Insekten, die im Inneren anderer Insekten leben

27. Jänner 2013, 19:29
  • Ein Fächerflügler-Männchen
 der Art Stylops melittae; seine Größe liegt zwischen 4 und 5 Millimetern.
    foto: dr. heiko bellmann

    Ein Fächerflügler-Männchen der Art Stylops melittae; seine Größe liegt zwischen 4 und 5 Millimetern.

Forscher analysieren Fortpflanzung des Fächerflüglers Stylops melittae - Weibchen strecken zur Paarung nur den Kopf aus ihrem Wirt

Bayreuth - Etwa 60 Arten von Fächerflüglern gibt es in Europa - Angehörige einer Ordnung kleiner Insekten, die fast ihr gesamtes Leben als Parasiten im Inneren anderer Insekten verbringen. An dieses Leben sind sie derart angepasst, dass sie selbst zur Paarung nicht ganz aus ihrem Wirt herauskommen. Zumindest gilt dies für die Weibchen der Fächerflüglerart Stylops melittae, wie die Universität Bayreuth berichtet.

Die ausgewachsenen Weibchen von Stylops melittae verbringen ihre gesamte Lebenszeit in ihren Wirten - oft sind es Sandbienen, Verwandte der Honigbiene, die keine Staaten bilden. Der Körper des Fächerflügler-Weibchens besteht im Wesentlichen aus einem lang gestreckten weißlichen Hinterleib, der die Biene nie verlässt, und einem Kopfbereich, mit dem sich das Weibchen bei Bedarf aus dem Hinterleib der Biene herausbohrt: Nämlich kurz vor der Geschlechtsreife.

Die geschlechtsreifen Männchen hingegen befreien sich völlig aus der Wirtsbiene. Sie sind mit großen, fächerartig zusammenfaltbaren Hinterflügeln ausgestattet und leben frei in der Natur, ohne dabei Nahrung aufzunehmen. Ihre Lebenszeit ist sehr gering, sie umfasst meistens nur wenige Stunden. Denn die Männchen haben nur eine Funktion: Sich mit Weibchen zu paaren.

Lockstoff identifiziert

Die Paarung kommt dadurch zustande, dass das Weibchen aus dem Kopfbereich ein Sexualpheromon ausstößt. Diesen Lockstoff - ein Aldehyd - nehmen die Männchen mit ihren großen, verzweigten Fühlern wahr. Wie hochempfindlich die Fühler auf den Lockstoff reagieren, haben Forscher der Uni Bayreuth um Siegfried Kehl und Stefan Dötterl mit Hilfe von elektrophysiologischen Messungen nachgewiesen. Die Wahrnehmung des Pheromons löst nun bei jedem Fächerflügler-Männchen den Impuls aus, der Spur des Pheromons zu folgen.

Ist das Männchen bei der Wildbiene angekommen, findet es den aus dem Hinterleib der Biene herausragenden Kopf des Fächerflügler-Weibchens vor. Mit seinem dolchartigen Begattungsorgan durchsticht das Männchen das Gewebe im Kopfbereich des Weibchens und pumpt seine Spermien hinein. Die Spermien wandern anschließend in den Hinterleib des Weibchens, wo sie dessen Eier befruchten.

Vermehrung auf Kosten anderer

Nach der Paarung entwickeln sich die befruchteten Eier im Hinterleib des Weibchens zu Larven, die lebend geboren werden. Sie werden vom Weibchen "ausgespuckt", so dass sie sich außen am Kopfbereich des Weibchens oder auf der Wirtsbiene befinden. Jede Larve ist dabei nur 0,4 Millimeter groß. Die Biene transportiert die Larven auf die von ihr besuchten Blüten; von hier werden sie dann auf diejenigen Bienen übertragen, die die Blüten als nächste besuchen. Diese nehmen die Fächerflügler-Larven mit in ihre Nester, wo sie sich in die jungen Bienenlarven hineinbohren und den Zyklus von Neuem beginnen lassen.

Leidtragende dieser Vermehrung sind die Bienen. Nicht nur dass sie ihren Parasiten unfreiwillig Nahrung liefern, sie müssen einen noch schlimmeren Nachteil hinnehmen: Befallene Bienenlarven können sich zwar zu einer erwachsenen Biene entwickeln, doch verlieren sie ihre eigene Fortpflanzungsfähigkeit. (red, derStandard.at, 26. 1. 2013)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
1 2
Und ich dachte, der Bienennachwuchs kommt von der Königin?

boris becker kann bezeugen

das es in seltenen Fällen auch beim Menschen eine solche Zeugung geben kann.

Ein Hirnfick sozusagen. :-D

Zuerst Hirnfick, dann hirnschwanger und zu guter letzt eine Kopfgeburt ;-)

ich könnt meinem wirt niemals was antun

also,

mir fallen da sofort einige menschliche Parasiten ein.

Obacht!

Eben jener unpassende Vergleich parasitärer Lebewesen mit Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft wurde vor einigen Jahrzehnten als Argumentationshilfe zur industriellen Ermordung von
zig Millionen Menschen herangezogen.

Das ganze...

...als Film:

https://www.youtube.com/watch?v=wtGHJf6-we8

komisch ist, dass die Biene so ruhig dahockt, das ganze über sich ergehen lässt und keinen Mucks von sich gibt. Ob die bei diesem Vorgang durch das Weibchen oder Männchen der Fächerflügler gelähmt ist?

Im Winter ist der Stoffwechsel der meisten Insekten auf Standby, weil es wenig Sinn macht durch Aktivität Energie zu verbrauchen, die man nicht nachtanken kann. Das nutzen die Fächerflügler aus und paaren sich eben dann

Sowas Grausliches! Hätte man stattdessen nicht Bilder von kleinen Katzen zeigen können?

sie finden katzen die

von würmern aufgefressen werden weniger grauslich?

die überschrift hat mir schon gereicht-wähh,igitt

Wer braucht da noch einen Horrorfilm? Die Natur ist manchmal echt krass und schlimmer als alles, was sich Hollywood so einfallen lässt. Ich hab echt Gänsehaut gekriegt als ich das las.

"... doch verlieren sie ihre eigene Fortpflanzungsfähigkeit."

Sind weibliche Bienen abgesehen von den Königinnen überhaupt fortpflanzungsfähig?

Es geht hier um nicht-staatenbildende Bienen.

Und das wissen Sie ganau von wo?

Ich habe den Artikel gelesen.

"oft sind es Sandbienen, Verwandte der Honigbiene, die keine Staaten bilden."

Es gibt im Übrigen sehr viele Bienenformen, die alleine leben, bzw. nicht in Staaten.

Sorry sorry!
Hab ich nicht mitgedacht...

inkonsisenz

"...Die ausgewachsenen Weibchen von Stylops melittae verbringen ihre gesamte Lebenszeit in ihren Wirten - oft sind es Sandbienen, Verwandte der Honigbiene, die KEINE Staaten bilden..."

"...Diese nehmen die Fächerflügler-Larven mit in ihre Nester, wo sie sich in die jungen Bienenlarven hineinbohren und den Zyklus von Neuem beginnen lassen..."

was jetzt - staatenbildend oder nicht?

derStandard.at/Wissenschaft
016
28.1.2013, 11:14
es stimmt

so wie es im Artikel steht. "Nest" ist nicht gleich "Staat". und auch solitär lebende Bienen bauen ein Nest für ihren Nachwuchs.

Hirnschwanger also!

Erstaunlich.

Die Fächerflügler denken sich wohl wenig bei der ganzen Angelegenheit. Aus der Sicht der Bienen und aus der Sicht aller anderer Lebewesen, ist die Angelegenheit aber eher beunruhigend.

die im innern anderer ...leben

z.b. auch bandwürmer
http://de.wikipedia.org/wiki/Band... s_Menschen

http://www.youtube.com/watch?v=vMG-LWyNcAs

warnung, das ist echt grausig ^^

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.