Lage und Logik

Kolumne29. Jänner 2013, 17:06
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Luzia Schrampf über Lagenweine: Manche der Namen wurden zu Marken, die mit der Ursprungsidee nicht mehr viel zu tun haben

Lagenweine sind neben den unlängst hier beschriebenen Cuvées eine weitere Weinspezies, die eine Besprechung wert ist. Der Name einer Lage oder Riede (österreichisch) auf einem Weinetikett verheißt grundsätzlich Besonderes. Denn, so besagen Logik wie auch geübte Praxis, verfügen ein Weingarten, ein Landschaftsteil einer Gemeinde über derart spezielle Gegebenheiten, dass sie den dort wachsenden Wein besonders prägen, zahlte es sich aus, dies auch hervorzuheben.

Im österreichischen Weingesetz werden "Rieden" nur am Rande erwähnt, und zwar als "umgrenzte Flächen" in einer Gemeinde oder einem Weinbaugebiet, die auf Etiketten angeführt werden dürfen. Eine Lage kann mehreren Winzern gehören, wie "Gabarinza" in Gols oder "Heiligenstein" im Kamptal, oder exklusiv zu einem Betrieb. Bei "Goldberg" ist wieder eine Ortsbezeichnung recht nützlich, da der Name überall äußerst beliebt war, um den sonnigsten und wärmsten Weinberg zu beschreiben.

Staatsvertragswein

In puncto Lagen gibt es ein Phänomen, das nur mäßig erfreulich, wenn auch legal ist. Manche dieser Namen wurden zu Marken, die mit der ursprünglichen Idee - etwas Besonderes von einem speziell Platz - nicht mehr viel zu tun haben. Ein Beispiel ist die "Kremser Sandgrube", eine Bezeichnung, die heute auf dermaßen vielen Flaschen zu finden ist, die einfach nicht mehr aus der kleinen Originallage kommen können. Die Lage Katzensprung bei Dürnstein wiederum, aus der der Staatsvertragswein kam, gibt es schon lange nicht mehr. Der Name "Katzensprung" ist aber so einprägsam, dass daraus ein Markenwein wurde, der erst vor wenigen Jahren wieder aufgelegt wurde.

Lagen haben also marketingtechnisch einen hohen Stellenwert. Bleibt die Frage nach der Qualität. In manchen Regionen klassifizierte man die Lagen: Im Burgund gibt es seit etwa 1860 Dorflagen, Premier Crus und Grand Crus, die Klassifikation der Portweinlagen im portugiesischen Dourotal stammt sogar aus 1756. Auch in Österreich gibt es zwei Anläufe zu einer Lagenklassifikation, die, im Unterschied zu den erwähnten regionalen Klassifizierungen, von Winzergruppierungen ausgehen. Die Diskussionen zwischen dem offiziellen Weinösterreich und den Initiatoren darüber sind heftig und noch nicht abgeschlossen. In der Zwischenzeit sollte man sich als Weinfan vielleicht nur erinnern, dass "STK" in der Steiermark oder "Erste Lage" in Niederösterreich - derzeit - eine private Angelegenheit sind. (Luzia Schrampf, Rondo, DER STANDARD, 25.1.2013)

  • Die Lage Katzensprung bei Dürnstein, aus der der Staatsvertragswein kam, gibt es schon lange nicht mehr.
    foto: christian fischer

    Die Lage Katzensprung bei Dürnstein, aus der der Staatsvertragswein kam, gibt es schon lange nicht mehr.

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