Frühes Sonnensystem: Asteroidenbillard mit ungleichen "Kugeln"

  • DAWN-Aufnahme des Asteroiden Vesta, ergänzt um einen hypothetischen Blick in das dynamische Innere eines vergleichbaren Asteroiden etwa 50 Millionen Jahre nach dessen Bildung.
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    foto: nasa/jpl-caltech/dlr/goethe-universität/eth

    DAWN-Aufnahme des Asteroiden Vesta, ergänzt um einen hypothetischen Blick in das dynamische Innere eines vergleichbaren Asteroiden etwa 50 Millionen Jahre nach dessen Bildung.

Auswertung von Daten über Vesta weist auf langanhaltende dynamische Prozesse im Inneren großer Asteroiden hin

Frankfurt - Von neuen Erkenntnissen über die Frühzeit des Sonnensystems berichtet die Goethe-Universität in Frankfurt am Main: Sie schließen aus ihren Untersuchungen des Asteroiden Vesta auf ein "ungleiches Asteroidenbillard", das in der Frühzeit des Sonnensystems die Bildung der Erde und der anderen Planeten beeinflusst haben könnte. Ihre Studie wurde im Fachmagazin "Nature Geoscience" veröffentlicht.

"Wenn man an Asteroiden denkt, drängt sich die Vorstellung riesiger, grauer, kalter und kartoffelförmiger Gesteinsmassen auf, die die Zivilisation auf der Erde bedrohen und hin und wieder tatsächlich mit anderen Himmelsobjekten zusammenstoßen", sagt Frank Brenker vom Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität. Tatsächlich dürften sich im Inneren von Asteroiden über einen überraschend langen Zeitraum hinweg - vielleicht bis zu hundert Millionen Jahre - dynamische Prozesse abgespielt haben. Ausgelöst wurden sie durch schwere, weitgehend verfestigte Gesteinsmassen, die in einen Brei aus Schmelze und Kristallen abtauchten.

Gesteinsuntersuchung

Die Frankfurter Forschergruppe untersuchte Tiefengestein des Asteroiden Vesta, des zweitgrößten Asteroiden unseres Sonnensystems mit einem Durchmesser von etwa 516 Kilometern. Mit Messungen der kristallographischen Orientierung von Mineralen mit einem Elektronenmikroskop konnten sie nachweisen, dass es starke Verformungen der bereits weitgehend verfestigten Gesteine gegeben hat.

Berechnungen von Gregor Golabek von der ETH Zürich halfen schließlich, das unerwartete Ergebnis in ein geodynamisches Konzept einzubinden. War man zuvor von einem einfachen Erstarrungsprozess im Inneren eines Asteroiden ausgegangen, so erhält das Bild nun eine dynamische Komponente, die einen unerwartet schnellen chemischen und strukturellen Umbau ermöglicht.

Die nachgewiesenen Umwälzvorgänge fügen nicht nur unserem Bild von Vesta-ähnlichen Asteroiden im frühen Sonnensystem eine neue Facette hinzu. Auch die Bildung von Planeten könnte den Forschern zufolge durch Kollisionen mit solcherart "dynamischen, heißen Kugeln" erheblich beeinflusst worden sein. (red, derStandard.at, 23. 1. 2013)

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