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Zeithistoriker, Dekan, Alt-Rektor der größten steirischen Universität und europaweit anerkannter Experte des Hochschulsystems: Am kommenden Dienstag (29. Jänner) feiert Helmut Konrad seinen 65. Geburtstag. Am 1. Februar ehrt ihn die Universität Graz mit einem Symposium.
Zu seinem Arbeitsplatz fährt er - mit Ausnahmen im Winter - nach wie vor mit dem Fahrrad: um 7.00 Uhr spätestens. Seit 29 Jahren hat Helmut Konrad den Lehrstuhl für Allgemeine Zeitgeschichte an der Universität Graz inne und lehrt nach wie vor mit Leidenschaft - daneben war er Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultutät, Rektor der Universität und erster Präsident des österreichischen Akkreditierungsrates für die Privatuniversitäten - selbst als Wissenschaftsminister war er in den 1990er-Jahren im Gespräch.
"Literatur war das, was mich wirklich interessiert hat - deswegen hab' ich an der Uni Wien auch Germanistik inskribiert und als Zweitfach Geschichte. Im Laufe des Studiums ist es immer weiter in Richtung Zeitgeschichte gegangen", schildert Helmut Konrad im Gespräch mit der APA den Beginn seiner universitären Laufbahn.
Bei den Protesten der Studierenden 1968 war Konrad vorne mit dabei: "Ich war immer links". Der gebürtige Kärntner trieb sein Studium dennoch zügig voran und promovierte 1973 mit einer Dissertation zur KPÖ und KSC zur Zeit des Hitler-Stalin-Paktes "sub auspiciis". Ab 1972 war er Assistent am Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte und dem damit verbundenen Ludwig-Boltzmann Institut der Geschichte der Arbeiterbewegung an der Universität Linz.
1980 habilitierte er sich in Linz, 1984 fiel dann mit seiner Berufung an die Universität Graz der Startschuss zur Einrichtung der Abteilung Zeitgeschichte am Institut für Geschichte. Um das vierköpfige Kernteam wuchs im Laufe der Jahre ein großes wissenschaftliches Umfeld: Mehr als 100 Dissertationen sind seither dort entstanden, rund die Hälfte davon sowie mehrere hundert Diplomarbeiten von ihm selbst betreut.
Studierenden hat er stets das "Du"-Wort angeboten: "Ich habe immer den persönlichen Draht zu den Studierenden gesucht, bei schlechten Leistungen ihrerseits fühle ich mich persönlich nicht ernst genommen", schilderte der charismatische Professor sein Credo für die Lehre.
Von 1993 bis 1997 war Konrad Rektor der Universität Graz, öffnete und positionierte die Universität neu in der Öffentlichkeit. Während der Balkankriege setzte die Uni Graz signifikante Hilfsmaßnahmen, wofür Konrad später zum Ehrenbürger der Universität Sarajewo und Ehrendoktor der Universität Shkodra in Albanien ernannt wurde. Von 2000 bis 2008 war er Präsident des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften (IFK) in Wien, das er 2011 gerne nach Graz geholt hätte, dann aber an die Kunst-Uni Linz angedockt wurde.
Wesentliche Beiträge hat Konrad im Qualitätssicherungswesen im österreichischen aber auch europäischen Hochschulbereich geleistet: Bereits 1999 war er Mitglied des Deutschen Akkreditierungsrates, im Jahr 2000 wurde er erster Präsident des österreichischen Akkreditierungsrates für die Privatuniversitäten (bis 2005), saß im Akkreditierungsrat des Kosovo und war auch an der Implementierung des Systems in Albanien beteiligt.
Gastvorträge und -professuren führten den Zeithistoriker und Experten des Hochschulwesens in die ganze Welt u.a. an die Cornell Universität und die Yale Universität/USA, die Universität von Waterloo/Kanada und an das European University Institute in Florenz. Als Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen hat sich Konrad international hohes wissenschaftliches Ansehen erworben.
Für die eigene Forschung - Schwerpunkte sind die Arbeitsgeschichte, Erste Republik und der Erste Weltkrieg und zunehmend die Kulturgeschichte - bleibt mittlerweile wenig Zeit, so Konrad, der noch bis Sommer wieder als Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät tätig ist. "Dann geht es wieder für ein halbes Jahr nach Yale", so Konrad. Der Professor mit Hang zur Literatur aber auch der bildenden Kunst, starken Kaffee und der italienischen Küche ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.
Am 1. Februar lädt das Institut für Geschichte der Uni Graz anlässlich des Geburtstages von Konrad zu einem Symposium unter dem Titel "Neuschreiben von Heimaten", das sich kritisch mit Begriff, Konzept sowie Neudefinitionen von "Heimat" in Kunst, Literatur und Wissenschaft in der 2. Republik auseinandersetzt. U.a. wird Schriftsteller und Büchner-Preisträger Josef Winkler aus seinem Buch "Roppongi. Requiem für einen Vater" lesen und die polnische Literaturwissenschafterin Joanna Drynda (Universität Poznan), Reinhard Kannonier, Historiker und Rektor der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz, sowie US-Historiker Jay Winter (Yale-University) sprechen. (APA, 25.1.2013)
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