Hypo NÖ erledigte ihren Rettungsdeal diskret

24. Jänner 2013, 19:34
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Vereinbarungen zu Wertpapierdeals erfolgten laut Zeugen mündlich. Das birgt auch für Bankchef Harold Probleme

Wien - Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwalt beschäftigt sich in der Causa Hypo mit der Bilanzierung 2008 rund um abgestürzte Lehman-Papiere. Die Ermittler schreiben in ihren Akten von " Bilanzschönung": Statt 2,2 Mio. Euro Verlust habe die Hypo 2008, wie berichtet, einen Gewinn von 3,026 Mio. Euro ausgewiesen. Der Schaden, den die beschuldigten Bankchefs und Aufsichtsräte (sie alle weisen die Vorwürfe zurück) der Bank damit beschert hätten, liege aber höher.

Denn auf Basis des Gewinns bekam Hypo-Eigner Land eine Dividende von drei Mio. Euro, zudem wurden rund zwei Mio. Euro an Zinserträgen fürs Ergänzungskapital (40 Mio.) ausgezahlt. Beides "wäre ohne Gewinn nicht erlaubt gewesen", lautet der Vorwurf.

Wundersamer Wertzuwachs

Die Lehman-Papiere wurden ja überteuert verkauft. Aus Recherchen der Aufsicht und Einvernahmen von in den Deal involvierten Zeugen lässt sich der wundersame Wertzuwachs der Lehman-Bonds (17 Mio. Euro Nominale) ersehen. Die Bank kassierte 59 Prozent des Nominale (10,03 Mio. Euro) - gemäß Marktwert wären es nur 1,36 Mio. (acht Prozent) gewesen.

Zwar gab es in der Bank einen Vorstandsbeschluss für das Geschäft (die Liechtensteiner Lessika-Anstalt kaufte die Bonds) - sonst war die Dokumentation aber dürftig. Man vertraute einander: "Sämtliche ... Parameter ... wurden zwischen Hypo , BNP und Lessika mündlich vereinbart", sagte ein Zeuge aus.

Für den Zehn-Millionen-Kredit von der Bank Winter, mit dem Lessika (Eigenmittel: 1,2 Mio. Euro) die Papiere kaufen konnte, hatte die Hypo gesorgt. Den Kredit zu bekommen war Ende 2008 gar nicht so einfach: "Ich habe im Nachhinein auch erfahren, dass die Hypo angeblich mehrere Banken ansprach, die Transaktion zu übernehmen. Die haben die Transaktion jedoch ... abgesagt", erinnert sich der Zeuge und belastet damit auch Bankchef Peter Harold.

Auslagerung kaputter Wertpapiere

Der zweite Vorwurf gegen die Verantwortlichen von Hypo und landeseigener Vermögensverwalterin Fibeg dreht sich um die Auslagerung kaputter Wertpapiere ins (von der Hypo finanzierte) irische Vehikel Augustus. Laut Staatsanwalt lagerte die Fibeg (veranlagt auch die Wohnbaudarlehenserlöse) Wertpapiere von 600 Mio. aus, die Bank von 175 Mio. Euro.

Mit dem Monitoring der Wertpapiere beauftragte man die langjährigen Niederösterreich-Geschäftspartner von Aurelius, denen auch die Lessika-Anstalt zuzurechnen ist. Sie bekamen dafür 400.000 Euro im Jahr. Verhandelt habe er diese Gebühr mit Herbert Höck, dem Ex-Hypo und Ex-Fibeg-Chef, klärte ein Ex-Aurelius-Manager die Ermittler auf. (Renate Graber, DER STANDARD, 25.1.2013)

  • Probleme für Bankchef P. Harold.
    foto: standard/conny de beauclair

    Probleme für Bankchef P. Harold.

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