Ein Trick lässt Fledermäuse auch bewegungslose Insekten orten

  • Eine Großohrfledermaus hängt für ein kleines Päuschen ab. Sie versteht es, mittels Echoortung auch bewegungslose Beute aufzuspüren.
    foto: inga geipel

    Eine Großohrfledermaus hängt für ein kleines Päuschen ab. Sie versteht es, mittels Echoortung auch bewegungslose Beute aufzuspüren.

Deutsche Forscherinnen analysierten im Experiment, wie die Insektenfresser ihre "akustisch maskierte" Beute aufspüren

Ulm - Die tropischen Regenwälder Südamerikas sind ein Labyrinth in 3-D. Wenn Insekten in diesem Dickicht auch noch bewegungslos auf Zweigen oder Blättern verharren, sollte man meinen, dass die Echoortung von Fledermäusen - ohnehin durch die zahllosen von Pflanzen zurückgeworfenen Störechos beeinträchtigt - sie nicht mehr erfasst.

Und doch haben Fledermäuse auch für solche Beute eine geeignete Jagdstrategie entwickelt, wie die Universität Ulm berichtet. Die Ulmer Forscherinnen Inga Geipel, Kirsten Jung und die 2011 verstorbene Elisabeth Kalko haben mittels Verhaltensversuchen analysiert, wie Großohrfledermäuse der Spezies Micronycteris microtis die "akustische Maskierung" von Insekten im Dickicht austricksen.

Experiment

Auf Barro Colorado Island und in Panama haben die Biologinnen Fledermäuse gefangen und für die Versuche in eine Voliere gesetzt. Auf Blättern von Topfpflanzen, deren Position mehrfach verändert wurde, präsentierten sie den Tieren verschieden gestaltete Attrappen von Libellen, die zur Lieblingsbeute der Fledermäuse zählen. Mit diesen Nachbildungen wollten die Wissenschafterinnen den Einfluss von Form, Struktur und Material auf das Verhalten der Fledermäuse überprüfen. Die Aktionen und Echoortungsrufe der nachtaktiven Säuger wurden mit Hochgeschwindigkeitskameras und Ultraschallgeräten festgehalten.

Bei allen Fledermäusen konnten die Forscherinnen ähnliche Verhaltensmuster beobachten: Die Tiere flogen im "Schwirrflug" vor den Topfpflanzen und stießen kurze, multi-harmonische und breitbandige Echoortungsrufe aus. Die Beutelokalisation gelang auf diese Weise erstaunlich schnell. Offenbar macht sich Micronycteris microtis im Schwirrflug ein detailliertes akustisches Bild - basierend auf der Beuteform und -struktur sowie dem Beutematerial. "Die Großohrfledermaus nutzt bei ihrer Jagd lediglich die Echoortung. Weitere Strategien zur Reizreduktion konnten wir nicht feststellen", sagt Geipel.

Im jetzt in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlichten Artikel beschreiben die Forscherinnen die Strategie - die offensichtlich überaus erfolgreich ist: Die bewegungsarmen und damit vermeintlich gut verborgenen Libellen machen zehn Prozent der Nahrung von Micronycteris microtis aus. (red, derStandard.at, 26. 1. 2013)

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