Sport Eybl: "Wir wollten zu viel"

23. Jänner 2013, 17:55
261 Postings

Überhitzte Expansion trieb den Handelsriesen in die Verlustzone. Eine Branchenkrise sehen Marktforscher nicht

Wien - "Wir waren zu schnell und wollten zu viel. Die Hälfte unserer Probleme ist hausgemacht." Rolf Frischknecht, Vorstand von Sport Eybl & Sports Experts, redet nicht lange um den heißen Brei herum. Österreichs größte Sporthandelsgruppe rutschte 2012 in die Verlustzone, innerhalb von sechs Jahren das zweite Mal. Dafür verantwortlich sei primär Sports Experts.

Sechs Filialen sperren zu

In jede Bezirkshauptstadt sollte der Diskonter expandieren, lautete einst die Vorgabe. Ein Übermut, sagt Frischknecht, von dem er absehen werde. Bis Sommer werden sechs Standorte quer durch Österreich geschlossen. 250 der 2200 Mitarbeiter müssen gehen. Auch in der Zentrale wird im Führungsteam gespart. Sozialpläne braucht es aus Frischknechts Sicht keine. Den Turnaround will er innerhalb von zwei Jahren schaffen. Das sei "kein Schuss aus der Hüfte".

Es ist der dritte Sanierungsfall des gebürtigen Schweizers. Beim Welser Familienunternehmen ist er seit 2007 beschäftigt - seit September als neuer Vorstandschef.

Teil seines Jobs ist es, gemeinsam mit Wirtschaftsprüfer Deloitte einen Investor für die Handelsgruppe zu finden. Er will den Partner, der das Eigenkapital stärken soll, heuer präsentieren. Frischknecht schließt dabei einen Mehrheitsverkauf nicht aus. "Wir prüfen alle Optionen." Stark an einem Einstieg in Österreich interessiert ist der französische Sporthandelsriese Decathlon mit seinen sieben Milliarden Euro Umsatz. Seit Jahren ist von mehr Österreich-Engagement der Sportscheck, der deutschen Tochter des Versandhauses Otto, zu hören. Der expandierende Südtiroler Lokalkaiser Sportler gilt für große Deals als zu klein. Frischknecht hält Spekulationen darob jedenfalls für verfrüht.

Eigenmarken-Anteil soll sinken

Lieber spricht er von anderen Schritten. Bei Sports Experts soll der Anteil der Eigenmarken von mehr als 30 Prozent auf 15 bis 20 Prozent sinken. Die Kooperation mit der Intersport-Genossenschaft wird, anders als es sein Vorgänger Peter Wahle plante, vertieft: Der Vertrag, der den Zugriff auf das Sortiment der Intersport International erlaubt, läuft 2016 aus. "Es gibt aber keinen Grund, diese Partnerschaft nicht zu verlängern", sagt Frischknecht. Sport Eybl und Sports Experten hätten Einkauf, Vertrieb und Marketing bereits zusammengelegt. Die Gruppe erzielte 2011/12 mit 58 Filialen - drei davon sind in Bayern - 389 Millionen Euro Umsatz. Das Minus von zuletzt fünf Prozent habe sich fortgesetzt. "Wir müssen reagieren."

Eigentümer der Gruppe ist seit 1930 zu hundert Prozent Familie Eybl, die selbst jedoch nicht mehr operativ tätig ist. Einzelne ihrer Mitglieder sind im Aufsichtsrat. Diesem steht statt Winfried Sattlegger künftig Axel Greiner vor.

Neue Seilschaften

Die Österreicher geben mehr als zwei Milliarden Euro jährlich für Sportartikel aus. Eybl und Experts dominieren ein Viertel des Einzelhandels der Branche. Sport 2000 mit seinen kleinen Händlern vor allem in Skigebieten hält vor Spar-Tochter Hervis den zweiten Platz. Gigasport, der Kastner & Öhler gehört und in Osteuropa in die Krise fuhr, arbeitet im Sinne besserer Einkaufskonditionen künftig mit Sport 2000 zusammen. Hervis hat seit einem knappen Jahr ein entsprechendes Joint Venture mit der französischen Go Sport Groupe.

Er sehe keinen kaputten Markt, sagt Hervis-Chef Alfred Eichblatt, im Gegenteil. Sein Unternehmen sei auf Vorjahresniveau und eröffne heuer zehn weitere Filialen.

Die Umsätze des Sporthandels seien zwei Jahre in Folge leicht gesunken, während die Verkaufsfläche weiter wuchs, erläutert Wolfgang Richter, Chef des Marktforschers Regioplan. Von einer Krise der Branche sei aber trotz Wetterabhängigkeit keine Rede. Sie müsse sich allerdings dem steigenden Onlinegeschäfts stellen - und Herstellern wie Jack Wolfskin und Salewa, die eigene Filialen starten. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 24.1.2013)

  • Sport Eybl leidet unter Problemen der 
Diskontlinie Sports Experts. Teilverkauf und Zerschlagung schließt das 
Familienunternehmen aus. 250 Mitarbeiter müssen dennoch gehen, sechs Filialen 
sperren zu.
    foto: standard/cremer

    Sport Eybl leidet unter Problemen der Diskontlinie Sports Experts. Teilverkauf und Zerschlagung schließt das Familienunternehmen aus. 250 Mitarbeiter müssen dennoch gehen, sechs Filialen sperren zu.

Share if you care.