Das Quaken der Frösche ließ mich kaum schlafen

27. Jänner 2013, 20:15
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Theodor Vanicek, Geschäftsführer des Heimtextilausstatters "Zur schwäbischen Jungfrau", kannte Transdanubien gar nicht, bevor er nach Wien-Aspern zog

Theodor Vanicek, Geschäftsführer des traditionellen Wäscheausstatters "Zur schwäbischen Jungfrau", wohnt mit seiner Frau in Aspern. Michael Hausenblas besuchte die zwei am Wiener Stadtrand.

"Eigentlich habe ich mein ganzes Leben im achten Bezirk am Hamerlingplatz gewohnt. Nachdem ich meine Frau Claudia kennengelernt habe, bin ich für ein Jahr zu ihr in den zweiten Bezirk gezogen. Und dann sind wir vor fünf Jahren hier in diesem Haus im 22. Wiener Bezirk gelandet. Bis zu diesem Zeitpunkt kannte ich die Gegend jenseits der Donau kaum. Oder besser gesagt: gar nicht. Auch die Südosttangente war mir nur durch den Verkehrsfunk ein Begriff. Das hat sich aber geändert, schließlich muss ich jeden Tag ins Büro in den achten und anschließend ins Geschäft in den ersten Bezirk. Das ist aber auch schon der einzige Minuspunkt an der Lage des Hauses.

Zu Hause anzukommen ist wie Urlaub. Wir sind richtig verliebt in diesen Ort und sehen uns hier auch alt werden. Wir sind im Grünen, am Sonntag fahren gerade einmal drei Autos vorbei, und es gibt fast immer einen Parkplatz vor der Tür. Hinzu kommt, dass Eigentum für junge Leute wie uns in anderen, beliebten Gegenden Wiens kaum mehr leistbar ist.

Wir wollten unbedingt ein Haus mit Garten, schon wegen unserer Hunde, wegen des weißen Dobermanns Gracey, benannt nach Grace Kelly, und des Foxterriers Goliath. Das Gebäude ist modern und offen. Die Wohnfläche beträgt 250 Quadratmeter. Dazu noch ein Garten mit gut 750. Ich würde es aber nicht Luxusbleibe nennen.

Entdeckt haben wir das Haus im Internet. Es ist circa 15 Jahre alt, wurde von gerner gerner plus geplant und ist eine Stahlkonstruktion mit sehr viel Glas. Die Außenhaut besteht aus weißen Platten. Im unteren Geschoß befindet sich eine großzügige Wohnküche und eine Art Lounge mit einem modernen Kachelofen. Auf der Couch daneben verbringen wir die meiste Zeit. Oben gibt's ein großzügiges Schlafzimmer mit Ankleide und Bad, ein Büro, noch ein Badezimmer und zwei Kinderzimmer, die derzeit als Schrankräume fungieren. Das Ganze liegt auf verschiedenen Levels mit wenigen Treppen Höhenunterschied. Es wirkt, als wäre es aus verschiedenen Schachteln zusammengesetzt worden. Einen großen Keller gibt's auch noch.

Das Haus gehörte früher einem Primar vom Donauspital, das nicht weit von hier liegt. Im vergangenen Jahr haben wir dann auch noch das Nachbargrundstück samt einem alten Häuschen erworben. Das war die Sommerbleibe eines älteren Ehepaars - die nettesten Nachbarn, die man sich nur vorstellen kann. Sie haben beschlossen, ins Seniorenheim zu gehen. Mal schauen, was wir damit machen. Schließlich wollen wir noch Kinder. Apropos Nachbarn: Ich schätze den Altersschnitt in unserer Straße auf 70. Das ist die beste Alarmanlage, die man sich wünschen kann. Dafür sind wir dankbar.

Sehr wichtig ist uns auch das Licht hier. Ich wache nicht gern im Dunklen auf. Es ist schön, den Tag mit den ersten Sonnenstrahlen zu beginnen. Das Haus ist eine wahre Lichttherapie. Die Ruhe ist auch erstaunlich, wobei ich im ersten Sommer kaum schlafen konnte, weil mich das massenhafte Quaken der laichenden Frösche eines nahen Gewässers kaum die Augen schließen ließ. Jetzt hören wir es gar nicht mehr. Verrückt, oder? Der Straßenlärm von früher hatte mir nichts ausgemacht, so sehr war ich an ihn gewöhnt. Oder nehmen wir den Supermarkt um die Ecke: Da stehen selbst am 24. Dezember keine drei Menschen an der Kasse an. Und getratscht wird sowieso immer. Das gibt's doch in der Stadt gar nicht mehr. Dieser Platz ist in jeder Hinsicht ein Ort der Entschleunigung.

Klar hat meine Altbauherkunft und mein Beruf als klassischer Heimtextilausstatter Einfluss auf unser Wohnen. Es ist uns aber wichtig, dass wir zu Hause einen Kontrast zum Programm im Geschäft leben." (DER STANDARD, 26./27.1.2013)

Theodor Vanicek wurde 1983 in Wien geboren. Gemeinsam mit seiner Tante Hanni Vanicek leitet er das Traditionshaus für Wäsche "Zur schwäbischen Jungfrau", das sich am Graben 26 in der Wiener Innenstadt befindet. Das Geschäft wurde bereits im Jahre 1720 gegründet und gilt als einer der ältesten Wäscheausstatter der Welt. Zu den Kunden des Hauses zählen unter anderem auch internationale Adelshäuser wie das Sultanat von Pahang oder der malaysische Hof. Seine Frau Claudia Vanicek betreibt ein Beauty-Spa in der Wiener Börsegasse in der Wiener Innenstadt.

Link

schwaebische-jungfrau.at

  • Theodor Vanicek, seine Frau Claudia sowie die Hunde Gracey (li.) und 
Goliath, die sich unweit des SMZ-Ost allesamt pudelwohl fühlen.
    foto: lisi specht

    Theodor Vanicek, seine Frau Claudia sowie die Hunde Gracey (li.) und Goliath, die sich unweit des SMZ-Ost allesamt pudelwohl fühlen.

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