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Wien - Bei der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchs hat es in den vergangenen Jahren einen "Kulturwandel" gegeben. Darauf verwies Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Immer mehr Dissertanten werden in sogenannten Doktoratskollegs ausgebildet. Seit 2004 hat der Wissenschaftsfonds "FWF" 37 solcher Doktoratskollegs mit knapp 108 Millionen Euro finanziert. Derzeit werden rund 380 Dissertanten in solchen Programmen ausgebildet, tatsächlich profitieren aber deutlich mehr Personen von den Kollegs. Zudem würden die Unis ihr Forschungsprofil durch Doktoratskollegs verstärken, sagte Töchterle.
Eine Dissertation war und ist in vielen Fällen auch heute noch "eine einsame Angelegenheit", so Molekularbiologin Renee Schroeder. Für FWF-Präsident Christoph Kratky folgte die Doktoranden-Ausbildung früher dem "Meister-Schüler-Prinzip", das sei in vielen Fächern auch heute noch gang und gäbe.
In den - vorwiegend im naturwissenschaftlichen Bereich eingerichteten - Doktoratskollegs gebe es dagegen eine "kollektive Betreuung eines Kollektivs". Der FWF finanziert pro Doktoragskolleg zehn Dissertanten. Weil die Programme aber so attraktiv seien, würden bis zu 50 aus anderen Quellen bezahlte Doktoranden mitausgebildet. Sie forschen dabei meist im Rahmen eines größeren Programms, sind angestellt und werden nicht nur von ihrem "Doktorvater" betreut, sondern von einem ganzen Team. Dafür bedürfe es einer "kritischen Größe exzellenter Betreuer", wodurch die Unis gezwungen seien, sich zu konzentrieren und Forschungsschwerpunkte zu setzen, so Töchterle. Sein Ressort hat 2012 zusätzlich 18 Mio. Euro für die Doktoratsausbildung bereitgestellt.
Für Töchterle ist diese Form der Doktorandenausbildung "Nachwuchsförderung, die junge Leute auf exzellente Art und Weise auf eine wissenschaftliche Karriere vorbereitet". Um ihnen eine weitere Beschäftigungsperspektive zu bieten, habe man die Unis gebeten, "möglichste viele Qualifizierungsstellen zu schaffen". "Wir müssen es aber aushalten, dass viele Leute aus Österreich weggehen, das ist das Wesen der Wissenschaft, ein Geben und Nehmen", so Töchterle.
Kratky betonte die Bedeutung einer langfristigen Perspektive, weshalb der FWF Doktoratskollegs - mit Zwischenevaluierungen - zwölf Jahre lang fördere. Angesichts eines Wachstums von vier bis fünf neuen Doktoratskollegs pro Jahr, "sieht man, dass uns das in finanzielle Schwierigkeiten bringen muss", so der FWF-Chef. Deshalb diskutiere man im FWF, "ob nicht unsere Mission erfüllt ist" und man die Förderung nicht wieder in Richtung Unis zurückgebe. Das Wissenschaftsministerium habe mit seiner zusätzlichen Finanzierung von 18 Millionenen die Richtung vorgegeben. Die mit diesen Mitteln geförderten Doktoratskollegs müssten nach vier Jahren von den Unis übernommen werden.
Angesichts von insgesamt knapp 29.000 Doktoratsstudenten in ganz Österreich mag die Zahl der in Doktoratskollegs ausgebildeten Dissertanten gering erscheinen. Schroeder verwies aber darauf, dass es durch die Doktoratskollegs zu "einer enormen Qualitätssteigerung" und einem "kollateralen Nutzen" für die gesamte Einrichtung gekommen sei. (APA, 24.1.2013)
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ich habe ein wenig einblick in so ein doktoratskolleg in einem medizinisch-biologischen institut wo junge doktorandInnen echter gehirnwäsche unterzogen werden. wie weit dort sogar bis ins sozial- und privatleben einfluss genommen wird, ist wirklich erschreckend.
die jungen leute werden laufend zu sozialen events in der freizeit gedrängt, wo sie nicht selbstbestimmt zur unterhaltung beitragen müssen oder bekommen (nicht-wissenschaftliche!) bücher zum lesen...
ich hätte mir so einen zwang und gehirnwäsche niemals als dissertant gefallen lassen...
Geld ist genug vorhanden. Nur leider fließt es zu einem Bruchteil in Forschung und Bildung, also auf die rationelle Seite, aber überwiegend in die Taschen von Irrationalen... Hauptsache die Kirchen sorgen fürs "Seelenheil"... ist ja viel wichtiger...
Na zum Glück, die Unis haben ja kein Geld mehr um Univ.Ass. anzustellen.
Das Argument der Frau Schroeder verstehe ich alelrdings nicht. gerade im Naturwissenschaftlichen Bereich ist eine Dissertation keine einsame Arbeit, da man nur selten etwas rein theoretisches macht und beim praktischen Arbeiten immer Kollegen um sich hat die meist ähnliches machen und sich gegenseitig unterstützen.
Bzg Einsamkeit: Auf der Geisteswissenschaft ist es schon sehr einsam. Ich hab fachlichen Austausch fast nur in Kursen und auf Konferenzen gehabt (und in Abenden mit Freunden während solcher Kurse u Konferenzen), obwohl ich an einem Institut angestellt war. Eine Freundin aus der Biochemie hingegen hat in einer Forschungsgruppe gearbeitet und mich um die Ruhe in meinem eigenen Büro beneidet;-)
naja - fachlicher Austausch ist auf Doktortatsebene auch etwas, das man selbst triggern sollte.
Es gibt ja Konferenzen, Publikationen - Quellen um Leute inm selben Feld kennen zu lernen, und dann gibt's Telefone, Mails, und Reisen, um sein Netzwerk aufzubauen.
Ein eigenständiger Forscher ist man eben erst dann, wenn man dann SELBST seine Kontakte aufgebaut hat - und nicht, wenn der Prof sagt "red mit dem" und "fahr dorthin und besprich dieses Thema".
Außerdem befindet man sich im naturwissenschaftlichen Bereich in einer wesentlich aggressiveren Konkurrenz-Situation. Es sind üble Ding ein den so gepriesenen Arbeitsgruppen passiert. Ich kenne das auch ein wenig von Innen, und ich muss sagen, dass es wirklich ein Segen ist, wenn man nicht der Schlangengrube einer biochemischen Forschungsgruppe sitzen muss.
wenn jeder sein eigenes Ding zu tun hat?
Ich mein vielleicht ist es in der Chemie anders aber ich kenne etliche Arbeitsgruppen und zumindest innerhalb einer Arbeitsgruppe habe ich noch nie erlebt, dass es da harte Konkurrenz-Situationen gibt.
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