Auf der Baustelle: Man spricht Deutsch

24. Jänner 2013, 10:49

Deutschkenntnisse als "selbstverständliche Bringschuld": Die AK plädiert für Förderung der Migrantensprachen

Trotz der Vielzahl der dort gesprochenen Sprachen hat sich auf Wiener Baustellen meist ein "monolingual ausgerichtetes Sprachenregime etabliert, welches der deutschen Sprache zur dominanten Baustellensprache mit oftmaligem Schriftlichkeitsmonopol verhilft". Eine im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) erstellte Studie plädiert dagegen für eine Förderung der Mehrsprachigkeit - etwa durch bessere Entlohnung mehrsprachiger Poliere und Partieführer, die durch ihre Sprachkenntnisse laut Studie schon jetzt für eine Optimierung der Arbeitsprozesse sorgen.

Für die Studie haben Forscher des Instituts für Romanistik der Uni Wien ab Sommer 2012 Interviews auf Baustellen geführt und Statistiken ausgewertet. Die Mehrsprachigkeit auf den Baustellen führen die Forscher vor allem darauf zurück, dass Generalunternehmen Subfirmen beauftragen, die wiederum ebenfalls auf Subfirmen zurückgreifen usw.

Deutschkenntnisse der Arbeitsmigranten würden als "selbstverständliche Bringschuld" eingefordert, konstatieren die Studienautoren. "Für die Baustellenleitungen oder Poliere sind Kenntnisse anderer Sprachen keinerlei Erfordernis für die Ausübung ihrer Funktionen." Nichtsdestotrotz würden Poliere und Partieführer regelmäßig ohne Entgelt Übersetzungsarbeit leisten - die Forscher regen daher an, "mit gewerkschaftlicher Unterstützung eine der Kostenwahrheit entsprechende Diskussion möglicher Abgeltungsregelungen zu initiieren".

Behelfsdeutsch verhindert höhere Qualifikation

Als problematisch wertet die Studie den Umstand, dass sich die an die Arbeiter gerichtete Forderung nach Deutschkenntnissen vorerst "auf die Entwicklung einer Passivkompetenz bezieht und sich meist mit rudimentären Kompetenzen begnügt". Diese Reduktion auf ein "Behelfsdeutsch zur ausschließlichen Sicherung gemeinsamer Arbeitsvorgänge" verhindere letztlich eine höhere Qualifikation. Die Studienautoren plädieren daher für die gezielte Förderung einer umfassenderen Deutschkompetenz "auch im Dienste der Verbesserung des Informationszugangs in Prozessen der Sicherheitskommunikation".

Beim Thema Sicherheit orten die Forscher zudem Nachholbedarf. Derzeit würden aufgrund der Mehrsprachigkeit der Arbeiter auf Baustellen häufig Piktogramme und nonverbale Sicherheitsbroschüren eingesetzt. Oft werde aber die "kommunikative Leistungsfähigkeit der eingesetzten Bilder" jedoch zu hoch angesetzt. Außerdem seien die eingesetzten Piktogramme und Gestenabbildungen nicht wirklich neutral: So stellt etwa die auf ihnen häufig eingesetzte "Daumen-Hoch-Geste" in manchen Ländern eine Aufforderung zum Geschlechtsverkehr dar, in anderen eine grobe Beleidigung. Auch multimediales Material ist aufgrund der Sprachbarrieren nur beschränkt einsetzbar. Außerdem sollten Filme nur "auszugsweise gezeigt werden, um die maximale Aufmerksamkeitsdauer ihrer Rezipienten nicht vorzeitig zu erschöpfen".

Die AK fordert in einer Aussendung, die Migrantensprachen als Zusatzqualifikation anzuerkennen und entsprechend zu honorieren. Überdies sollten mehrsprachiges Info-Materialien zum Thema Sicherheit auf den Baustellen eingesetzt und spezifische Deutsch-Sprachkurse besser gefördert werden. (APA, 24.1.2013)

Auf den meisten wiener Baustellen wo ich unterwegs bin, gibt es vielleicht 10-30% Österreicher, davon die meisten nicht aus wien sondern stmk, nö, bgld... dafür stehen vor der Baustelle Autos mit polnischen, ungarischen, tschechischen kennzeichen, und die leute verstehen echt kein wort deutsch, wenn du sie etwas fragst schaun sie dich mit grossen augen an, weils deutsch halt nicht verstehn...macht echt spass jemand etwas zu erklären wenn was nicht passt und er versteht dich nicht(oder will dich nicht verstehn)?
DA brauchst dann halt einen polier der 7 sprachen kann...

"Außerdem seien die eingesetzten Piktogramme und Gestenabbildungen nicht wirklich neutral: So stellt etwa die auf ihnen häufig eingesetzte "Daumen-Hoch-Geste" in manchen Ländern eine Aufforderung zum Geschlechtsverkehr dar, in anderen eine grobe Beleidigung."

Immer das gleiche mit diesen unfähigen linken Studenten...

"Deutschkenntnisse als selbstverständliche Bringschuld"

Gilt aber nicht bei vielen zugezognen Managern, "Experten" und "Spezialisten". Die zwar oft gut Englisch können, aber keinen Satz Deutsch verstehen.

Akademische Studien über Sprache auf Baustellen halte ich für

entbehrlich. Es gibt eine Vertragssprache und die ist Baustellensprache. Jede Firma die einen Auftrag annimmt ist verpflichtet Arbeitsanweisungen in der Vertragssprache entgegenzunehmen und zu verstehen. Ob die damit beauftragte Person das dann auf Altsuaheli übersetzt um es den Mitarbeitern verständlich zu machen ist mir egal.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.