Musikrundschau, fusselig

24. Jänner 2013, 19:05

Neue Alben von Conor J. O'Brien und Pere Ubu

VILLAGERS Awayland (Domino)
Eigentlich gibt es kaum etwas Schlimmeres, als sich Anfang des 21. Jahrhunderts Folkmusik von hippen jungen Menschen mit Vollbart oder Wallekleidern anzuhören, gegen die sich Crosby, Stills, Nash & Young ausnehmen wie eine angriffslustige Hardcore-Punkband. Der Ire Conor J. O'Brien zupft auf seinem neuen Album nicht länger nur Wohlklänge aus seinem fusseligen Pullover. Keine Sorge, genug Honig und anderer Zuckerersatz tropft noch immer aus den Boxen. Mit Laptop und einer Sounddatei enervierender Geräusche gelingt ihm aber zumindest teilweise der Absprung aus einer Szene, die, statt stehen zu bleiben und sich den Anforderungen des modernen Lebens auch nur ansatzweise zu stellen, lieber ins Gemüse flüchtet und mit den Singvögeln um die Wette tschilpt. Danke.

PERE UBU Lady From Shanghai (Fire/ Trost)
Die US-Freistil-Veteranen um den nach wie vor beachtlich gegen die musikalischen Mindestanforderungen quäkenden Sänger David Thomas versuchen sich im vierten Jahrzehnt ihrer Karriere an frei improvisierter "Tanzmusik" mit in der Vergangenheit erwirtschafteten Rücklagen in Sachen No Wave und Improvisation und Antirock. Dazu werden zahlreiche Zitate aus der Geschichte der Discomusik, etwa von Sister Sledge (We Are Family) eingebaut. Der DJ, der das in einem Club auflegt, riskiert einen Volksaufstand. Wutrentner. (schach, Rondo, DER STANDARD, 25.1.2013)

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