Kostenmanagement, aber kein Jobabbau

25. Jänner 2013, 17:11
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Firmenchefs haben gelernt, mit den Auswirkungen der Finanz- und Eurokrise umzugehen. Neue Jobs werden aber nicht geschaffen

Es ist wie die alljährliche Zeugnisverteilung, nur dass man nicht zurück, sondern nach vorne blickt: Das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) stellt beim Weltwirtschaftsforum in Davos seine Untersuchung über die Aussichten für das noch junge Jahr vor. Auffällig bei dieser nunmehr zum 16. Mal durchgeführten Befragung unter 1330 Firmenchefs in 68 Ländern ist, dass nur 36 Prozent sehr zuversichtlich sind, ihr Unternehmen könne in den nächsten zwölf Monaten Wachstum verzeichnen. Vor einem Jahr waren es 40 Prozent.

Noch pessimistischer blicken die Firmenlenker in Westeuropa in die Zukunft. Nur 22 Prozent sind optimistisch, was die kurzfristigen Wachstumsaussichten betrifft. Vor einem Jahr waren es noch 27 Prozent, im Jahr 2011 sogar 39 Prozent.

Drei Gründe

Norbert Winkeljohann, Chef von PwC in Deutschland, identifiziert im STANDARD-Gespräch in Davos drei Gründe dafür: Sorge um das Wachstum in China, Unsicherheit über kommende Programme des US-Präsidenten Barack Obama und die Entwicklungen in der Eurozone: "Die wird zwar im Moment als stabil angesehen, aber das ist nicht auf Dauer gelöst." Mehr als die Hälfte der Befragten sieht die Eurozone weiter als Grund zur Besorgnis an (siehe Grafik).

Warum hat die Eurokrise nicht mehr die Dominanz wie in den Vorjahren? " An die Probleme in der Eurozone hat man sich gewöhnt, man kann damit umgehen", erklärt Winkeljohann.

Die Auswirkungen in der Praxis in Deutschland und Österreich: "Keine großes Einstellen, aber auch kein signifikanter Abbau", beschreibt Winkeljohann die Situation im Jobbereich. Also Kostenmanagement und eine verhaltene Einstellungspolitik.

Facharbeitermangel sei nach wie vor ein großes Problem in beiden Ländern. "Letztlich werfen die Universitäten nicht die Quote ab, die man sich vorstellt, gerade im Ingenieurswesen", kritisiert Winkeljohann. Erfahrene Mitarbeiter länger im Arbeitsprozess zu halten sei "ein Thema für die Zukunft, das von vielen noch nicht entdeckt worden ist".

Frauen fördern

Frauen seien dagegen "ein großes Thema", meint Winkeljohann. "Wenn Firmen einen Return on Investment haben wollen, dann müssen sie auch an den weiblichen Talenten festhalten und deutlich flexibler im Arbeitsumfeld werden." Auch im Führungsbereich? "Gerade im Führungsbereich, weil man doch erkannt hat, welche guten Talente dort schlummern. Das zeigt sich daran, wie schnell sich Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten durchgesetzt haben. Auch in Österreich." Winkeljohann ist davon überzeugt, dass "der Druck so groß werden wird, dass man gar keine Quote braucht".

Dass es diesen Druck gibt, wurde heuer auch in Davos deutlich. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, appellierte leidenschaftlich an das männlich dominierte Publikum: "Frauen müssen am Arbeitsprozess teilnehmen." Bei einer hochkarätig besetzten Diskussionsrunde machte sich EU-Kommissarin Viviane Reding für eine verpflichtende Frauenquote stark. Dass dieses Thema überhaupt in Davos diskutiert wird, zeigt: Es findet ein Umdenken statt. (Alexandra Föderl-Schmid aus Davos, DER STANDARD, 26./27.1.2013)

  • Nach Einschätzung von Berater Norbert Winkeljohann setzen Firmen verstärkt auf Frauen in Führungs- positionen: "Der Druck wird so groß, dass man gar keine Quote braucht."
    foto: pwc

    Nach Einschätzung von Berater Norbert Winkeljohann setzen Firmen verstärkt auf Frauen in Führungs- positionen: "Der Druck wird so groß, dass man gar keine Quote braucht."

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  • Firmenchefs kämpfen mit den Auswirkungen der Finanz- und Eurokrise.
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    Firmenchefs kämpfen mit den Auswirkungen der Finanz- und Eurokrise.

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