Unterlagen dokumentieren Personalzwist zwischen Apple, Google und Co.

23. Jänner 2013, 13:25
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Steve Jobs drohte damaligem Palm-Chef Colligan mit Patentklagen

Ähnlich begehrt wie die Produkte von Google, Apple und Co. sind auch jene Menschen, die sie erfinden und verbessern.. Nicht selten versuchen große Tech-Unternehmen talentierte und erfahrene Mitarbeiter der Konkurrenz abzuwerben. Doch diese sind eine wichtige Ressource, entsprechend wird mit harten Bandagen um sie gekämpft, wie nun Einblicke in Dokumente verschiedener Unternehmen, darunter E-Mails des verstorbenen Apple-Chefs Steve Jobs, beweisen.

Eskalation zwischen Apple und Palm

2007 dürfte es besonders brisant zwischen Palm und Apple geworden sein. Ersteres Unternehmen, damals geführt von Ed Colligan, hatte wohl bereits webOS und die Palm Pre-Serie in Vorbereitung und soll aggressiv nach Apple-Mitarbeitern geangelt haben.

Steve Jobs soll laut einer Aussage von Colligan ein Arrangement vorgeschlagen haben. Dieses sollte die Abwerbeaktionen unterbinden, wofür Apple im Gegenzug von Patentklagen gegen Palm absehen würde. Der Vorschlag wurde jedoch Seitens Palm als illegale Praxis eingestuft und abgelehnt. Gleichzeitig drohte man mit Gegenklagen auf Basis des eigenen Repertoirs.

Rekrutierung mit Insiderwissen

Nach einigem Hin und Her riss dem Apple-Chef nämlich der Geduldsfaden. Als Antwort schrieb er: "Ed, das ist nicht zufriedenstellend für Apple. Es stellt sich nicht nur die Frage, ob sich unsere Angestellten dafür entscheiden, zu Palm zu gehen. Sie werden mit Hilfe von Jon Rubensteins [sic!] und Fred Andersons Wissen aktiv angeworben und Jon nimmt sogar persönlich am Recruiting-Prozess teil."

Jon Rubinstein war bis April 2006 bei Apple tätig und arbeitete dort zuletzt als Vizepräsident der iPod-Sparte. 2007 wurde er Teil des Palm-Vorstands, nachdem seine Private Equity-Firma "Elevation Partners" eine große Summe in das Unternehmen gesteckt hatte. Fred Anderson war zwischen 1996 und 2006 bei Apple, lange verantwortlich für die Finanzen des Konzerns und später auch Teil des Vorstands.

"Sieh dir unser Patentportfolio an"

"Wir müssen tun, was immer wir können, um das zu beenden", warnt Jobs Colligan und weist explizit auf die "Asymmetrie der finanziellen Ressourcen" beider Konzerne hin. "Mein Rat ist, dass du dir unser Patentportfolio ansiehst, bevor du eine endgültige Entscheidung triffst."

Google soll in iPod-Sparte gewildert haben

Auch zwischen dem damaligen Google-Chef Eric Schmidt und Jobs krachte es. Schon 2006 vermutete der Apple-Chef, dass der Konkurrent gezielt auf seine Mitarbeiter zugehen würde.

"Eric, mir wurde gesagt, dass Googles neue Smartphone-Abteilung unermüdlich versucht, sich bei unserer iPod-Division zu bedienen. Wenn das wirklich stimmt, kannst du das beenden?", übermittelte er kurz und bündig nach Mountain View. Schmidt wusch seine Hände in Unschuld: "Es tut mir leid, das zu hören. Unsere Policy besagt, dass wir keine Apple-Mitarbeiter anwerben. Ich werde mir das sofort ansehen!".

Die Nachricht dürfte im Hauptquartier von Google Hektik ausgelöst haben, denn es folgte eine E-Mail-Konversation zwischen Eric Schmidt und seinem früheren Personalstrategen Amnon Geshuri. Dieser versicherte ihm, dass Recruiter, die bei Apple fischen, sofort ihren Posten räumen müssten. In der Tat stand Apple bereits seit 2005 auf einer Liste von Google, auf welcher Unternehmen stehen, mit denen entsprechende Abkommen geschlossen wurden.

Einblick in Personalpolitik

Weitere Dokumente, die etwa bei The Verge zu finden sind, zeigen ganze "No-Hire"-Listen verschiedener Unternehmen, beispielsweise Adobe, Intel oder Pixar, und geben andere Informationen über ihre Personalpolitik preis. Das US District Court of Northern California hatt mittlerweile die Chefs mehrerer Konzerne wegen problematischer Absprachen vorgeladen. (red, derStandard.at, 23.01.2013)

Links:

The Verge

  • Eine "No-Hire"-Liste von Google.
    foto: us district court of northern california

    Eine "No-Hire"-Liste von Google.

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