Willkommene Lückenfüller

25. Jänner 2013, 17:10
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Museen gehören zur heißumworbenen Klientel - Mit jüngsten Ankäufen füllten österreichische Häuser Lücken und schärften ihre Sammlungsprofile

Neben der Bewahrung und der Erforschung zählt die Erweiterung des Bestandes zu den zentralen Aufgaben staatlicher Museen: einerseits um Lücken zu füllen und andererseits auch um Sammlungsprofile zu schärfen. Der "natürliche" Zuwachs über einzelne Legate, Nachlässe oder Schenkungen orientiert sich aus Sicht der verantwortlichen Kustoden dabei nur eingeschränkt an den konkreten Bedürfnissen einer Institution. Ankäufe spielen deshalb nicht nur eine wichtige, sondern eine ganz essenzielle Rolle.

Damit zählen Museen auch hierzulande zu einer auf dem Kunstmarkt heißumworbenen Klientel. Die Vermittlung eines Kunstwerkes an eine öffentliche Sammlung ist für den Handel in Zeiten schrumpfender Budgets und darob jammernder Kuratoren dabei nicht zwangsläufig besonders lukrativ, jedoch von jeher eine Frage des Prestiges. Und Letzteres tröstet dann auch über den Umstand hinweg, dass diese Exponate damit den Status als Handelsware verlieren und endgültig vom Markt verschwinden.

Geförderte Zeitgenossen

Davon ist wiederum der traditionelle Kunsthandel und damit der Sekundärmarkt tendenziell eher betroffen als die auf dem Primärmarkt agierenden Galeristen: Denn die Platzierung eines zeitgenössischen Werkes in einer renommierten Kollektion adelt seinen Künstler und verhilft diesem sowohl zu ideeller als auch über die damit verbundene Steigerung seines Marktwertes zu materieller Anerkennung. Einkäufe im Bereich der Gegenwartskunst werden zusätzlich vom BMUKK unterstützt. Dort hält man unter dem Titel Galerienförderung ein Jahresbudget von 511.000 Euro bereit, von dem 14 ausgewählte Bundes- und Landesmuseen zu gleichen Teilen profitieren: jeweils 36.000 Euro, die aus eigenen Mitteln auf (zumindest) 54.000 Euro aufgestockt werden müssen.

Ob damit einzelne oder mehrere Werke erworben werden, bleibt den Institutionen überlassen, jedenfalls wünscht sich das Ministerium eine Fokussierung auf Künstlerinnen und Emerging Artists. Über dieses Subventionsprogramm ergänzte das Wien-Museum seinen Bestand zuletzt um ein Stehpult von Gelitin (2009), das Mak erwarb solchermaßen Arbeiten von Andreas Fogarasi (Wise Corners, 2010), Rudi Stanzel (Rise/Fall, 2010/11) oder Candida Höfer (Schindler House IV, 2012), das Belvedere aktuell etwa Werke u. a. von Michael Kienzer (Tendenz) oder Alois Mosbachers Géricault (Abb. 2). Die für diese Kunstwerke gezahlten Preise wollen diese Institutionen nicht nennen, ebenso wenig die involvierten Galerien.

Mehr Transparenz gewährt die Albertina: Von Joel Sternfeld sicherte man sich jüngst dessen C-Print Lake Oswego aus dem Jahr 1979 (29.565 Euro, Abb. 1) und bekam über die österreichische Ludwigstiftung, die jährlich zwischen 250.000 und 450.000 Euro für Albertina-Käufe reserviert, eine zehnteilige Holzschnittserie von Donald Judd (115.000 Dollar). Aus eigenen Budgetmitteln, die man mit jährlich 150.000 bis 200.000 Euro beziffert, holte man sich quasi direkt aus dem Atelier Michela Ghisettis das Frauenporträt Felicia (18.000 Euro, Abb. 5).

Abseits dessen sondierten heimische Museen das Angebot des lokalen Kunsthandels und fischten sich passende Lückenfüller vom Markt: Das Belvedere sicherte sich beispielsweise im April 2012 im Dorotheumsnachverkauf Ferdinand Georg Waldmüllers Porträt des Grafen Apponyi (36.900 Euro).

Das Wien-Museum holte sich seinerseits ebendort im Herbst 2011 Leopold Kupelwiesers Madonna mit Wien-Ansicht von 1855 (18.600 Euro, Abb. 3) und ergatterte bei der Kinsky-Auktion im November für 27.500 Euro eine Kreation aus dem Modesalon Flöge.

Im Gegensatz zu anderen Museen verfügt das Wien-Museum über eine wesentlich breitere Sammlungspalette, die auch den Bereich Zeitgeschichte und Alltagskultur umfasst. Und das erklärt auch auf den ersten Blick kurios wirkende Zuwächse wie einen Dauerwellenapparat aus den 1930er-Jahren (Abb. 6), den man aus einer Privatsammlung erwarb. Letztere Option nützte auch das Mak, das 2012 mehr als 200.000 Euro in Ankäufe investierte: Dazu gehörte einerseits ein um 1907 datierter Gitterkorb von Josef Hoffmann (Abb. 4) oder ein hölzerner Christophorus von Oskar Strnad aus dem Jahr 1910. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 26./27.1.2013)

  • Die Albertina kaufte 2012 diesen C-Print von Joel Sternfeld ("Lake Oswego", 1979) an - für 29.565 Euro.
    foto: albertina

    Die Albertina kaufte 2012 diesen C-Print von Joel Sternfeld ("Lake Oswego", 1979) an - für 29.565 Euro.

  • Aus einer Privatsammlung erwarb das MAK für einen unbekannten Betrag diesen Gitterkorb von Josef Hoffmann aus dem Jahr 1907.
    foto: mak

    Aus einer Privatsammlung erwarb das MAK für einen unbekannten Betrag diesen Gitterkorb von Josef Hoffmann aus dem Jahr 1907.

  • Zu den jüngeren Ankäufen des Wien Museums gehört dieses Gemälde von Leopold Kupelwieser ("Madonna mit Wien-Ansicht", 1855), das man im Herbst 2011 für 18.600 Euro im Dorotheum ersteigerte.
    foto: wien museum

    Zu den jüngeren Ankäufen des Wien Museums gehört dieses Gemälde von Leopold Kupelwieser ("Madonna mit Wien-Ansicht", 1855), das man im Herbst 2011 für 18.600 Euro im Dorotheum ersteigerte.

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