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Wien - Unterschätze nie die Zartbesaiteten! Was für eine Power so ein fragiles Ding entwickeln kann: irre. Natürlich muss es auf den verstehenden, aber auch kraftvoll fordernden Partner treffen. Und diesbezüglich hat das vom Utrechter Willem Kroesbergen gebaute Cembalo nun wirklich Glück gehabt: Es wurde von Ton Koopman bespielt.
Koopman ist ein Berserker mit dem Erscheinungsbild eines pensionierten Universitätsprofessors. Der weißbärtige, freundliche Niederländer rockte bei seiner "Grand Tour", die er im Auftrag der Resonanzen durch zwei Jahrhunderte europäischer Musikgeschichte unternahm, den Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses.
Bei den mit Wollust vorgetragenen Akkordrepetitionen von Antonio Valentes Gagliarda napoletana fehlte nur noch das Head-Banging, die wilden Läufe in Joseph Hector Fioccos Sonate in G-Dur erinnerten in ihrer furiosen Unbedingtheit an die Gitarrensoli von Eddie Van Halen. Jump!
Generell fühlte sich Koopman in der Attacke wohler als in der Kontemplation: Selbst in langsamen Sätzen wie etwa dem Adagio des Concerto d-Moll BMV 974 von Johann Sebastian Bach präsentierte er die eröffnenden Begleitfiguren mit wuchtiger Kraft.
Energische Virtuosität bei Johann Jacob Frobergers Toccata seconda d-Moll, tänzerische Eleganz bei William Byrds Fantasia a-Moll, mit der die Tour de force ihren Anfang genommen hatte. Verblüffend die Charaktervielfalt der Themendarstellung im polyphonen Stimmgeäst - und das auf einem Instrument, welches lediglich minimale terassendynamische Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Den Klang des modernen Konzertflügels misste man auch bei Frühklassiker Johann Christian Bach nie. Applaus, zwei Zugaben. (Stefan Ender, DER STANDARD, 25.1.2013)
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