ÖBB versprechen Opfern von S-Bahn-Crash rasche Entschädigung

22. Jänner 2013, 17:39
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Inzwischen ist klar, dass die beiden Fahrer eine tödliche Katastrophe verhindert haben

Wien - In schlimmen Situationen gibt es immer wieder Menschen, die noch Schlimmeres verhindern. Ein US-Pilot bewies diese Fähigkeit, als er vor fast genau vier Jahren eine Notwasserung auf dem Hudson River in New York hinlegte. Auch die beiden Fahrer der Schnellbahngarnituren, die Montagmorgen auf der Vorortelinie in Wien-Hütteldorf zusammenkrachten, fallen in die Kategorie Lebensretter. Mit Notbremsungen haben sie eine tödliche Katas-trophe verhindert.

Wie berichtet wurden bei der Kollision 41 Menschen verletzt, fünf davon schwer, darunter auch einer der Fahrer. Am Dienstag war er nach Angaben der Ärzte zumindest nicht mehr in Lebensgefahr.

Die beiden Züge waren auf der eingleisigen Strecke mit jeweils 80 km/h aufeinander zugerast, weil es nach einem Weichendefekt vermutlich der Fahrdienstleiter im Bahnhof Penzing verabsäumt hatte, die Weiche manuell zu bedienen und Freizeichen gab. Gesichert ist diese Unfallursache aber noch nicht, die Untersuchungen dauerten Dienstag noch an.

Die Fahrer konnten jedenfalls nach Sichtkontakt auf der offenen Strecke die Geschwindigkeit noch auf jeweils unter 30 km/h zum Zeitpunkt des Aufpralles drosseln. Wären die Züge in voller Fahrt kollidiert, hätte es vermutlich dutzende Tote gegeben, sind sich Einsatzkräfte sicher.

Die ÖBB versprechen Menschen, die zu Schaden gekommen sind, eine "unbürokratische und schnelle Entschädigung". Prinzipiell gibt es für Regressansprüche nach Zugsunfällen zwei wichtige Grundlagen: den Beförderungsvertrag, den jeder Passagier mit dem Kauf eines Tickets abschließt, und das Eisenbahn- und Kraftfahrzeughaftpflichtgesetz (EKHG), erklärt der auf Schadenersatzrecht spezialisierte Wiener Rechtsanwalt Georg Prchlik auf Anfrage des Standard. Folgende Ansprüche können geltend gemacht werden:

Heilungskosten

Auch wenn die Heilung einer Verletzung nicht erfolgreich war, müssen die Kosten für den Versuch ersetzt werden. 

Dauerschäden

Braucht ein Opfer beispielsweise als Folge eines Unfalls dauerhaft eine Gehhilfe, müssen die Kosten dafür übernommen werden. 

Verunstaltungsentschädigung

Bleibt eine Entstellung etwa nach einem Jochbeinbruch zurück, kann dafür Entschädigung verlangt werden. 

Schmerzensgeld

Je nach Schmerz (leicht, mittel, stark) und Dauer gibt es bestimmte Summen.

Verdienstentgang

Durch einen Unfall verursachter Einkommensverlust muss voll ausgeglichen werden. 

Gepäcksentschädigung

Zu Bruch gegangenes oder zerstörtes Gepäck wird ersetzt, die theoretische Höchstsumme dafür liegt bei 1,2 Millionen Euro (EKHG-Haftung).

Die angeführten Ansprüche gelten nur für Passagiere, die einen gültigen Beförde rungsvertrag eingegangen sind. "Schwarzfahrer unterliegen auch nicht dem EKHG und haben im Ernstfall wenig Aussichten auf Entschädigung", sagt Rechtsanwalt Prchlik. (Michael Simoner/DER STANDARD, 23.1.2013)

  • Fünf Menschen wurden bei der S-Bahn-Kollision in Wien schwer verletzt 
und mit Hubschraubern in Spitäler gebracht - darunter auch einer der 
beiden Zugfahrer, die Schlimmeres verhindert hatten.
    foto: der standard/regine hendrich

    Fünf Menschen wurden bei der S-Bahn-Kollision in Wien schwer verletzt und mit Hubschraubern in Spitäler gebracht - darunter auch einer der beiden Zugfahrer, die Schlimmeres verhindert hatten.

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