Ouya und Co.: Sind Android-Konsolen zum Scheitern verurteilt?

27. Jänner 2013, 11:51
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Mangelnde Verkaufsgarantie hält Hersteller und Konsumenten zurück, meinen Branchenbeobachter

Es war wie ein Hoffnungsschimmer, als vergangenen Juli ein Team erfahrener Branchenleute eine Spielkonsole vorstellte, die mit so ziemlich allen Konventionen etablierter Konsolen von Nintendo, Sony und Microsoft brach. Die auf Android-basierte Ouya sollte nur 99 Dollar kosten, dank Free2Play-Geschäftsmodell Spiele kostenlos verfügbar machen und Entwicklern sämtliche Freiheiten bei der Nutzung der Hardware bieten - ganz ohne hoher Lizenzkosten und anderer Hürden. Über die Crowdsourcing-Plattform Kickstarter von interessierten Unterstützern finanziert, entwickelte sich das Projekt in Windeseile zum Liebling in der Community. Es dauerte nicht lange, bis sich Nachahmer fanden. Der GameStick tauchte auf und auf der CES in Las Vegas überraschte Grafikchiphersteller Nvidia die Branche mit einem ambitionierten Gaming-Handheld namens Project Shield. Android als führende Plattform bei Smartphones und Tablets etabliert, scheint wie geschaffen für die vermeintliche Gamingrevolution zu sein. Im März soll nun die Ouya als erster dieser Hoffnungsträger auf den Markt kommen. Doch anstelle von Euphorie macht sich unter Marktbeobachtern zunehmend die Befürchtung breit, dass die wie Pilze aus dem Boden sprießenden Android-Konsolen zum Scheitern verurteilt sind.

Sorgenkind Games

Die größten Sorgen bereitet Experten das Spiele-Portfolio. Unter den bisher angekündigten Werken für Ouya befinden sich weder große Exklusivtitel noch besonders namhafte Games, die als Zugpferde für die Plattform fungieren könnten. Viele der bestätigten Spiele sind Portierungen bereits auf anderen Plattformen erschienener Titel. Und dabei sind bekanntlich die Inhalte entscheidend für den Erfolg einer neuen Konsole. Umso prekärer ist die Situation, weil bereits für das erste Halbjahr 2013 die Vorstellung der neuen Konsolengeneration von Sony und Microsoft erwartet wird. "Diese Hersteller haben ein Fenster von vielleicht drei bis vier Monaten, um die Leute zu begeistern. Und wenn Sony und Microsoft danach ihre 800 Pfund schweren Gorillas aus dem Sack lassen, werden diese Hersteller mit einem Schlag in Vergessenheit geraten sein.", meint der ehemalige Games-PR-Spezialist Marcus Beer und Moderator der Sendung "Annoyed Gamer". "Das Problem ist, dass sie nicht die Vollpreis-Blockbuster-Werke bieten. Sie haben kein 'Fallout', 'Skyrim' oder 'Call of Duty'", so Beer in einer Podiumsdiskussion von Gametrailers.

Nur für Entwickler interessant?

Gleichzeitig ist es fraglich, weshalb man für Android-Games überhaupt eine Ouya braucht. Dies bietet bereits eine Vielzahl von Smartphones und Tablets mit Googles Betriebssystem an. Das Interesse gehe Beer nach derzeit in erster Linie von Entwicklern und nicht von Konsumenten aus. "Ich denke, die Leute sind vor allem interessiert, weil es eine günstige Plattform ist, um Spiele zu entwickeln." Anders als Nintendo, Sony oder Microsoft verrechnet Ouya Entwicklern keine Linzenzgebühren und es ist keine teure Entwicklungshardware nötig.

Jeff Cannata von Weekend Confirmed widerspricht Beer diesbezüglich. Ihm zufolge spreche das Kredo einer "offenen Plattform" auch die Spieler an. "Die Spieler sind gespannt darauf, was das nächste große Ding ist und hier können Android-Konsolen die Aufmerksamkeit auf sich lenken.", sagt Cannata. Allerdings glaubt auch er, dass die Begeisterung für derartige Alternativen nur so lange anhalten wird, "bis Sony und Microsoft mit den neuen Konsolen zeigen, was sich mit viel Geld umsetzen lässt".

Eine Frage des Geldes

"Ouya und ähnliche Projekte erhalten viel Zuspruch und es lassen sich damit gute Schlagzeilen generieren.", meint auch Industrieveteran Seamus Blackley, der bereits an der Entwicklung der ersten Xbox beteiligt war. "Will man Spielhersteller auf seine Seite bekommen, muss man als Plattformhersteller jedoch auch versichern können, dass der Markt für die Spiele groß genug sein wird. Den Vorteil, den die Big Player trotz Lizenzkosten und strenger Kontrollen haben ist, dass Spielhersteller davon ausgehen können, dass sich ihre Spiele auf den etablierten Systemen verkaufen werden. Und diese Sicherheit der großen Anbieter ist das, was die Inhalte garantiert. Deshalb sind für Ouya und derartige Angebote keine Blockbuster in Entwicklung."

Konsolenalternative Steam

Die einzig ernsthafte Konkurrenz zu PlayStation und Co. stellt in Blackleys Augen Steam dar. Die Spieleplattform für PC soll künftig auch auf eigens optimierten Spiele-PCs ausgeliefert werden. "Steam ist ein etabliertes System, ein gewinnversprechendes Ökosystem und gibt Herstellern die Zuversicht, dass sie hier ihre Investitionen wieder einspielen können." Valve, Sony, Microsoft und Nintendo haben sich "diese Zuversicht und das Vertrauen der Konsumenten über Jahrzehnte erarbeitet". Daran würden sobald auch keine vielversprechenden Rivalen aus der Android-Community etwas ändern. Deshalb sollte man zumindest als Konsument die Erwartungen an Ouya, GameStick oder Shield nicht zu hoch schrauben. Aber selbst wenn die Android-Konsolen keine Millionen-Seller werden sollten, könnten sie als kostengünstige Alternativen frischen Wind in die Entwicklerszene bringen. Davon würde schließlich die gesamte Branche profitieren. (Zsolt Wilhlem, derStandard.at, 27.1.2013)

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