Szenekneipen ersaufen im Berliner Winter

23. Jänner 2013, 10:42
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Ein junger Unternehmer sorgt mit seiner Mischung aus Wodka und Apfelsaft für Furore. Die Bank war ihm dabei keine Hilfe

Der Winter in unseren Breiten ist kalt. Die Österreicher erwartet nun gar ein Wochenende der Kälteextreme. Da würde man sich gerne ein Gläschen Berliner Winter gönnen. Die Mischung aus Wodka, Apfelsaft und Gewürzen, die man warm trinkt, ist eine Erfindung von Benjamin Fischer. Vom Studenten und Teilzeit-Barkeeper zum Unternehmer ging es bei ihm schnell. Verlassen konnte er sich dabei allerdings nicht auf seine Hausbank, sondern auf seine Universität.

Drei Jahre bis zur ersten Flasche

Losgetreten hat die Idee zum Berliner Winter eine junge Frau. Apfelsaft mit Whisky möchte sie haben, warm und mit Zimt, wünschte sie sich vom verdutzen Fischer in einer Bar in Berlin-Kreuzberg, berichtet der "Tagesspiegel". Die Kreation blieb in Fischers Kopf hängen, er begann zu experimentieren. Ganze drei Jahre hat es aber gedauert bis er seine ganz persönliche Kreation in die Flaschen brachte, schilderte der Jungunternehmer der Zeitung. Schließlich galt es noch ein Studium zu beenden.

Sein Studium der Kulturwissenschaft war es auch, das ihm die Gründung überhaupt ermöglicht hat. Geld für sein Projekt - immerhin müssen neben dem Wodka und den Äpfeln aus Baden-Württemberg auch Flaschen, Etiketten und Transport gezahlt werden - bekam er von den Banken, seiner ersten Anlaufstelle in Sachen Finanzierung, nämlich keines. Man hat an seine Idee nicht geglaubt, sagt Fischer zur Zeitung. Seine Hochschule, die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, aber habe ihm Gespräche mit Steuerberatern, Anwälten und einem Unternehmensberater finanziert.

Einzug in andere Städte

3.000 Liter seines orangefarbenen Berliner Winters hat er nun seit Dezember 2012 abgefüllt. Auf dem Etikett sieht man einen Mann mit Oberlippenbart, in Schal und Mütze gewandet, der eine Apfelkiste trägt. Das Logo hat seine Freundin gezeichnet, Fischer stand dafür Modell.

Wie es mit dem Berliner Winter im Sommer weitergeht, weiß der frischgebackene Unternehmer noch nicht. "Man muss ihn gar nicht warm trinken, auch kalt auf Eis schmeckt's gut", sagte er zum "Tagesspiegel" etwas hilflos. Der Name des Getränks dürfte bei 30 Grad aber hinderlich sein. Im Winter will Fischer aber wiederkommen, anvisiert sind die Städte Hamburg, Bremen, München, Leipzig und New York. Und wer weiß, vielleicht findet der Drink für kalte Nächte auch seinen Weg nach Österreich. (sos, derStandard.at, 23.1.2013)

  • Äpfel aus Baden-Württemberg, Wodka, Gewürze und Berliner Retro-Stil. Daran haben Banken nicht geglaubt, aber die Universität in Frankfurt/Oder.
    foto: berliner winter/facebook

    Äpfel aus Baden-Württemberg, Wodka, Gewürze und Berliner Retro-Stil. Daran haben Banken nicht geglaubt, aber die Universität in Frankfurt/Oder.

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