Dinkhauser: "Die Leute dachten, ich sei der Messias aus Tirol"

Interview | Verena Langegger
27. Jänner 2013, 18:03
  • Fritz Dinkhauser will nicht mehr Parteipolitik machen, sondern Mut zur Beteiligung der Bürger.
    foto: apa/böhm

    Fritz Dinkhauser will nicht mehr Parteipolitik machen, sondern Mut zur Beteiligung der Bürger.

Fritz Dinkhauser über politischen Ehrgeiz, Bauchgefühl und seine Pläne zur Förderung direkter Demokratie

STANDARD: Sind Sie zufrieden nach fünf Jahren als zweitstärkste Partei in der Tiroler Opposition?

Dinkhauser: Nein. Ich habe in den vielen Jahren gelernt, dass du in der Lokomotive sitzen musst, damit sich etwas bewegt. Wenn du im letzten Wagon sitzt, kannst du nichts bewegen. Aber ich habe mir gedacht, auch wenn ich nicht Landeshauptmann bin, ich hab die Kraft des Einflusses. Ich konnte immer Menschen begeistern und bewegen. Wir haben politisch viel bewegt, aber wenig erreicht. Wir haben kontrolliert und aufgezeigt, aber bei der Umsetzung hat die schwarz-rote Mehrheit blockiert.

STANDARD: Sind Sie nicht 2008 angetreten, um Landeshauptmann zu werden?

Dinkhauser: Ich wollte in die Verantwortung, selbstverständlich. Das Bedauerliche war, dass der, den ich gefördert habe, mir von vornherein den Stuhl vor die Tür gestellt hat. Landeshauptmann Günther Platter hat nicht einmal mit mir verhandelt. Also bildeten wir mit Grünen und FPÖ eine starke Opposition. Wir allein haben circa 500 Anträge eingebracht, und 90 Prozent wurden von Schwarz-Rot sofort abgelehnt.

STANDARD: Warum konnte das Bürgerforum österreichweit bei der Nationalratswahl 2008 nicht punkten?

Dinkhauser: Ich habe meine Person völlig überschätzt. Und die Leute dachten, ich sei der Messias aus Tirol. Es war ein gewaltiger Druck - von Bürgermeistern aus ganz Österreich, Ärztegruppen und Bewegungen. Viele haben sich gemeldet. Die Gruppe hat sich dann für ein Antreten entschieden, um die Bewegung in Tirol zu stabilisieren. Wir hatten Umfragewerte von 16 Prozent. Dann traten Heide Schmidt mit dem Liberalen Forum und Jörg Haider auf. Wir hatten keine Chance mehr, ohne Auftritte im TV.

STANDARD: Sie haben sehr zielstrebig Ihren Weg verfolgt, sind auch schon in Ihrer Zeit als Tiroler Arbeiterkammerpräsident gegen die soziale Kälte in Ihrer Heimatpartei ÖVP aufgetreten.

Dinkhauser: Ich wollte die ÖVP jahrelang ändern. Im Salzburger-Programm steht alles drin, wie es sein sollte: Subsidiarität, Solidarität, christlich-soziale Ausrichtung. Das hat die ÖVP aber alles nicht mehr. Sie ist eine Partei der Lobbys, eine Partei des Kapitals und der Bauern. Unter Bauern verstehe ich nicht den kleinen Bauern. Den müsste man eigentlich schützen. Ich meine die Machtstruktur der Großen, etwa die des Raiffeisen-Konzerns. Das ist ein Machtkörper.

STANDARD: Warum sind Sie dann überhaupt zur ÖVP gegangen?

Dinkhauser: Das war sozusagen über die Muttermilch. Vater, Mutter und Onkel, alle standen der ÖVP nah. Mein Onkel war Nationalrat. Der gesamte Umkreis war aus dem ÖVP-Bereich. Dann war ich Geschäftsführer der jungen VP - und das ist dann gewachsen.

STANDARD: Würden Sie heute wieder mit der ÖVP in die Politik starten?

Dinkhauser: (lacht lange) Nein. Ich würde zum Bürgerforum gehen. Und wenn es das nicht gäbe, würde ich es wieder gründen.

STANDARD: Warum haben Sie das Bürgerforum dann erst 2008 gegründet?

Dinkhauser: Ich hatte 2008 auch keine Eingebung über Nacht. Schon 1995, unter dem damaligen Landeshauptmann Wendelin Weingartner, baten mich Menschen zu kandidieren. Sie seien mit der ÖVP nicht mehr zufrieden. Ich habe mich damals noch dagegen gewehrt. 2008 habe ich mir dann gesagt: Es ist mir so gut gegangen, es ist in meiner Karriere immer alles aufwärtsgegangen - ich bin's den Leuten schuldig. Und dann habe ich gesehen, dass ich völlig allein dastehe mit meinem Bürgerforum. Keiner hat mir Geld gegeben. Also habe ich einen Kredit aufgenommen, mit dem Risiko, dass das auch in die Hose gehen kann.

STANDARD: Warum sind Sie dieses Risiko eingegangen?

Dinkhauser: Darum geht es doch: dass man sich etwas zutraut. Ich sage: Mut zum Risiko. Nicht immer auf sich selbst schauen, aber auf die Menschen. Allerdings sich treu bleiben. Das spüren die Menschen. Das Bauchgefühl ist wichtig in der Politik. Das ist heute kaum mehr zu spüren. Vielleicht noch in kleinen Gemeinde, wo man dauernd an der Front ist. Politik wird fast nur mehr von Leuten gemacht, die ihre Stehsätze runterbeten. Das ist Fassade.

STANDARD: Wie geht es mit dem Bürgerforum weiter?

Dinkhauser: Ich trete nicht mehr an. Das heißt aber nicht, dass die Gemeinschaft, die Partei aufgelöst wird. Jetzt wird über Nachfolger nachgedacht. Die Kandidatur muss beruflich und privat machbar sein. Die Person muss Leidenschaft wie ich haben. Mit halber Kraft kannst du das nicht machen.

STANDARD: Und was macht Fritz Dinkhauser ohne Politik? Wirklich nichts mehr?

Dinkhauser: Nichts tun geht nicht. Schon aus sportlichem Ehrgeiz. Man muss die Menschen unterstützen. Weg von der Partei- hin zur Bürgerpolitik. Dass sie mittun wollen und die Verantwortung übernehmen. Wie der Heini Staudinger im Waldviertel! Das gefällt mir, dass der sich auflehnt und sich nicht alles gefallen lässt. Er hat ja eine Akademie gegründet. So eine Bewegung möchte ich gründen, eine Akademie, die direkte Demokratie in den Gemeinden unterstützt. Wenn das nicht ist, ist das auch in Ordnung. Ich habe eine alte Vespa, ein Cabrio und eine tolle Partnerin. (Verena Langegger, DER STANDARD, 28.1.2013)

Fritz Dinkhauser (72) war Tiroler Meister im Hammerwerfen und olympischer Bobfahrer in Grenoble und Sapporo, bevor er zum AAB ging. 1991 wurde er Präsident der Tiroler Arbeiterkammer. 2008 gründete das Ex-ÖVP-Mitglied das Bürgerforum, dieses wurde zweitstärkste Partei .

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Man kann über Dinkhauser denken wie man will, in Tirol ...

gegen die ÖVP aufzutreten und den Anspruch zu stellen, dass die größten "Baustellen der Politik" von Agrargmeinschaften über Cross-Boarder-Wahnsinn bis hin zu den Machenschaften der ÖVP-Repräsentanten, von Strasser bis Hofherr, von Bauernbundfürstentum bis TIWAG-Umtriebe (www.dietiwag.org) allesamt überfällig sind, aufgeräumt zu werden ist eine politische und persönliche Leistung, die mehr Respekt verdient als Dinkhauser seine Eigenheiten anrechnen zu wollen.

Es ist entlarvend, da der Landtag am Gängelband der ÖVP hängt, wie hartnäckig die ÖVP sich gegen eine Innenreinigung stellt. Insofern ist es verständlich, dass Dinkhauser zermürbt von der Bühne geht. Er kann aufrecht gehen, während die Landeshauptleute wohl duch die Hintertür ....

niedlich, wieviel kritikwürdiges über dinkhauser da im forum

hervorgeholt wird. bestimmt sind die meisten vorbehalte sogar berechtigt, mit sicherheit hat dinkhauser viele fehler gemacht und potential nicht genutzt. aber: er hat etwas getan und tut es noch immer. mit idealismus, energie, naivität wohl auch - jedenfalls hat er sich in meinen augen mehr respekt verdient, als >95% derer, die glauben, sie leisten einen substantiellen beitrag für eine positive entwicklung in unserer gesellschaft.

In der AK....

....war er nicht schlecht und äusserst beliebt!
bei den AK-wahlen hat er sogar jeden tiroler betrieb besucht (auch KMU'S) und das persönliche gespräch gesucht. zu seiner politik kann ich nichts sagen, aber alleine schon das er fritz gurgiser (transitforum tirol) mit an board hatte wusste zu gefallen.

in tirol gibt es viele "politische probleme" welche vom bund ignoriert werden - alleine schon das transitproblem! ein skandal!

Selbstüberschätzung

Die Leute haben sich das nicht gedacht - nein, Dinkhauser hat sich geriert als sei er der Messias Tirols.

ich geb der liste nach dinkhausers rückzug kaum chancen, wieder in den landtag einzuziehen. die meisten wählerInnen von 2008 werden wohl eher zu "vorwärts tirol" wechseln.

Wie wärs mit direkter Demokratie in Gefängnissen?

Sie dachten, er sei der "Anton aus Tirol",

dabei stellte er sich nur als der "Fritz" aus Tirol dar: Wie enttäuschend für die Leute!

LOL! Nicht nur in Tirol glauben die Leute an den Messias!

Jawolll, in ganz Österreich haben solche Figuren immer Geschäft!
Soll ich aufzählen? St...., St....., .....

Herr Dinkhauser, die Leute haben "JESSAS" und nicht "MESSIAS" gerufen!

(C;

Naja, Jahre und Jahrzehnte

von der ÖVP profitieren (Parteiposten, Abgeordnetenposten, AK-Präsident!) und dann, wenn man kurz vor der Pension nicht mehr unterstützt wird und die finanziellen Schäfchen längst im Trockenen hat als "Rebell" auftreten und eine neue Liste gründen. Das ist zumindest außerhalb Tirols nicht gerade glaubwürdig, Herr Fritz. Was hat das mit "Rebell" zu tun?

man kann sagen was man will, aber er war/ist EHRLICH

Der Dinkhauser hat zwar etwas zu spät festgestellt, dass diese ÖVP nach Riegler zu einer reinen Unternehmer und Bauernpartei mutiert ist - dafür dass er sich dann gegen die Macht erhoben hat, muss man anerkennen - jetzt zersplittert die VP unter Blatter ja sowieso und da war der Fritz ein Vorreiter.

Er war nicht ehrlich, sondern sollte von der VP in Pension geschickt werden und er wollte aber weiter am Futtertrog bleiben. Das war alles.

Seine Blendgranaten "Aussa aus die Staudn" sollten eigentlich leicht zu durchschauen sein. Und jetzt wird er voraussichtlich nicht wiedergewählt und tritt daher gleich gar nicht mehr an (siehe mein Posting weiter unten)

alles ok - Hauptsache die VP zerspangelts...

...dass diese endlich auf Trockendock kommt und vielleicht zur Besinnung

kann er nicht sein

weil der kommt aus dem osten
deshalb haben die araber auch das ost-tor von jerusalem zugemauert und sicherheitshalber
einen friedhof davor angelegt.

Die Tiroler habens mit dem Messias.

"Die Leute dachten, ich sei der Messias aus Tirol"

um in Lehrer aus der Piefke Sage zu zitieren: "Na, i gwiss nit"

Messias?

Wohl eher Dampfplauderer...

Naja...

...er hat zwar recht, dass in Tirol dringend Änderungen herbeigeführt werden müssen.

ABER: Dinkhauser war selber Jahrzehnte (!) am Futtertrog, hat Personalwahlkampf für sich selbst auf Kosten der AK-Mitglieder und mit Pfründen der VP gemacht. Dann war ihm das nicht mehr genug und er hat 18 % der Tiroler mit Parolen, bei denen ein Strache neidvoll erblasst, umgarnt. Als er gewählt war hat er im Grunde nichts gemacht (ja, er hat ein paar Anträge gestellt, aber auch eher pro Forma)

Und jetzt? Jetzt hat er eine Umfrage in Auftrag gegeben und gesehen, dass er es bei der nächsten Wahl nur mehr mit Müh und Not in den Landtag schafft. Und bevor er sich diese Schmach genehmigt geht er lieber in Pension und erklärt sich noch zum Messias. Prost!

Eine Blase....genauso wie Stronach.......

und die anderen sind keine blasen ?

"Die Leute dachten, ich sei der Messias aus Tirol"

Also ich hielt ihn für einen Erzählbären. Passte gut zum Spitzenkandidaten der Christen - womit sich der Kreis schließt.

Ein Heiliges Land braucht nun einmal einen Messias - auch wenn er als Märtyrer endet !

Wahrscheinlich fährt er...

... einen MEHRTÜRER!

Der Messias aus Tirol

Klingt wie die neue Single von Dj Ötzi.

du, wenn der das liest....

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