"Hypo NÖ wollte kein Lehman-Exposure zeigen"

23. Jänner 2013, 18:12
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Zeugen belasten die Banker in Causa Bilanzfälschung - Verluste aus Lehman-Papieren sollten aus den Büchern fliegen

Wien - Die Ermittler in der Causa Hypo NÖ und Fibeg (das ist die landeseigene Vermögensverwaltungsgesellschaft) haben bei ihren Hausdurchsuchungen im Dezember riesige Datenmengen beschlagnahmt. Ihre Sichtung wird laut Wohlinformierten Monate dauern; vor den Landtagswahlen am 3. März wird es also keine Ergebnisse geben. Auch Telefonate der Beschuldigten und etlicher Zeugen wurden mitgehört, hunderte E-Mails mitgelesen.

In der Causa Hypo geht es um den Verdacht auf Bilanzfälschung und Untreue. Die Bank hat laut Vorwurf der Justiz Ende 2008 abgestürzte Lehman-Anleihen "weit über Marktwert" verkauft, statt eines Verlusts einen Gewinn von 3,026 Millionen Euro ausgewiesen. Der Deal wurde via (überteuertem) Ankauf einer Anleihe ("Aquarius") der BNP dargestellt.

Zudem betreffen die Ermittlungen das irische Vehikel Augustus; dorthin haben Hypo und Fibeg kaputte Wertpapiere verkauft - um sie aus der Bilanz zu bekommen.

Zeugeneinvernahmen

Diese Vorwürfe werden im Rahmen von Zeugeneinvernahmen gestützt. Dabei sagte ein Investmentbanker der Aurelius Capital Management (ACM) aus, die im Sold der Hypo und der Fibeg stand. "Wir vermuteten, dass die Hypo kein Lehman-Exposure in den Büchern zeigen wollte." Sein Exkompagnon: " Die Abwicklung über Lessika sollte so aussehen, dass die Lehman Bonds von ihr gekauft werden, dann die Aquarius Anleihe von der BNP gekauft und an die Hypo weiterverkauft werden sollte." Zur Erklärung: 2008 gründeten die Aurelius-Leute bzw. ihre Liechtensteiner Stiftungen Mailin und Benita eine Investmentgesellschaft in Liechtenstein (Lessika), die mit der Hypo NÖ kooperierte.

Wie es dann Ende 2008 zum inkriminierten Aquarius-Deal rund um die abgestürzten Lehman-Papiere kam, beschreibt einer der Aurelius-Zeugen so: Die französische BNP Paribas "suchte Liquidität" (also: Geld), "wir verwiesen sie an die Hypo NÖ". Die habe die BNP-Anleihe zeichnen wollen, der Deal habe aber nicht zeitgerecht (also: vor 31. Dezember) abgeschlossen werden können. Die Hypo-Banker hätten also Aurelius gefragt, ob sie einspringen könne, da das "aus rechtlichen Gründen" nicht ging, sprang Lessika ein. "Die Zielsetzung der Transaktion kannten wir nicht", so ein Aurelius-Manager zum Staatsanwalt.

Lessika hatte für den Erwerb der Lehman-Papiere zu wenig Geld, sie bekam dafür einen Kredit von der Wiener Bank Winter. Für ihn, das ergaben die Recherchen der Ermittler, garantierte die Hypo. Der Schnitt, den Aurelius mit dem Deal gemacht hat: 1,1 Millionen Euro.

Schuldverteilung

Die Beschuldigten wie Bankchef Peter Harold, neun (Ex-) Aufsichtsräte (darunter die Landtagsabgeordneten Klaus Schneeberger und Willibald Eigner), weisen die Vorwürfe der Justiz zurück. Harold belastet vor allem Extreasurer S. - der gibt sich in seinen Befragungen sehr schweigsam.

Der Ursprung der Geschäftsverbindung liegt rund um das Jahr 2005: Damals stieg die Fibeg in riskante CDO-Veranlagungen (100 Millionen Euro im Cetium-Fond) ein, die zunächst von der Uniqa Alternative Investments (UIA) gemanagt wurden, erzählten Zeugen. "Nach einem Vorfall entließ die UIA das CDO-Team", Cetium landete bei der frisch gegründeten ACM. Sie wurde von den Niederösterreichern mitfinanziert, zudem war eine Hypo-Tochter zunächst an Aurelius beteiligt. (Renate Graber, DER STANDARD, 24.1.2013)

  • Sie kamen, sahen - und nahmen kistenweise Unterlagen und sehr, sehr viele 
Datenträger mit: die Ermittler in der Causa Hypo Niederösterreich.
    foto: standard/cremer

    Sie kamen, sahen - und nahmen kistenweise Unterlagen und sehr, sehr viele Datenträger mit: die Ermittler in der Causa Hypo Niederösterreich.

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