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Chanels Couture gibt sich verspielt.

Paris/Wien - Das eine Label sagt seine Couture-Show ab, das andere jammert, weil die Werkstätten mit den Bestellungen nicht mehr nachkommen. Es sind widersprüchliche Signale, die rund um die derzeit in Paris stattfindenden Haute-Couture-Schauen ausgesendet werden. Während Dior-Chef Sidney Toledano 2012 als "ein Rekordjahr mit einem starken zweistelligen Umsatzwachstum" für seine Couture bezeichnet, stornierte Givenchy-CEO Sebastian Suhl diesmal sogar die kleine Präsentation des Labels. Bereits 2010 hatte man sich vom Laufsteg verabschiedet, die Zahlen hätten darunter laut Suhl aber nicht gelitten.
Das Geschäft mit den maßgefertigten Einzelentwürfen, die mitunter ein Vielfaches von Prêt-à-porter-Kreationen kosten, ist überschaubar geworden. Nur mehr etwa zwei Handvoll Marken zeigen überhaupt noch im Rahmen des offiziellen Couture-Kalenders, und auch sie müssen sich nach neuen, finanzkräftigen Kundinnen umsehen. Labels wie Giorgio Armani, das seine Privé-Linie in Paris präsentiert, inszenierte etwa im vergangenen Jahr eine spektakuläre Show in Peking, Gaultier in Kolumbien und - asiatische Kundinnen nehmen überproportional zu - ebenfalls in Peking. Die großen Schauen in Paris sind aber nach wie vor die Aushängeschilder für das Geschäft mit den Red-Carpet-Roben.
Diesmal ist der rote Teppich allerdings grün umrandet - und das gleich bei den zwei wichtigsten Couture-Labels. Sowohl bei Dior als auch bei Chanel flanieren die Models zwischen Sträuchern und Bäumen. Während Paris unter einer dicken Schneedecke liegt, hängt der neue Dior-Designer Raf Simons in einem Zelt in den Tuilerien bereits dem kommenden Frühling nach.
Filigrane Blütenstickereien bedecken transparente Glocken- und Ballonkleider, aufgestickte Zweige die kurzen, ärmellosen Tops. In den Kreationen von Christian Dior kehrten Blumenmotive immer wieder, und bereits in seiner Einstandskollektion in der vergangenen Saison hatte Simons genau sie aufgegriffen. Das Spiel mit den klassischen Dior-Silhouetten gelang diesmal aber noch müheloser, zeitgemäßer: Asymmetrien brechen die strengen Sanduhrenformen auf, eisige Gelbs und Rots mischen sich unter zarte Cremetöne.
Koketter geht es dagegen auf dem Laufsteg von Chanel im Grand Palais zu. Ist Raf Simons' Garten formbewusst französisch, gibt sich Karl Lagerfeld naturnah englisch. Als hätte er einen Ausflug in die Demimonde von Chanels Jugendjahren gemacht, wuchern bei ihm Federn aus Dekolletés, bauschen sich Tüllröcke zu Ballons oder verbreitern Rüschen die Schultern. Die asiatisch angehauchten Etuikleider sind knöchellang und mit großformatigen Blütendrucken geschmückt, das klassische Chanel-Kleid gibt sich dagegen geometrisch streng.
Mit Koketterie hält sich Donatella Versace nicht auf. In ihrer Atelier-Schau zeigt sie viel Haut und manchen Pelz, Bustier- und Cut-out-Dresses. Neonpink trifft auf Neongelb, Chiffon auf 24-karätiges Gold. Zwischen Hollywood und Baku werden auch diese Kleider ihre Abnehmer finden. (Stephan Hilpold, DER STANDARD, 23.1.2013)
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