Brüchige Selbstdarstellung

23. Jänner 2013, 18:23
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Im Zentrum von Bernhard Frues Ausstellung "Sur Rendez Vous" steht das (Selbst-)Porträt in Zeiten von Facebook und medialer Selbstdarstellung

Wien - Auf den Fensterscheiben der Galerie sind Gesichter zu sehen. Es sind stark vergrößerte Porträtaufnahmen, die Bernhard Frue (Frühwirth) aus Zeitungen und Magazinen "herausgezeichnet" hat. Der österreichische Künstler (geb. 1968) beschreibt damit die durchaus verbreitete Gepflogenheit, ein Zeitungsbild solange mit Kugelschreiber zu umrunden, bis es sich von selbst aus seinem Kontext löst.

Dass überdies eine gewisse Gereiztheit Frue zu dieser Technik motivierte, lassen zum einen die ausgefransten Bildränder, zum anderen die ungeheuer vielen Porträts, die er in sein analoges Phesbuk eingeklebt hat, erahnen.

Obwohl man auf den Fenstern nur Auszüge sieht, kündigt der Titel der Ausstellung Sur Rendez Vous die Thematik schon an: Zunächst hatte sich Frue beim Auszeichnen von Fotos ausschließlich auf die immer wiederkehrende Porträts von Prominenten konzentriert. Da Internetplattformen wie Facebook oder Youtube jedoch die Tendenz zur medialen Selbstdarstellung forcieren, hat er später auch hunderte vollkommen unbekannte Gesichter in sein Buch integriert.

An den gesellschaftlichen Auswirkungen interessiert, die diese medialen Entwicklungen haben, stellt der Künstler das Phänomen Ego-Profil auch mit seinen großformatigen UV-Drucken zur Debatte: Anstelle von eindeutig identifizierbaren Personen hat er jedoch die "Profile" (oder besser: scherenschnittartigen Schablonen) von mehreren überwiegend bekannten Personen miteinander "verschnitten".

PumpMelvilleAHaile heißt beispielsweise eines der Bilder, das neben den Umrissen von Herman Melville auch die Züge von Langstreckenläufer Haile Gebrselassie, einer anonymen Person und nicht zuletzt jene eines Kürbis umfasst.

Auf nichtmenschliche Wesen greift der Künstler zudem in den Videos Ket und Tschicken zurück: In eine verspiegelte Box setzte er zum einen ein Huhn, das seinem eigenen, ins unendliche gespiegelten Selbst(bild) eher stolz als verwirrt gegenüberzutreten scheint. Weniger wohl fühlen sich dagegen zwei Katzen, die der analoge "Persönlichkeitsmultiplikator" sichtlich wahnsinnig macht.

In Bezug auf das Selbstbild scheint Frue selbst auch eher die Reduktion glücklich zu machen: Schließlich lässt der unter dem Namen Frühwirth bekannt gewordene Künstler den zweiten Teil seines Namens neuerdings weg.    (Christa Benzer, DER STANDARD, 24.1.2013)

Bis 22. 2., Galerie Mezzanin, Getreidemarkt 14 / Eschenbachgasse 1010 Wien

 

  • Der Mensch als Narziss: Eitle Selbstdarstellungen thematisiert Bernhard Frue in seiner Ausstellung "Sur Rendez Vous" in der Galerie Mezzanin in verschiedenen Medien.
    foto: galerie mezzanin

    Der Mensch als Narziss: Eitle Selbstdarstellungen thematisiert Bernhard Frue in seiner Ausstellung "Sur Rendez Vous" in der Galerie Mezzanin in verschiedenen Medien.

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