Code.org soll Programmieren wieder cool machen

23. Jänner 2013, 11:08
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Amerikanische Tech-Branche blickt Fachkräftemangel entgegen

Hadi Partovi, ein in Seatlle lebender Tech-Investor, will junge Leute wieder für Computerwissenschaften begeistern. Dafür hat er mit Gleichgesinnten Code.org ins Leben gerufen, wo unter anderem eine Übersicht über Lernmöglichkeiten und ein Kurzfilm entstehen sollen.

Viele Jobs, weniger Arbeitskräfte

Der Hintergrund ist durchaus ernst. "Als jemand, der in der Techindustrie tätig ist, ist mir klar, dass das größte Problem der Mangel an Technikern ist", erklärt der Geschäftsmann gegenüber der New York Times. Glaubt man der Statistik auf der Startseite seines Nonprofit-Projektes, so werden im Jahre 2020 nur 400.000 Studierende entsprechender Fächer 1,4 Millionen freien Jobs gegenüberstehen.

Dementsprechend bewirbt man auch die Zukunftsträchtigkeit einer Ausbildung in diesem Bereich. In den USA werden, so die Zahlen weiter, Absolventen mit einem Abschluss in einem computerwissenschaftlichen Fach am zweithöchsten von allen Berufsgruppen entlohnt. Das Jobwachstum in der Techbranche liegt doppelt so hoch wie der nationale Durchschnitt.

Problem beginnt in Schulen

Obwohl Menschen zunehmend von Technik umgeben sind, schließen immer weniger Studenten in Computerwissenschaften ab. Mit 2,4 Prozent liegt die Quote niedriger als noch vor zehn Jahren. Das Problem beginnt jedoch schon an den Schulen, nur sechs von 1.000 Highschool-Lehrern unterrichten entsprechende Fächer in Vollzeit. Hier liegt die Schwierigkeit in der Bezahlung, da Fachkräfte in der Privatwirtschaft wesentlich mehr verdienen. Selbst junge Programmierer mit Leidenschaft fürs Lehren müssen daher dem Lehrberuf oft aus ökonimischen Gründen - in der Regel kommen sie mit einem großen Schuldenberg aus der Universität - entsagen.

Moderne Technik fordert nicht mehr heraus

Während Partovis Interesse fürs Programmieren zu DOS-Zeiten aufflammte, als es noch notwendig war, den Computer mit Kommandozeilenbefehlen zu steuern, verstecken heutige Geräte die komplexen Mechanismen, die sie am Laufen halten. Moderne Technologien versagen weitgehend darin, das Interesse der Jungen für tiefergehende Beschäftigung zu wecken. Eine löbliche Ausnahme stellen Geräte wie der Raspberry Pi dar, der ursprünglich für den Schuleinsatz konzipiert worden war und mittlerweile unzählige Bastler begeistert.

Imagekampagne startet mit Film

Der in Arbeit befindliche Film beschäftigt sich mit wichtigen Personen aus der Tech-Branche, die darüber sprechen, wie zugänglich und aufregend Programmieren sein kann. Zu Wort kommen etwa Facebook-CEO Mark Zuckerberg und Microsoft-Gründer Bill Gates. Als Regisseur fungiert Lesley Chilcott, der auch schon Al Gores Klima-Doku "Eine unbequeme Wahrheit" produziert hat. Ziel ist es, mit Klischees aufzuräumen und Computerjobs wieder cool zu machen.

So hat die Darstellung von Programmierern in populären Medien - etwa Zuckerberg in "The Social Network" - bislang nicht dazu beigetragen, das Stereotyp von Programmierern als "junge, weißer, aber geniale Freaks", die ihre Tage vor dem Computer im Keller verbringen, aufzulösen. (red, derStandard.at, 23.01.2013)

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Code.org

  • Die Darstellung von Programmierern in zeitgenössischen Medien trägt bislang wenig zur Auflösung gängiger Klischees bei.
    foto: mmagallan @ sxc.hu

    Die Darstellung von Programmierern in zeitgenössischen Medien trägt bislang wenig zur Auflösung gängiger Klischees bei.

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