"Deutschland hat die stärkste Liga"

Interview | Florian Vetter
11. Februar 2013, 10:53

Günther Gorenzel hat sich als Co-Trainer international einen Namen gemacht, derzeit assistiert er Marco Kurz in Hoffenheim

Günther Gorenzel hat sich als Fußball-Fachmann einen Ruf erworben, der über die Alpenränder hinausgeht. In der Coaching-Zone der deutschen Bundesliga ist der Kärntner der einzige rot-weiß-rote Beitrag. Warum die Mechanismen dennoch überall die gleichen sind und warum man sich in einer Welt voller Ablenkungen auf den Moment konzentrieren muss, sagt er im Gespräch mit derStandard.at.

derStandard.at: Im Fußball kann es schnell gehen. 2009 waren Sie zwischenzeitlich Trainer beim Klagenfurter Unterligisten FC KAC. Ein Jahr später saßen Sie in der Champions League auf der Bank des russischen Meisters Rubin Kasan beim Remis gegen den FC Barcelona. Und Sie sagen: "Die Mechanismen sind überall gleich." Wie meinen Sie das?

Gorenzel: Der einzige Unterschied ist, dass die einzelnen Spieler aufgrund ihres Marktwertes unterschiedliche Kapazitäten mitbringen: höhere motorische Schnelligkeit, bessere Technik. Die psychologischen Handlungsabläufe bleiben aber die gleichen. Die Geschwindigkeit kommt primär von den Denkprozessen.

derStandard.at: Jetzt also Hoffenheim. Wie wünschen Sie sich, dass der Fußball gespielt wird?

Gorenzel: Es ist nicht entscheidend, wie ich mir Fußball vorstelle. Maßgeblich ist, ob die TSG Hoffenheim erfolgreich ist. Wir wollen uns noch eine Mannschaft vor uns in der Tabelle schnappen und vom Relegationsplatz wegkommen.

derStandard.at: Kaiserslautern, das war maximale Tradition. Hoffenheim, das ist ein Retortenklub. Dürfen Sie sich dazu äußern?

Gorenzel: Mir fällt nur so viel dazu ein: Hoffenheim hat in einem gewaltigen Tempo eine Vereinsentwicklung in fünf oder sechs Jahren durchgemacht. Dafür brauchen andere Klubs Jahrzehnte. Das verdient Respekt.

derStandard.at: Bei Kaiserslautern lief es nicht so gut. Dachten Sie nach dem Rauswurf im März, dass Sie so schnell wieder einen Job haben werden in Deutschland?

Gorenzel: Das Ziel muss immer sein, in der besten Liga der Welt zu arbeiten, wenn man schon in Deutschland war und auch in der Champions League Erfahrung gesammelt hat. Egal ob als Spieler oder als Trainer. Ich hatte das immer in meinem Kopf, und dass es so schnell wieder geklappt hat, ist natürlich umso schöner.

derStandard.at: Das Trainerkarussell hat eine atemberaubende Geschwindigkeit erreicht. Sind Sie Romantiker oder Realist?

Gorenzel: Beides. (lacht) Der Fußball braucht Emotionen, ich komme aber von der strategisch-analytischen Seite, habe das auch studiert und wurde sehr von meinem Elternhaus geprägt. Mein Vater war Physiker. Es geht darum, Dinge strukturiert aufzuarbeiten. Das heißt aber nicht, dass man Inhalte nicht emotional verkörpern kann.

derStandard.at: Wie unterscheidet sich die deutsche Liga von der russischen?

Gorenzel: Die deutsche Liga ist die stärkste Liga der Welt von der Dichte her. Sie ist auch die wirtschaftlich gesündeste Liga und hat die beste Perspektive. Spanien, Italien oder England sind in der Breite nicht so gut aufstellt.

derStandard.at: Bei den Fußballer-Preisverleihungen von UEFA und FIFA fehlt Deutschland seit Jahren.

Gorenzel: Noch!

derStandard.at: Kaum eine Lobby haben auch österreichische Fußballtrainer. Nach der Bestellung von Marcel Koller zum Nationalteamtrainer gab es viel Diskussion über die Reputation heimischer Fußballlehrer. Wie sehen Sie das Standing Ihrer Zunft im Ausland?

Gorenzel: Ich mache mir über das Ansehen meiner Kollegen keine Gedanken. Mein Fokus gilt meinen Inhalten, die ich transportieren möchte.

derStandard.at: Für eine mögliche zukünftige Jobsuche spielt das aber schon eine Rolle, oder?

Gorenzel: Was meine Person anbelangt, ist es völlig egal, ob da Österreich oder Spanien in meinem Reisepass steht. Trainer werden heute nach Persönlichkeit, Inhalten und Know-how ausgesucht.

derStandard.at: Sie haben an der Seite von Walter Schachner Erfolge beim FC Kärnten, der Austria und dem GAK gefeiert. Was haben Sie von Schachner mitgenommen?

Gorenzel: Walter Schachner hat in den 80er Jahren in Italien gespielt und dort sehr viel gelernt. Die Italiener waren damals Resteuropa in Sachen Taktik ein Stück voraus. Er hat in Österreich die Raumdeckung revolutioniert. Davon habe ich als junger Trainer sehr profitiert, und das war auch eine Grundlage unserer Erfolge in Österreich. Insgesamt habe ich von allen Trainerstationen verschiedene Fußball-Philosophien mitgenommen, dabei aber immer versucht, mir meine eigene Identität zu schnitzen.

derStandard.at: Der Rauswurf von Schachner vor zehn Jahren bei einer sehr erfolgreichen Austria bleibt unvergessen. Wie sehen Sie das Ende bei Violett im Rückspiegel?

Gorenzel: Mein Fokus und meine Konzentration liegen bei ganz anderen Dingen als bei Ereignissen, die vor zehn Jahren stattgefunden haben. Darüber denke ich nicht mehr nach.

derStandard.at: Sie leben absolut im Moment?

Gorenzel: Auf jeden Fall. Für mich zählt nur die nächste Aufgabe, die in den nächsten Stunden auf mich zukommt. Darauf bereite ich mich vor. Das Fußballgeschäft ist so schnelllebig und komplex, dass ich aus meiner Sicht nur eine Chance habe, die Aufgabe professionell zu bewältigen, wenn ich im Moment denke. Ansonsten verfange ich mich in der Komplexität, verlaufe mich und verliere die Konzentration.

derStandard.at: Zukunft statt Vergangenheit: Sie nannten das Klagenfurter Stadion einst einen "Palast". Kann man dort irgendwann wieder einen salonfähigen Kick bieten?

Gorenzel: Klar ist, dass die sportliche Situation in Kärnten der Infrastruktur hinterherhinkt. Das Stadion wird bald in seiner Endausbaustufe fertig sein, und das Ziel von Stadt und Land muss sein, in Klagenfurt wieder erstklassigen Fußball spielen zu können. (Florian Vetter, derStandard.at, 28.1.2013)

Günther Gorenzel (41) studierte in Wien Sportwissenschaften und lernte dort Ex-Rapid-Kicker Heimo Pfeifenberger kennen. Über ihn und Hans-Krankl-Intimus Franz Leberbauer kam er zum Spitzenfußball. 2000 heuerte der Kärntner beim Regionalligisten FC St. Veit an. Von dort lotste ihn Manager Günter Hafner zum FC Kärnten, wo er mit Trainer Walter Schachner den Aufstieg schaffte und Cupsieger wurde. Es folgten Engagements bei Austria Wien, GAK und 1860 München (drei Jahre). Von 2009 bis 2011 werkte Gorenzel bei Rubin Kasan, 2012 beim FC Kaiserslautern, seit Jahresbeginn ist er bei Hoffenheim.

Share if you care
Posting 176 bis 200 von 200
1 2 3 4 5

mit grösseren Dichten kennt er sich offensichtlich aus, der Kärntner

Ein absoluter Vollprofi - Vetter hatte sichtlich Mühen seine populistischen Standard-Fussball-Interview-Fragen an den Mann zu bringen und "populistische" Antworten rauszukitzeln. Bitte nicht auf ORF-Niveau fallen!

Gibts einen Preis für die "stärkste Liga der Welt"? Die europ. Ligen stehen in CL und EL in direkter Konkurrenz zueinander. Wer da daneben die stärkste Liga hat ist doch in Wirklichkeit völlig unwichtig. Das ist höchstens Politur fürs Ego...

für die sponsoren ist der markt schon interessanter wenn die liga stärker ist und auch mehr vermarktet wird.

elegant, wie er durch die blume begründet, warum kaum österreichische trainer im ausland sind!

nicht interessant, sonder ehrlich:

"Trainer werden heute nach Persönlichkeit, Inhalten und Know How ausgesucht."

vor allem: Know How!

Geil einer der eigentlich nur in AUT und GER gearbeitet hat und noch keine saison in spanien oder england verbracht hat traut sich zu sagen was die stärkste Liga der Welt ist...ich weiss nicht aber solche aussagen sind etwas lächerlich.

Die EL und CL spiegeln immer sehr gut wo eine Liga steht der Rest ist "Werbung"....wobei hier die Engländer absolut top sind.

LESEN sie nochmals, was er gesagt hat

VERSTEHEN sie erstmals, was er gesagt hat

posten sie dann erst weiter, danke

Und wieso findest du es dann nicht anmaßend, wenn User die englische oder spanische Liga als beste der Welt bezeichnen, ohne in einer der drei aktiv gewesen zu sein sondern alles nur vom TV kennen?

Ja, eh,

aber aus diesen Ligen sieht man sich ja auch nicht FC Alicante-Celta de Vigo an, oder West Bromwich Albion-FC Swansea.

alle sieben deutschen teams haben die CL/EL gruppenphase überstanden – vier davon sogar als gruppensieger.

der "beste-liga-der-welt"-hype erinnert ein bisschen an letzten sommer

"nur noch drei spiele, dann sind wir europameister, juhuuuuuuu!"

interessanterweise wurde seit über einer dekade kein einziger internationaler titel gewonnen - aber ja, titel zählen ja nix...

Quatsch!

Sowohl in England als auch in Spanien sind es immer nur die ersten fünf Klub (mit einzelnen Ausreißern nach oben und unten, z. B. Tottenham, CF Villareal), die in der CL spielen.

Der Rest ist (guter) Durchschnitt.

und in ger ist es anders? LOL

Ger hat überhaupt nur 2-3 CL Klubs.

Du bist keiner der es versteht, sich auf Diskussionen einzulassen, oder?

Im Prinzip gebe ich Ihnen Recht. Deutschland ist noch nicht an die PL oder Liga BBVA herangekommen.

naja... schönsprech

erst mal gratulation an den standard, dass immer wieder interviews mit "hidden champions" durchgeführt werden. Toll, da ist oft was richtig interessantes dabei!

diesmal aber bleibt der eindruck, dass gorenzel viel mehr zu erzählen hätte, aber trotzdem (warum auch immer) im faden schönsprech-blablah bleibt. schade.

bitte die gleichen Fragen für Peter Pakult

am Faschingsdienstag!

Wer ist der Herr Pakult?

Der letzte,

der mit Kristiano Ronaldo Leiberl... ähm, Buchstaben getauscht hat.

bitte die gleichen Fragen für

Posting 176 bis 200 von 200
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.