Image-Faktor: Samsung ist Apple auf den Fersen

27. Jänner 2013, 14:19
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Marktdominanz und Marketing machen die Smartphones aus Korea immer attraktiver

Der koreanische Elektronikkonzern Samsung hat den Smartphone-Markt in den vergangenen Jahren aufgemischt. Ausgehend vom Erfolg der Galaxy S-Reihe hat der Branchenriese nunmehr unzählige Telefone vom Low-Budget-Einsteigersegment bis hin zu Highendgeräten im Programm und verkauft mittlerweile mehr Geräte als Apple. Mit dem US-Konkurrenten liefert man sich ein Duell an der Spitze des Markes, das sich nicht nur um Technik, sondern auch um das Ansehen der eigenen Produkte dreht, wie das Wall Street Journal analysiert.

Platzhirsch

Wirtschaftlich geht es Samsung so gut wie nie zuvor. Der Konzern konnte seinen Gewinn im letzten Quartal um 76 Prozent steigern und hat das in großen Teilen seiner Smartphone-Sparte zu verdanken. Apple wiederum wies zwar einen Umsatzrekord und gute Zahlen für das iPhone 5 aus, musste aber dennoch seit September einen Kursverlust von 37 Prozent hinnehmen.

Samsung konnte seinen weltweiten Marktanteil laut iSuppli mittlerweile von 20 auf 28 Prozent ausbauen, Apples Wachstum verlief mit einem Anstieg von 19 auf 20,5 Prozent deutlich langsamer. Der US-Konzern weist aber weiterhin deutlich höhere Gewinnmargen und einen erheblich höheren Marktwert auf.

Wenig Innovation, aber eigene Produktionsstätten

Viele Analysten sind nach wie vor der Meinung, dass es Samsung an Innovationskraft fehlt. Die Stärke des Unternehmens liegt eher darin, mit den Produkten anderer zu einem besseren Preis gleichzuziehen. Highendgeräte kommen zwar offiziell zu einem Preis auf iPhone-Niveau auf den Markt, sind über Aktionsangebote aber schnell für wesentlich weniger Geld zu haben.

Ein Vorteil des Marktführers ist es, dass er nur wenige Komponenten von Drittherstellern zukaufen muss und im Besitz der Produktionsstätten für verschiedene Chips, Bildschirme und andere Bauteile ist. Apple muss sich hingegen auf seine Zulieferer - darunter auch Samsung - verlassen. Während Apple ausschließlich mit dem eigenen Ökosystem operiert, verdient Samsung viel an Android-Phones, baut aber auch Geräte mit Windows Phone sowie künftig Geräte mit Tizen.

Marketingschlacht

Wie der Rivale aus Cupertino pumpt mittlerweile auch Samsung viel Geld ins Marketing. Alleine in den USA ließ man sich eine mittlerweile berühmte Kampagne laut Kanter Media 200 Millionen Dollar kosten. Bekannt ist sie für Spots, die sich über das iPhone lustig machen, in dem etwa die langen Warteschlangen vor Apple-Stores humorvoll aufs Korn genommen werden. Die Botschaft "Das nächste große Ding ist schon da" soll nicht nur das Galaxy S3 bewerben, sondern auch das iPhone altmodisch aussehen lassen.

"Die Popularität des iPhones steht nicht in Frage", meint David Barnard, Gründer der iOS-Softwareschmiede App Cubby. Er hält die Strategie von Samsung, am "hippen" Image des iPhone zu kratzen, jedoch für klug. "Das iPhone alt aussehen zu lassen ist eine perfekte Marketingbotschaft."

Wandel bei Entwicklern

Diese scheint bei einigen Käufern anzukommen. "Wenn man das sieht, beginnt man nachzudenken", sagt ein Smartphonebesitzer dem WSJ. Er freut sich vor allem über den im Vergleich großen Bildschirm des S3. "Wenn mir jetzt jemand ein iPhone gibt, um ein Bild anzusehen, wirkt es ziemlich winzig."

Die auch auf der Straße immer ersichtlichere Dominanz hat auch bei einigen Entwicklern bereits zu einem Umdenken geführt. So erklärt Ken Yarmosh, CEO von Savvy Apps, dass seine Firma zuerst iOS-Apps entwickelt hat, mittlerweile den Fokus aber auf Android legt. "Es hat einen Wandel gegeben. Zuerst entwickelte man für iOS und, wenn noch Geld übrig war, für Android. Nun heißt es 'Android first' oder 'Android only'."

Eilige Aufholjagd

Samsungs Strategie hat sich historisch entwickelt. Lange hat sich der Konzern hauptsächlich auf Nokia als Rivalen konzentriert, bis man 2009 - als das iPhone in Südkorea startete - langsam begriff, dass die Finnen der falsche Maßstab waren. Im Februar 2010 schrieb der frischgebackene Chef der Telekom-Sparte, J. K. Shin, an seine Mitarbeiter, dass der Unterschied in der Nutzungserfahrung zwischen Samsung-Produkten und dem iPhone wie jener von "Himmel und Hölle" sei.

Die Reaktion folgte kurz darauf in Form des Samsung Galaxy S. Das Android-Handy sollte den Rivalen ausstechen, etwa durch ein integriertes Radio, seine frontseitige Kamera und das größere Display. Mit den Verkaufszahlen des iPhones konnte das Telefon nicht mithalten, doch Samsung hatte eine Duftmarke gesetzt. Apple überarbeitete das iPhone 4 und führte ebenfalls eine Frontkamera ein.

Der Konkurrent legte mit dem Galaxy S2 und einer enormen Diversifizierung seiner Smartphone-Palette nach. Im Oktober 2011 preschte man schließlich mit dem Galaxy Note vor und erschloss damit den Markt für sogenannte "Phablets". 2012 erhielt die S-Reihe mit dem Galaxy S3 ihr neuestes Modell, dessen Verkaufserfolg fallweise sogar iPhone-Niveau erreichen konnte.

"Ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen"

Der Erfolg von Samsungs aggressivem Marketing scheint sich bei weniger loyalen Apple-Kunden bereits bezahlt zu machen. Etwa bei der Kalifornierin Dora Daniels, die in San Francisco auf riesige Plakate für das S3 gestoßen war. "Es ist eigentlich blöd, weil ich kein Marketing-Sklave sein will, aber das ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen", meint die 26-Jährige, die vor kurzem ihr älteres iPhone mit Samsungs aktuellem Spitzenmodell ersetzt hat. (red, derStandard.at, 27.01.2013)

  • Werbespots für das Galaxy S3 versuchen, das iPhone alt aussehen zu lassen.
    foto: samsung

    Werbespots für das Galaxy S3 versuchen, das iPhone alt aussehen zu lassen.

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