Keine Pillen fürs Hochleistungskind

Spezielle Kapseln für Kinder versprechen mehr Konzentration und Leistungsfähigkeit. Trends wie dieser sind fragwürdig, die Produkte selbst nur wirkungslos

Der Markt für angeblich leistungs- und konzentrationsfördernde Elixiere, Nahrungsergänzungsmittel und Pillen wächst stetig. Und macht auch vor Kindern nicht mehr Halt. Denn das Ideal vom allzeit leistungsbereiten und rundum optimierten Konsumenten schließt heute selbst die Kleinsten mit ein. Seit einiger Zeit finden sich also Pillen, Pastillen und Kapseln in den Regalen der Drogeriemärkte, die mehr Outcome fürs Kinderhirn versprechen.

Diese nicht rezeptpflichtigen Produkte tragen klingende Namen wie "Concentrix", "Omega IQ Junior" und "Brain Effect junior". Ihre Anbieter versprechen mehr geistige Leistung und Konzentration und werben mit Begriffen wie "Gehirnproteine". 

Genormtes Hochleistungskind

Nicht nur, dass das dahinterstehende Ideal vom genormten Hochleistungskind höchst fragwürdig ist: Die Pillen sind allem Anschein nach auch wirkungslos. Das will zumindest die deutsche Stiftung Warentest herausgefunden haben. Dort hat man jetzt zwölf exemplarische Präparate unter die Laborlupe genommen - mit dem Ergebnis, dass sich deren Nutzen nicht ausreichend belegen lässt. Alle Produkte seien "wenig geeignet", die versprochene Wirkung zu erzielen.

Bei den meisten Präparaten handelt es sich um Nahrungsergänzungsmittel oder sogenannte ergänzende bilanzierte Diäten mit Omega-3-Fettsäuren aus Seefisch, schreibt Stiftung Warentest. Einige Produkte würden zusätzlich Omega-6-Fettsäuren und Substanzen wie Vitamine oder Mineralstoffe enthalten. Die Kosten liegen zwischen 0,57 und 1,33 Euro am Tag.

"So kauen die Schlauen"

Werbeslogans wie "So kauen die Schlauen" und "den Gehirn-Motor schmieren" könnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Effekte der Produkte nicht ausreichend nachweisbar sind. Keines der Mittel halte sein Versprechen, urteilt Stiftung Warentest. Anders als bei Medikamenten sind für die Marktzulassung von Nahrungsergänzungsmitteln keine streng geregelten Studien notwendig. Dennoch dürfen Werbebotschaften keine Falschbotschaften sein. 

Fünf der getesteten Produkte sind übrigens speziell für Kinder mit der Aufmerksamkeitsstörung ADHS konzipiert - eine Diagnose, die nicht nur unter Psychiatern höchst umstritten ist. Viele sprechen von einer reinen "Modediagnose". Eltern unruhiger Kinder sollten den Nachwuchs lieber an der frischen Luft toben lassen, anstatt ihm Nahrungsergänzungsmittel zu geben, raten die Autoren der Stiftung Warentest. (lima, derStandard.at, 24.1.2013)

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