammon und Glauben hat er es mit Engeln zu tun, die nicht vor Täuschung zurückschrecken. Zwischen Jobproblemen, Machtspielchen und Leidenschaften will es den Himmelswesen nicht gelingen, Jedermann zur Einwilligung in sein Ende zu bewegen.
Pommerenings Werk strotzt vor aktuellen Anspielungen und mixt Hofmannsthals Handlungselemente zu einem dichten und schwarzhumorigen " Spiel vom Sterben des reichen Mannes".
Auf der Bühne wird mit einfachen Mitteln der 94. Stock eines Hochhauses erzeugt, unterstützt von entsprechend eingesetztem Licht und Akustik entwickelt sich eine fesselnde Atmosphäre.
Auch wenn der Ernst des Themas Tod hervortritt (intensiv zwischen Geschrei und Säuseln: Gottfried Neuner in der Hauptrolle), ist Letzter Aufruf Jedermann komisch. Die meisten Lacher erntete Alexander Jagsch als weltfremd-naiver Todesengel, gefolgt von Petra Strasser als bibelzitierende TV-Moderatorin. Clemens Berndorff und Julia Schranz komplettieren das Ensemble in leidenschaftlichen bis bösen Rollen. (Sabina Zeithammer, DER STANDARD, 28.1.2013)
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