Erheiternd feierlich

22. Jänner 2013, 17:11
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Am Montag hätte man glatt gewettet, er würde zu einer verfrühten Neujahrsrede ansetzen

TV-Dokumente belegen: Er kann ein allürenloser Zeitgenosse sein, der den Weg auf den Küniglberg nicht scheut, um mitunter natürlich (Last des Amtes!) im bedächtigen Sprechstil das Zeitkonzept von Sendungen zu foltern. Am Montag allerdings, als Bundespräsident Heinz Fischer in der ZiB 2 erschien, hätte man glatt gewettet, er würde zu einer verfrühten Neujahrsrede ansetzen.

Es schien, als hätte er den Küniglberg in die Hofburg bestellt. Und er stand (neben heimischer und europäischer Fahne) in erhabener Stehpose vor der Kamera, als gelte es Umwälzendes zu verkünden. Am Ende war's zwar nur ein Interview zu Ergebnis und Folgen der Wehrpflichtvolksbefragung, die Inszenierung jedoch war eine schön-altmodische; und umso erheiternder, als das Gefühl aufkam, das Staatsoberhaupt wolle womöglich das Ergebnis der Volksbefragung feierlich auskosten.

In jedem Fall war die Auftrittsform auch praktisch: Mit der strammen Haltung konnte signalisiert werden, hier stünde der Oberbefehlshaber des Heeres. Zugleich durfte die Rolle ei nes über den Parteien da unten schwebenden Hüters der Verfassung eingenommen werden. Auch kam Fischer nicht in Gefahr, seine Freude über das Ergebnis ausgelassen (Fernsehen ist entlarvend) umzusetzen.

Zwei Momente durchbrachen das Protokoll. Als er gefragt wurde, ob sich die Heeresreform noch vor der großen Wahl ausgehen werde, ging Fischer händefaltend zur Bethaltung über. Und als das Interview kurz von einem Beitrag unterbrochen wurde, schien er überrascht eine Augenbraue zu heben. Keiner steht eben über der TV-Dramaturgie, wobei: Hier war sie ihm inszenatorisch devot zu Diensten. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 23.1.2013)

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