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vergrößern 600x421Unentrinnbar: "Bodies (with) in Fences" im Wuk.
Wien - Unsere Gesellschaft ist eine permanente Baustelle. Eine, die auf allen Ebenen von Zäunen durchzogen und mit Gittern gesichert wird. Wie sich diese Politik der Sperrung anfühlt, veranschaulichen die österreichische Choreografin Saskia Hölbling und der französische Künstler und Philosoph gerade mit ihrem beklemmenden Tanzstück bodies (with)in fences im Wiener Wuk.
Das Setting bleibt auf das Wesentliche reduziert. Etwa 40 Gitterfelder, knapp hintereinander aufgestellt, bilden die Bühneninstallation. Auf und in diese sind zwei Frauen, Rotraud Kern und Hölbling, sowie ein Mann, Franco Seneca, verbannt. Es gibt ganz offensichtlich kein Entrinnen.
Dem Publikum wird bald klar, dass diese Installation drei Parallelwelten verbindet. Denn die Choreografie darin ist zwar darauf angelegt, als Statement zur Gesellschaftspolitik gelesen zu werden, funktioniert aber auch als existenzialistische Metapher im Sinn von Jean-Paul Sartres Geschlossene Gesellschaft. Auch dort geraten zwei Frauen und ein Mann in eine Hölle der Sperrung. Auf einer dritten Ebene bringt bodies (with)in fences die Vergitterungen der menschlichen Psyche ins Spiel.
Die drei Figuren versuchen erst, sich an der Oberfläche des Gitterfeldes zu halten, dringen dann aber doch in die engen Zwischenräume ein. Dabei zerhackt das Scheppern der Gitter die nüchternen Soundsphären von Nik Hummer. Die wechselnden Lichtebenen zeigen: Welche Perspektive auch eingenommen wird, die Unentrinnbarkeit bleibt.
Ohne Berg und Stein bewegt ein dreifacher Sisyphos nur sich selbst - und das auf der Stelle. Für ihn gilt der Satz von Albert Camus, man müsse sich Sisyphos "als glücklichen Menschen vorstellen", nicht. Eine radikale Position. Diese Arbeit positioniert sich konsequent außerhalb der "Matrix" - also des Gitters - von Entertainment und Politspektakel, deren Zäune sich durch die Psychen und Existenzbedingungen aller ziehen, die in ihr durchs Leben turnen.
Nach body in a metal structure ist bodies (with)in fences die zweite Zusammenarbeit von Saskia Hölbling und Laurent Goldring. Das erste Stück war schon ein Erfolg. Das neue nun trifft so richtig ins Schwarze. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 25.1.2013)
Bis 25. 1.
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