Neue Gewalt in Ägypten: Mehrere Tote, hunderte Verletzte bei Straßenschlachten

26. Jänner 2013, 08:11
  • Tausende Menschen demonstrierten am zweiten Jahrestag der Revolution am Tahrir-Platz in Kairo.
    foto: khalil hamra/ap/dapd

    Tausende Menschen demonstrierten am zweiten Jahrestag der Revolution am Tahrir-Platz in Kairo.

  • Ein Demonstrant in Kairo trägt einen Verletzten Jungen vom Schauplatz der Gewalt.
    foto: khalil hamra/ap/dapd

    Ein Demonstrant in Kairo trägt einen Verletzten Jungen vom Schauplatz der Gewalt.

  • Ein leerer Tränengas-Kanister am Freitag.
    foto: reuters/amr abdallah dalsh

    Ein leerer Tränengas-Kanister am Freitag.

  • Die Nacht von Donnerstag auf Freitag am Tahrir-Platz.
    foto: reuters/mohamed abd el ghany

    Die Nacht von Donnerstag auf Freitag am Tahrir-Platz.

Ausschreitungen in mehreren Städten - Mindestens neun Tote, mehr als 400 Verletzte

Kairo - Der 25. Jänner 2011 ging als Beginn der Massenproteste, die zum Sturz von Präsident Hosni Mubarak führten, in die Geschichte ein. Exakt zwei Jahre später bietet sich auf den Straßen von Ägyptens Großstädten ein ähnliches Bild: Am zweiten Jahrestag der Revolution ist die Gewalt zwischen Regierungsgegnern und Polizei eskaliert. Bei Straßenschlachten in Kairo, Alexandria, Ismailia und Suez sollen mehr als 400 Menschen verletzt worden sein, berichtet das ägyptische Gesundheitsministerium. Präsident  Mursi rief über den Kurznachrichtendienst Twitter zur Ruhe auf und verurteilte die "abscheuliche Gewalt".

Die schwersten Ausschreitungen gab es am Freitag in Suez. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden neun junge Männer erschossen, als Demonstranten das Gouverneursgebäude in der Kanal-Stadt stürmen wollten. Noch in der Nacht auf Samstag wurden Militäreinheiten mit gepanzerten Fahrzeugen nach Suez verlegt. Der Armee-Einsatz sei nötig geworden, da die Polizei die Kontrolle über die Stadt verloren habe, wurde der Chef der Sicherheitsbehörde von Suez, General Adel Refaat, auf der Website des staatlichen Fernsehens zitiert. Die Unterstützung sei erforderlich, bis "diese schwierige Zeit" vorüber sei.

In mehreren ägyptischen Städten schleuderten Demonstranten Brandsätze und Feuerwerkskörper auf die Polizei, die ihrerseits Tränengas einsetze. In Ismailiya am Suez-Kanal zündeten Randalierer das Parteibüro der Muslimbrüder an und verwüsteten das Gouverneursgebäude, wie der TV-Sender Al-Arabiya berichtete. Vor dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt setzte die Polizei Tränengas gegen Demonstranten ein, die versuchten, auf das Gelände zu gelangen. Im Laufe des Tages waren Tausende Menschen auf den Tahrir-Platz in Kairo geströmt, um gegen die Politik von Präsident Mohammed Mursi und den Einfluss der islamischen Muslimbruderschaft zu protestieren. Während der Revolution war der Platz zentraler Schauplatz des Aufstandes gegen Machthaber Husni Mubarak.

"Die Revolution geht weiter"

"Die Revolution geht weiter", sagte der linke Oppositionspolitiker Hamdin Sabahi Reuters TV auf seinem Weg zum Tahrir-Platz. "Wir weisen die Beherrschung des Staats durch eine Partei zurück. Wir sagen Nein zum Bruderschafts-Staat." Auch der liberale Politiker Amr Hamsaui lehnte dies auf Twitter ab. Er warf dem Präsidenten zudem vor, die Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit zu ignorieren.

Präsident Mursi und die Muslimbrüder haben die Kritik zurückgewiesen. Sie sehen sich durch ihren Wahlsieg bestätigt und werfen ihren Gegnern vor, die demokratischen Spielregeln nicht zu respektieren und wichtige Reformen zu erschweren. "Die Meinungsverschiedenheiten, die Ägypten gerade durchmacht, sind ein zentrales Kennzeichen des Übergangs von einer Diktatur zur Demokratie", schrieb der Anführer der Bruderschaft, Mohammed Badie, am Freitag in der staatlichen Zeitung "Al-Ahram". "Sie zeigen deutlich die Vielfalt der ägyptischen Kultur."

Mursi kommt nach Deutschland

Die Muslimbrüder hatten unter Hinweis auf drohende Gewalt auf einen Aufruf zu einer Gegendemonstration verzichtet. Sie begingen den Jahrestag des Beginns der Revolution mit einer landesweiten Wohltätigkeitskampagne. Etwa eine Millionen Ägypter sollen dabei Medikamente und Grundnahrungsmittel erhalten. In diesem Jahr sind in Ägypten Parlamentswahlen geplant.

Mursi wird kommende Woche in Deutschland erwartet. Im Vorfeld des Besuchs sorgten kürzlich bekannt gewordene Kommentare des Präsidenten aus dem Jahr 2010 über Juden für Wirbel. Damals hatte er Zionisten unter anderem als "Blutsauger" sowie "Nachfahren von Affen und Schweinen" verunglimpft. Mursi war zu der Zeit eine führende Figur in der Muslimbruderschaft. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte eine Aufzeichnung des Fernsehinterviews, in dem Mursi die Aussagen machte, einsehen. Die ägyptische Regierung hat erklärt, die Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. (red/APA/Reuters, 25.1.2013)

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Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden neun junge Männer erschossen

Hat nicht gerade deswegen das Mubarak Regime seine Legitimität verloren ?
Oder dürfen demokratische Staaten auf ihre Bürger schießen ?

Assad schießt schon seit zwei Jahren auf seine Bürger - dort stört es sie nicht ?

Oder dürfen demokratische Staaten auf ihre Bürger schießen?

das passiert öfter mal.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kent... e-Massaker
Beim Kent-State-Massaker wurden am 4. Mai 1970 an der Kent State University in den USA vier Studenten erschossen und neun teils schwer verletzt, als die Nationalgarde des Staates Ohio während einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg das Feuer auf die Menge unbewaffneter Demonstranten eröffnete....Bis heute wurde niemand gerichtlich für das Massaker zur Verantwortung gezogen.

kann man so pauschal nicht beurteilen. In Österreich wurden auch schon Menschen erschossen. In Italien sogar bei Protesten...

was passiert, wenn progressivere kräfte eine revolution starten und konservative davon profitieren...
...durch packelei mit konserven ist kein lebbares leben zu machen...

was passiert, wenn progressivere kräfte eine revolution starten und konservative davon profitieren...

kann man sich im iran anschauen
linke, kommunisten, feministen, etc. haben damals zusammen mit den religiösen gegen den schah gekämpft. und nach der revolution waren sie die ersten die in den gefängnissen gelandet sind.

Ö ähnliches schema, selten gehört: da machen wir so nicht mit, das ist untragbar... weil bei der nächsten abstimmung brauchen's vielleicht wieder ein paar stimmen, von "den anderen"...
das ist nicht politik, das ist gegenseitiges sautrogfutter zuschieben

so ähnlich ist es jetzt auch in ägypten - zwar nicht ganz so radikal, aber wenn man dem moslembrüdern ein bissl zeit gibt, wird's schleichend denselben effekt geben.

Ich weiß nicht, von wem das stammt, aber es ist irgendwie plausibel: "Jeder Faschismus ist Folge einer gescheiterten Revolution."

die frage ist, ist es packelei

oder haben die konserven (wie meistens) die revolution einfach entführt?

Was bei uns verwunderlich ist, dass wir die ganze Zeit versuchen jemanden zu verbessern obwohl wir uns selber nicht sehen. Vor 600 Jahren lagen wir noch alle in der **** und nun wollen wir einer großen Kultur beibringen was Demokratie ist? Seien wir ehrlich, dass es Afrika so schlecht geht ist unsere Schuld. Die Algerier hatten vor der Kolonialzeit weniger Analphabeten als Frankreich. Wir haben nur gesiegt in dem wir konstruierte Gewalt durchgebracht haben. Wir haben nicht gesiegt in dem wir denen in der Wissenschaft überholt haben. Und jetzt wollen die Zerstörer Afrikas Frieden einrichten. Bestimmt.

Wir haben in Europa wirklich genug erreicht. Geld alles mögliche an Materiellem. Dafür geht aber die Gesellschaft und unsere Werte zu grunde

Ganz so ist es nicht, der Kolonialismus ist lange her und Länder wie Südafrika, Namibia, Botswana kann man jetzt nicht unbedingt als gescheiterte Staaten bezeichnen. Und Länder wie Brasilien, Chile matchen sich heute auf dem internationalen Markt mit den asiatischen und westlichen Staaten. Auch diese Länder waren Kolonien, daher glaube ich, dass die Folgen des Kolonialismus überschätzt werden.

na ja ...

nun, 600 jahre sind eine lange zeit, die einen entwickeln sich weiter, die anderen bleiben zurück.
die kolonialzeit ist auch schon lang vorbei. afrika hätte lang genug zeit gehabt, was auf die beine zu stellen. und "wir" sind sicher nicht an den zuständen schuld.

Das ist so pauschal dahergeschrieben natürlich Quatsch. Ich bin nicht Schuld daran, dass es i Ägypten so zu geht...

und nun wollen wir einer großen Kultur beibringen was Demokratie ist?

Die alten Ägypter.
Ja dass war eine große Kultur.
Aber nicht der Islam.
Der ist alles andere als eine große Kultur!

"aber nicht der Islam"

Warum argumentieren sie mit Religion ? Hat ein "Christ" die Nähmaschine erfunden ? Oder war ein "Christ" als erster Mensch auf dem Mond ? Religion ist ein Teil der Kultur, aber nicht der wesentliche. Abgesehen davon: ein nicht unwesentlicher Teil unserer zivilisatorischen Errungenschaften stammen aus dem arabischen (oder soll ich sagen: muslimischen) Raum.

ach mei, "der Islam" ist genauso groß wie das "alte Ägypten", wenn man da überhaupt ein Ranking aufstellen kann! Er passt halt vielen nicht, aus gutem Grund!
Man kann z.B. den Iran nicht als "failed state" bezeichnen...

Welche große Kultur?

Es ist richtig, dass der Hass auf den Westen ein Resultat seines Wirkens ist. Das ist trivial. Umgekehrt ist es aber nicht anders. Ägypten war vielleicht mal eine große Kultur. Mit Betonung auf viellecht. Die Geschichte wird nicht von der Relität geschrieben, sondern von Menschen. Sicher ist, dass ein konservatives Machtgefüge keine Zukunft hat. Viele Ägypter wissen das. Demokratie will denen niemand beibringen. Woher haben sie das?

ihr beitrag ist so voller unwahrheiten das es weh tut.

Könnten sie mit fakten kommen?

Es ist doch eindeutig bewiesen das die Franzosen wenig gebildeter waren als Algerien und mit organisierter Gewalt erst wurde Algerien zurück gebombt.

jetzt ist es umgekehrt - und weiter?

Veränderung

muss vom Volk kommen.... weiter so - jagt diese Religionsidioten aus dem Amt und macht Politik für die Menschen denn vom Glauben alleine kann man halt nicht leben.

ich höre gar nichts vom begeisterten ORF-korrespondenten karim al -weissichwie, wie der sich vor lauter Euphorie förmlich überschlagen hat wobei die wenigen vernünftigen schon damals wußten wie das ausgehen wird, ein wirtschaftliches, gesellschaftliches und damit menschliches Desaster ohnegleichen

und das traurige für viele agypter: unter mubarak war man mindestens sicher vor diesen marodierenden und fanatischen gottesstaatenbefürworter.
die revolution frisst ihre eigenen kinder.....beweist ägypten wieder mal....

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