Nicht erfinden, nicht fälschen, nicht stehlen

22. Jänner 2013, 17:56
4 Postings

Die Med-Uni Wien präsentiert Regeln für korrektes wissenschaftliches Verhalten

Verfahrensregeln und Konsequenzen bei wissenschaftlichem Fehlverhalten wie dem Erfinden von Daten ("fabrication"), der Fälschung und Manipulation von Daten ("falsification") oder dem Diebstahl geistigen Eigentums ("Plagiarismus") werden heutzutage in universitären Richtlinien der "Good Scientific Practice" definiert und festgeschrieben.

Auch die Medizinische Universität Wien hat am Dienstag überarbeitete Regeln für korrektes wissenschaftliches Verhalten vorgestellt. Die bisherigen Richtlinien stammten noch "aus dem Jahr 2001, als wir noch Fakultät der Universität Wien waren", erklärt Med-Uni-Vizerektorin Christiane Druml.

Med-Uni-Rektor Wolfgang Schütz verweist im neuen Regelwerk auf die in den vergangenen Jahren international gestiegenen Zahlen wissenschaftlicher Fehlleistungen und Vergehen. "Vorwürfe wissenschaftlichen Fehlverhaltens - ob berechtigt oder nicht - stellen für die beteiligten Personen in der Regel eine große Belastung dar und können potenziell die Reputation der Universität beschädigen". Aus diesem Grund gebe man allen Mitarbeitern Klarheit, welche Regeln einzuhalten seien und zu welchen Konsequenzen wissenschaftliches Fehlverhalten führen könne.

Als Grundsatz wird dabei nicht nur der "Schutz der eines vermuteten Fehlverhaltens beschuldigten Person", sondern auch der Schutz der anzeigenden Person, des sogenannten "Whistleblowers", genannt. Weitere Regeln befassen sich mit der Verantwortung der Forscher für ihre Arbeit, der Dokumentation klinisch-wissenschaftlicher Projekte, dem Umgang mit Studiendaten, Tierversuchen, der Nennung von Autoren bei wissenschaftlichen Publikationen und der Zusammenarbeit mit der Industrie.

Korrekte Transparenz oberste Maxime

Druml wollte nicht bewerten, ob die neuen Regeln schärfer seien als die bisherigen. In den vergangenen Jahren habe sich aber viel verändert. Früher sei etwa oft die Geheimhaltung bei klinischen Studien im Vordergrund gestanden. Heute sei dagegen die korrekte Transparenz oberste Maxime. Die Richtlinien sollten die Forscher unterstützen und ihm zu seinem Recht verhelfen, etwa auch beim Thema Ehrenautorenschaft, der Nennung von Vorgesetzten in Publikationen, ohne dass sie zur Arbeit beigetragen haben.

"Durch das Regelwerk weiß jeder Mitarbeiter, welche Rechte und Pflichten ihm und den anderen zustehen, und die Öffentlichkeit kann sich darauf verlassen, dass die Forschung an der Med-Uni korrekt, transparent und methodisch nach internationalen Standards stattfindet", erklärte die Vizerektorin. Um die neuen Regeln im Bewusstsein zu verankern, plant die Med-Uni mehrere Veranstaltungen für Wissenschafter des Hauses und für andere Forschungseinrichtungen. (APA, pum, DER STANDARD, 23.01.2013)

  • Med-Uni-Vizerektorin Christiane Druml.
    foto: standard/urban

    Med-Uni-Vizerektorin Christiane Druml.

Share if you care.