Osttiroler Dorfchef lässt sich nicht kontrollieren

24. Jänner 2013, 19:55

Matrei im Schuldenchaos: Opposition will Übernahme der Finanzen durch das Land

Innsbruck - "In der Gemeinde geht derzeit gar nichs mehr", sagt Regina Köll. Die Hüttenwirtin ist eine von acht Oppositionspolitikern der Matreier Liste. Politisch durchsetzen kann sich die Liste kaum, hat doch der Matreier VP-Bürgermeister - er heißt zufällig ebenfalls Köll - alle Ausschüsse mit seinen eigenen Parteikollegen besetzt. Trotzdem versucht die Opposition unverdrossen, ihre Rechte wahrzunehmen und die regierende VP zu kontrollieren.

Bürgermeister Andreas Köll gilt als mächtiger Mann, er ist auch Landtagsabgeordneter und Obmann des AAB. Ihn zu kontrollieren sei schwierig, sagt die Dorfopposition. Rund 41 Millionen Euro Schulden hat die 4781-Seelen-Gemeinde angehäuft. Umgerechnet auf die rund 300 Millionen Schulden des Landes Tirol wären das rund 13 Prozent allein für Matrei.

Überdimensionierte Projekte

Viele Projekte der vergangenen Jahre seien überdimensioniert geplant worden, wird kritisiert. Vor drei Jahren seien teure Kanalarbeiten in dem Ortsteil Zedlach auf über 1200 Metern begonnen worden. Auch das Fußballstadion um sieben Millionen Euro passe eher in eine Stadt denn in eine kleine Gemeinde. 2012 wurden die Matreier Finanzen von der Bezirkshauptmannschaft geprüft. Kritisiert wurden die Auslagerung von Schulden und die Kontoüberziehung der Gemeinde um fast das Zehnfache, passiert sei jedoch nichts. Die Budgets 2012 und 2013 seien nur durch Tricks ermöglicht worden, sagt Oppositionspolitikerin Köll. So wurden etwa Erschließungskosten für einen Erlebnispark eines Hotels für 2012 verbucht, den es noch gar nicht gibt, Waldverkäufe um 750.000 Euro für 2013 eingeplant und Umweltverträglichkeitsprüfungen für Kraftwerke an Tauernbach und Isel eingereicht. Die Entschädigungszahlungen des geplanten Iselkraftwerks seien aber mit 104.000 Euro pro Jahr bei den Matreier Schulden vernachlässigbar, kritisiert die Opposition. Gefordert wird die Übernahme der Finanzen vom Land. (ver, DER STANDARD, 25.1.2013)

Kommentar posten
22 Postings
Gemeinden

sollten nur noch ausgeben dürfen was sie auch einnehmen. Gleichzeitig dürfen Ausgaben zu Bildung und sozialem nur noch über den Bund gesteuert werden.

in diesem Falle

würde ich die Walder Brüder rufen.....werd s schon sehen....

Ämtermulti, und total abgehobener Politiker

Die Gemeindeaufsicht hat in diesem Fall total versagt!
Die Schulden sind seit Jahren bekannt und der Herr Köll darf weitermachen wie bisher. Dazu kommt noch das der Bgm. Köll für die kommende Landtagswahl der Spitzenkandidat der ÖVP in Osttirol ist. Die Abstimmung darüber fiel in den innerparteilichen Gremien einstimmig aus!
Mit dieser Art von machtbesessenen Politikern, welche sich auch noch in diversen Ämtern gleichzeitig wiederfinden, wird die ÖVP untergehen. Und das wird hoffentlich bald passieren...

als letzte Chance

bliebe noch die Privatisierung der Wasserversorgung.

"ahna ...

... hot imma des pummerl, ahna muas imma va-liahn, ahna steht imma im winkerl ..."

Schon traurig...

...wenn Gemeindepolitik - neben der inzwischen überbewerteten Landespolitik oder teils weltfremden Bundespolitik - zu solchem Abheben verleitet und der normale Bürger das wieder auf den Deckel kriegt...
Können wir nur hoffen, dass der FC/SV (wie auch immer) Matrei durch den "Stadionbau" dann bald bei der Championsleague mitspielt und somit einen Zuschuss zum Schuldenabbau leisten kann!

Ortskaiser von Matrei!

Die Bevölkerung dieser Gemeinde ist mit so einen
Bürgermeister zu bemitleiden. Drückt sich dieser Ortschef
das Geld selbst, oder wie glaubt er diese hohe Summe jemals zurückzahlen zu können.Was kommt da für eine Kommunalabgabenbelastung auf den einzelnen Bürger zu? 2012 wurden diese Zustände noch von der BH in Lienz geprüft und vielleicht auch noch für in Ordnung befunden.Da überkommen den Steuerzahler aber große
Glücksgefühle,wenn er sieht,wie sparsam mit den hart erarbeiteten Mitteln um sich geworfen wird.

es ist so wie überall

..die Gemeinden verlassen sich, dass sie das Land rettet, die Länder, verlassen sich, dass sie der Bund rettet - also machen doch alle weiter beim Schulden machen, denn bisher ist noch keine Gemeinde und noch kein Land Pleite gegangen, denn die Steuerzahler brennen immer!
Wozu wir allerdings so viele Gemeinden und die 9 Bundesländer brauchen?

ob da was abgefärbt hat??

vom osttiroler matrei nach kärnten ists eben nicht allzuweit...
hats doch auch im nachbarland so prima geklappt, die zusammenarbeit von schwarzen und braunen in finanziellen dingen...
und kontrollen.... wozu denn, ist ja alles in ordnung - abgelehnt!!

politiker (allen voran gemeindepolitiker) sollten gar kein budget zur freien verfügung haben. ALLES ausschreiben und schulden selber zahlen, dann werden die banken schon rechtzeitig den hahn zudrehen…sonst ist deren geld halt weg.

Wird die Gemeinde halt in Konkurs gehen..

und der Darlehensgeber wird um sein Geld umfallen. So what? Das ist eben Risiko!

Matrei wird auch noch Jahrzehnte "am brenna" sein!

In diesem Fall geht es aber um Matrei in Osttirol, nicht um Matrei am Brenner!

Mfg

Wieso tut keiner was dagegen?

Aber nein, die Grünen interessieren sich lieber für 20 Asylwerber ohne legalen Aufenthaltsstatus in der Votivkirche als für ein 5000-Einwohner-Dorf in Tirol.

Dann dürfen wir uns aber alle nicht wundern, wieso am Wahltag nicht die Grünen 20% haben, sondern eben wer anderer.

lol, netter ablenkungsversuch!

und sie bleiben derweil hinterm ofen?

wie wärs, fahrn nach matrei und machen sie sich kundig und berichten sie hier im forum. ist halt a biß arbeit und
wille damit verbunden, nicht zu vergessen etwas hirn um ein gemeindebudget überhaupt zu verstehn.

Tirol hat 300 Mio Schulden?

Entschuldigung! Das glaube ich nicht.

Matrei = Fohnsdorf?

Die politische Farbe ist wirklich sekundär.

Gewiss ist die Farbe nicht egal - zumindest, wenn sie sich "deckt" (und das im doppelten Wortsinn).

Nur in einem, von der eigenen Partei kontrollierten und durch interne Machtverschränkungen gelähmten Land, kann ein Bürgermeister so an demokratischer (Opposition) und formaler (BZ-Hauptmannschaft & Landesrechnungshof) Kontrolle vorbei, sein Dorf in den Ruin reiten.

Und die betreffende Partei ist eben in derSteiermark die SPÖ, und in Tirol die ÖVP...

Im Interesse eines höflichen Austausches, erlauben Sie ein "echte" (nicht rhetorische) Frage: Warum ist dann die Farbe sekundär? - Impliziert dies, dass die respektiven Allmachtsparteien im selben Maße zum Machtmissbrauch neigen. Wollten sie darauf hinaus?

Meine Haltung: Ich kenne mehr ÖVP-"Lobbyisten", "Supernackerte" und "Weißwestige" als SPÖ-MandatarInnen. (Allerdings ist steirische Landespolitik auch nicht mein Steckenpferd ; )

was hat das mit haltung zu tun, wenn man mehr schwarze als rote lumpen kennt?

könnt das ev. ein zustand sein, daß man auf dem roten auge blind ist?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.