"Abenomics": Nachhaltige Effekte oder Strohfeuer?

Gastkommentar24. Jänner 2013, 16:47
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Die aggressive Geldpolitik Japans ist fragwürdig

Premierminister Shinzo Abe setzt auf eine aggressive Geldpolitik und eine ausgabefreudige Fiskalpolitik einschließlich eines massiven Konjunkturprogrammes. Davon verspricht man sich in Japan, dass der Yen geschwächt, eine Belebung der Wirtschaft entfacht und ein Ende der Deflation erreicht wird - "Abenomics" wird diese makroökonomische Strategie des national-konservativen Premierministers betitelt.

Das neue Inflationsziel von 2 Prozent, für dessen Erreichung die Bank of Japan nun ohne ersichtlichen Widerstand in die Pflicht genommen wurde, birgt große Risiken. Mit der Ausgabe von Staatsanleihen wird seit Jahren mehr als die Hälfte des japanischen Staatshaushalts finanziert, überwiegend mit Ersparnissen der japanischen Bevölkerung. Nun soll die Notenbank "unbefristet" Staatsanleihen kaufen und damit die Notenpresse auf Hochtouren bringen, die Geldschleusen noch weiter öffnen als bisher.

Internationale Bedenken

Der deutsche Finanzminister Schäuble wurde zitiert, Japans neue Geld- und Finanzpolitik bereite ihm "ziemlich viel Sorge". Ähnlich äußerte Bundesbankpräsident Weidmann seine Bedenken. Ein besonderes Problem könnte die zunehmende Politisierung der japanischen Notenbank sein. Dies gilt auch international. Und für das internationale Währungsgefüge stellt sich die Frage: Welche Nationen dürften ähnliche Interessen oder Gegeninteressen der währungspolitischen Steuerung haben? Für Japan gilt: Die Wahrscheinlichkeit höherer Zinsen durch höhere Inflation würde angesichts des Schuldendienstes, der bereits heute rund 22 Prozent des Staatshaushalts beträgt, Japans zukünftige Fähigkeit, die extensive Verschuldung zu meistern, zunehmend in Frage stellen.

Kurzfristige Konjunkturbelebung?

Nun sind eine expansive Geldpolitik und groß angelegte Konjunkturprogramme in Japan nicht wirklich neu. Es ist die Größe des aktuellen Programms, das eine kurzfristige Konjunkturbelebung indizieren könnte. Fraglich ist allerdings, ob nachhaltige Effekte folgen oder ob hier nur ein Strohfeuer abbrennt. Vor allem bleibt bisher vollkommen unbeantwortet, wie neben der Wachstumsschwäche und den Deflationstendenzen dem Problem der verkrusteten Strukturen in der japanischen Binnenwirtschaft begegnet werden soll. Japan braucht vor allem umfassende Strukturreformen für eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit.

Auswirkungen eines schwächeren Yen

Zu hinterfragen sind zudem die Auswirkungen, die ein schwächerer Yen auf die Importe Japans hat, beispielsweise in Hinblick auf Rohstoffimporte wie Erdgas und Öl und auf die zuletzt negative japanische Handelsbilanz. In der neuen japanischen Regierung meldeten sich jüngst mit dem Minister für Wirtschafts- und Finanzpolitik, Amari, erste kritische Stimmen hinsichtlich der aggressiven Geldpolitik, so dass innerhalb der Regierung durchaus Vertrauen reduzierende Konfliktpotenziale transparent werden. Vertrauen ist wichtig in Japan, auch für die Japaner selbst, die an die Rückzahlungsfähigkeit des Staates glauben möchten, obwohl Japan mit rund 236 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts verschuldet ist. (Marco Büscher, derStandard.at, 24.1.2013)

Marco Büscher ist Unternehmensberater mit Fokus auf Japan, China, Kommunikation und Kapitalmärkte.

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    Marco Büscher

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