Vorarlberger haben's gerne warm

  • Vorarlberg war bei Passivhäusern (hier eine Siedlung in Lauterach) 
Trendsetter. Sozialbauten müssen die höchste Ökostufe erfüllen. Das 
mache Wohnen zu teuer, sagen Kritiker.
    foto: hefel wohnbau ag

    Vorarlberg war bei Passivhäusern (hier eine Siedlung in Lauterach) Trendsetter. Sozialbauten müssen die höchste Ökostufe erfüllen. Das mache Wohnen zu teuer, sagen Kritiker.

Gewerkschaft und Bauträger sagen, der vorgeschriebene Passivhausstandard verteuere die Mieten - Experten wundern sich, nun wird nachgerechnet

Bregenz - Die Förderung des sozialen Wohnbaus wird in Vorarlberg an hohe Standards geknüpft. Neubauten müssen seit 2007 Passivhausqualität haben und barrierefrei sein. Diese Qualitätskriterien verteuern die Mieten, waren sich kürzlich bei einer Diskussionsveranstaltung der Gewerkschaft Bau-Holz Gewerkschafter und Bauunternehmer einig. Und: Passivhausstandard senke nicht die Betriebskosten, wie von Experten besprochen; die Bewohner in Sozialbauten könnten mit dem Heizsystem nicht umgehen.

Vergleich macht sicher

Erstaunlich. Macht doch die Neue Heimat Tirol andere Erfahrungen. Der Vergleich von Jahresabrechnungen einer Niedrigenergiehaus-Wohnanlage in Kufstein und einer Passivhaussiedlung in Innsbruck geht klar pro Passivhaus aus: Warmwasser und Heizung im Niedrigenergiehaus kosten pro Monat und Quadratmeter 0,65 Euro, im Passivhaus kommen Heizung, Warmwasser, Strom und Wartung der Lüftungsanlage auf 0,36 Euro.

Nach 81 Neubauten seit 2007, 70 davon in Passivhausqualität, will man es im Vorarlberger Landhaus nun auch wissen: Die Verbrauchswerte und Kosten zweier bauidenter Neubauten, eines Niedrigenergiestandard, eines Passivhaus, sollen über drei Jahre verglichen werden. Aus dem Ergebnis will man Schlüsse für künftige Förderungsrichtlinien ziehen. Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser (VP) will "genau analysieren, wo Passivhäuser sinnvoll sind". Auch Bautechnikverordnungen gelte es zu hinterfragen. Rüdisser: "Wir haben in vielen Bereichen das Augenmaß verloren."

Teurer im Bau, billiger im Betrieb

Im Energieinstitut Vorarlberg, dem Thinktank des Landes, ist man über die Diskussion nicht glücklich. Dass Passivhäuser bei der Errichtung wegen des besseren Wärmeschutzes und der Wärmerückgewinnung um fünf bis elf Prozent teurer sind als durchschnittliche Häuser, sei unbestritten, sagt Geschäftsführer Josef Burtscher. Über die Lebensdauer eines Hauses gerechnet, machten sich die Mehrkosten aber durch höhere Förderungen und Energieeinsparung bezahlt.

Warum im sozialen Wohnbau die Energiekosten nicht sinken, kann Burtscher nur vermuten, denn die Kalkulationen der drei gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften sind für das Energieinstitut nicht einsehbar. Ein Grund für die hohen Kosten könnte die Vorarlberger Baumentalität sein.

Doppelt gemoppelt

Man geht auf Nummer sicher und baut auch ins Passivhaus neben der notwendigen Lüftungsanlage ein zusätzliches Heizsystem. Die Doppelausstattung wird nicht bestritten. "Keine Frage: Wir haben in allen Passivhausanlagen eine konventionelle Zentralheizung installiert", wird Hans-Peter Lorenz, Geschäftsführer der größten Gemeinnützigen, der Vogewosi, von der Wirtschaftspresseagentur zitiert. 18 Grad, wie sie die Passivtechnik liefere, seien zu kalt, sagt Lorenz.

"Wenn man 22 Grad Raumtemperatur will und eine Fußbodenheizung im Badezimmer, wirkt sich das natürlich auf die Kosten aus", stellt Burtscher die Ansprüche von Vermietern und Mietern infrage. Die energetische Gebäudequalität nun zur einzigen Stellschraube für leistbares Wohnen zu machen sei nicht nur ein Rückschritt, sondern auch ein Angriff auf die Energiesicherheit in der Zukunft.

Frage der Energiezukunft

Die Diskussion kommt der Politik denkbar ungelegen, ist doch das Energiesparen beim Heizen Teil der Energiezukunft Vorarlbergs. Die Vision heißt Energieautonomie bis 2050. Dazu wurden vom Landtag 101 "enkeltaugliche Maßnahmen", die bis 2020 umgesetzt werden sollen, abgesegnet. Eines der Ziele ist die Reduktion des Energieverbrauchs für Raumwärme um durchschnittlich 20 Prozent in den nächsten acht Jahren.

Angesichts des Energieberichts 2012, der gering sinkenden Gesamtenergieverbrauch ausweist, räumt Umweltlandesrat Erich Schwärzler (VP) ein: "Die grundsätzliche Richtung stimmt, aber um die selbstgesteckten Ziele für 2020 zu erreichen, sind noch große Anstrengungen nötig."  (Jutta Berger, DER STANDARD, 24.1.2013)

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Große Geschäftsführer großer Wohnbaugesellschaften sind oft kleine Lichter!

Laut Önormen wird in Österreich UND Vorarlberg auf eine Temperatur von 20°C dimensioniert.
Egal, was GF Hans-Peter Lorenz nun glaubt zu bauen. Leider weiß er es nicht, sonst würde er seinen Häusern nicht nachsagen, sie liefern nur 18°C !
Es ist natürlich nett im Passivhaus genau dasselbe zu machen, wie es die anderen Hausbauer im Normalhaus machen - sie bauen meist zwei Heizsysteme ein!
Das würde ich aber NICHT der Passivhaustechnik ankreiden. Es liegt an den Menschen, die einer Heizart halt noch gern eine zweite (nur so zur Sicherheit halt) dazugeben.
Nach dem Motto: derfs a bissl mehr sein?
PS: Wohne selbst im angenehm temperierten Passivhaus und kann darüber keine G'schichterln liefern wie so viele Poster!

umnutzung

PH sind grundsätzlich auf eine konkrete wohnsituation hin geplant, d.h. die zahl der bewohner und deren gebäudenutzung bestimmen die "heizungs"-planung.

die historische erfahrung zeigt aber, dass häuser über mehrere jahre gesehen einem oftmaligem nutzungswandel unterliegen. gerade am land sind einfamilienhäuser nur kurz wohnort von familien mit kindern. wenn diese weggehen, bleibt ein ehepaar, wenn ein partner stirbt, ein single. in Öst. ist es aber üblich, bis zum Tod im eigenen Heim leben zu wollen.
in zukunft könnte auch der finanzielle zwang zur untervermietung bauliche änderungen nötig machen.

es gibt ältere wohnhäuser, in die ab 1930/1945 geschäfte eingebaut wurden, heute wird wegen leerstand wieder rückgebaut zu wohnungen

reparaturzyklen ...

hm, ich habe kein problem damit, maschinen (=geräte) IN ein haus zu stellen, das haus selbst aber als "wohnmaschine" sehe ich skeptisch.

wer ein altes haus hat, weiß, dass die ganze haustechnik alle paar jahrzehnte erneuert werden muss. kleinere reparaturen fallen sowieso immer an. da ist es gut, wenn bauwerk und installationen nicht allzu komplex sind. man bekommt für viele dinge sehr bald keine ersatzteile mehr, die techniker kennen ältere systeme oft nicht, jede nachtägliche veränderung stört die grundplanung (neue steckdose --> loch in folie ...).
abgesehen davon ist die qualität des baumaterials (plastik, schrauben, holz) selbst im hochpreisigen segment extrem gesunken, weil nichts mehr "ewig" halten soll ...

der name passivhaus kommt vermutlich daher das es im winter drinnen so kalt ist das man nur noch passiv herum hängt. besonders lustig wenn man nach zwei wochen winterurlaub wieder nach hause in die dann noch weiter ausgekühlten räume kommt und kein hilfsmittel auser einem haarföhn zum heizen hat.
was soll das mit 18 Grad in einem wohnraum? erinnert mich an die regelmentierte zulässige raumtemperatur der ceausescu - zeit in rumänien.

Das würde ich nicht unterschreiben

In einem Passivhaus ist es im Winter bei wenige Heizleistung sehr warm.

Das Problem ist eher, dass die dicke Isolierung auch im Sommer vorhanden ist und die Wärmeabstrahlung behindert. Das heißt, es wird im Sommer sehr, sehr warm. Im Sommer ist ein altes Bauernhaus oder eine Wohnung in einem Haus aus der Gründerzeit angenehmer.

Ich wohne in einem Passivhaus - und ja, es hat nicht nur Vorteile.

Meiner Erfahrung nach überwiegen die Vorteile des Passivhauses gerade auch im Sommer. Während man bei einem gewöhnlichen Haus die Fenster aufreißen muss, um durch Zugluft etwas weniger Hitze zu empfinden, aber noch mehr heiße Luft dadurch hinein bekommt, besteht beim PH dieses Prolem gewöhnlich nicht. Zumindest wenn die Luftzuleitung etwa über die Erde vorgekühlt wird. Außerdem erspart man sich dadurch die ganzen Insekten.
Ganz wesentlicher Aspekt ist wie bei jedem Gebäude die richtige Verschattung. Versuchen Sie die Räume möglichst dunkel zu halten, wenn Sie diese nicht benutzen.
Interne Wärmequellen können natürlich auch keine unwesentliche Rolle spielen. Vielleicht lässt sich ja noch das eine oder andere ineffiziente Gerät austauschen.

wirklich nicht Ihr Ernst?

"Versuchen Sie die Räume möglichst dunkel zu halten, wenn Sie diese nicht benutzen"
haha - das kenne ich von meiner alten Wohnung; da haben wir im Sommer auch immer die Vorhänge vorgezogen und verdunkelt ....
Aber das kann doch nicht wirklich ihr Ernst sein?

ich wohne auch in einem Passivhaus, und bei uns ist es im Sommer nie zu warm.

Man muss einfach die direkte Sonnenstrahlung durch bauliche Maßnahmen draußen halten: Dachvorsprung, Außenjalousien.
Und im Winter ist es manchmal echt kühl, wenn eine Woche keine Sonne zu shen ist.
Aber die 18° halt ich für ein Gerücht.

Auf 18 Grad komme ich bei den jetzigen Außentemperaturen

wenn ich die Wärmepumpe abdrehe und nur die Wohnraumlüftung mit Wärmetauscher betreibe. Mit Wärmepumpe komme ich problemlos auf 22 Grad.

Vielleicht liegt es daran, dass ich viele interne Wärmequellen habe: mehrere Computer, Kühlschrank, Fernseher, Gefriertruhe, großer Hund (sicher einige hundert Watt), Stereoanlage, usw.

Das würde auch erklären, weswegen es bei mir im Sommer zu warm wird.

Dann stellen sie halt im Sommer die Lüftung auf eine Stufe höher, oder schlafen bei offenem Fenster. Bei Tag sind dann die Fenster natürlich zu.

Und der Hund soll den Sommer draußen verbringen ;-)

Das mache ich eh

Nur dass der Hund draußen schläft, das spielt es nicht. Das Viech ist sehr menschenbezogen - wenn er alleine draußen sein muss, heult er wie ein Wolf, weil er sich einsam fühlt.

Was mich aber wundert, dass es bei Ihnen so kühl ist. Wie dick ist denn die Isolierung ihres Hauses? Bei mir pickt 30 cm Styropor drauf.

Was mich dabei am meisten stört: man kann draußen nichts an der Wand anbringen.

Pardon, hat gedauert.

Die Wände sind 's definitiv nicht, sondern die Strahlung durch die Fenster. Zumindest bei mir.

Ein wirklich großer Hund!

"Einige hundert Watt" erreicht kein Hund als Durchschnittsleistung.

Nur zum Vergleich: Der Grundumsatz von Menschen liegt bei etwa 100 Watt, das sind rund 2000 kcal pro Tag.
Kein Hund frißt ein Vielfaches dieser Menge.

Aber natürlich leistet auch er seinen Wärmebeitrag und es läppert sich was zusammen.

Was mich noch interessieren würde: Kannst du ungefähr abschätzen, wieviel Strom die Wärmepumpe braucht, um bei den aktuellen Temperaturen auf 22 Grad Wohnraumtemperatur zu bleiben?

Ich weiß nicht, wieviel Watt mein Hund abstrahlt,

jedenfalls heizt das 65-kg-Viech wie ein Atomreaktor :-)

Den Strombedarf der Wärmepumpe kann ich momentan überhaupt nicht angeben, weil Sie wegen eines noch nicht reparierten Defektes im Sommerbetrieb läuft, also NICHT heizt. Es funktioniert momentan nur die Wohnraumlüftung mit Wärmetauscher.

Heute hatte es deswegen bei mir auch nur 18 Grad C. Deswegen habe ich als Notlösung einen Heizstrahler mit 2000 Watt aufgestellt, der das ganze Haus heizt (185 qm). Momentan hat es unten 19 Grad und oben im Stock 20 Grad.

Danke für die Infos!

65 kg! Okay, das IST groß!

Damit kommt er jedenfalls über 100 Watt, schafft mit genug Bewegung vielleicht sogar 200 Watt im Schnitt.

Jetzt wäre nur noch interessant, wie hoch die Mehrkosten sind, bis wann diese sich amortisiert haben, wie lange die Isolierung ihre Funktion beibehält, und was die Entsorgung der Dämmung (großteils Sondermüll!) dann kosten.
Wenn ich mir anschau, was derzeit an Polystyrol-Mengen auf die Häuser gepappt wird, wird mir einfach schwindlig! Spätestens in 25 Jahren ist das ein riesiger Haufen Sondermüll, der teuer zu entsorgen ist (Stichwort Gesamtenergiebilanz).
Dann schaut die Energiebilanz gleich nicht mehr so gut aus.

Kunststoff Dämmung

kann man recyceln!

Cellulose
Stroh
Schafwolle
Glaswolle
Steinwolle
Solarwaben
Hanf
...

Es gibt jede Menge Alternativen.

Mein Haus hat Cellulose-Dämmung.

Das beste, was man mit der Kronenzeitung anfangen kann!

Marketinggag Passivhaus

mit diesem Namen wurde auch Jahrelang schundluder getrieben.
da wurde bauherren die sich auf die Planer verlassen haben häuser angeboten mit miniheizungen und Ihnen versprochen dass Sie keine heizkosten haben .... ist ja ein passivhaus!
und als der bauherr dann eingezogen ist, und 15% mehr zahlen musste als für ein normales gut isoliertes haus ist er auch noch draufgekommen dass er es im winter nicht richtig warm hat und das warmwasser auch ein luxus ist. eine badewanne mit warmwasser zu füllen fast nicht möglich ist.

jetzt kommt man drauf dass man passivhäuser mit einer normalen heizung ausstatten sollte damit man ja energiereserven hat. Aber was ist nun Passiv?

ein tolles wort das nix wert ist.

18° reichen

Wollpullover anziehen und schon hat man gemütlich warm. Ist billiger als eine Gasthereme einbauen. Und zusätzlich ist es gesunder.

Was für eine Überschrift.

Klingt fast nach "lauter warme in Vorarlberg"

18 Grad unter welchen Bedingungen?

Weiß irgend jemand hier, unter welchen Voraussetzungen es in einem Passivhaus nur 18 Grad hat?
Außentemperatur?
Lüftungsintegrierte Wärmepumpe mit x Watt?

Wenn es nur an ein paar Tagen im tiefsten Winter so ungemütlich wird, tut´s ein billiges (mobiles) elektrisches Heizgerät auch.
Wenn es normal für die Wintermonate ist sieht die Sache natürlich anders aus.

So ist es.

Wie viele kWh braucht ein Heizlüfter im Bad, der genau 10min in Betrieb ist? (rhetorische Frage).

Thema Rocket Mass Heater: wir überlegen uns im Laufe der nächsten Jahre ein

kleines Haus am Land zu bauen - hat jemand Erfahrung mit dieser Heizmethode: http://www.richsoil.com/rocket-st... heater.jsp

Wo liegt der Unterschied zum klassischen Kachelofen, in technischer Hinsicht, Energieeffizienz etc.?
Wird sowas hierzulande bauvorschriftentechnisch zugelassen? Was sagt der Rauchfangkehrer?

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