Umfrage: Filesharing kein Ersatz für legalen Kauf von Inhalten

22. Jänner 2013, 15:15
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Amerikanische P2P-Nutzer erwerben 30 Prozent mehr Musik als "normale" User

Das Forschungszentrum der American Assembly an der Columbia University hat im Auftrag von Google eine Umfrage durchgeführt, um zu erforschen, wie amerikanische und deutsche Konsumenten an ihre Inhalte gelangen und wie sie zu Strafen für Copyright-Vergehen stehen.

Copy Culture

Gefragt wurde, was die Nutzer für Inhalte besitzen und was sie tun, was sie gerne tun können würden, welche Strafen für Urheberrechtsverstöße als angemessen betrachten, ob Mittelsmänner wie ISPs oder Suchmaschinen entsprechend Content blockieren sollen und wie viel sie selbst für verschiedene Angebote ausgeben würden. Die Ergebnisse, veröffentlicht unter dem Titel "Copy Culture", sind durchaus interessant.

Filesharing als Massenphänomen

46 Prozent der befragten US-User und 45 Prozent der deutschen Nutzer haben schon Musik, Filme oder Serien kopiert, geteilt oder "gratis heruntergeladen". Nur 14 Prozent der Erwachsenen haben auf diesem Wege aber den Großteil oder die Gesamtheit ihrer digitalen Sammlung zusammengestellt. Bei großen Sammlungen, die über 1.000 Songs bzw. Filme und Serien umfassen, trifft dies nur auf zwei bis drei Prozent zu.

US-P2P-Nutzer kaufen mehr Musik

In quantitativer Hinsicht werden gleich viel Inhalte offline ausgetauscht wie online. Filesharing erfolgt dabei meist komplementär zu und nicht anstelle von legalem Contenterwerb. Wie die Forscher festhalten, sind P2P-Filesharer eifrige Konsumenten legal erworbener Inhalte. Sie kaufen gleich viele DVDs, CDs oder Zugänge zu verschiedenen Diensten wie jene, die zwar das Internet nutzen, aber kein Filesharing betreiben. Anders ausgedrückt: Wer Inhalte kostenlos von Freunden bekommt oder über eine P2P-Tauschbörse bezieht, gibt deswegen nicht weniger Geld für legale Angebote aus.

Interessant ist in dieser Hinsicht besonders, dass die amerikanischen P2P-Nutzer rund 30 Prozent mehr digitale Musik kaufen als "normale" Surfer und dabei auch eine marginal höhere Zahlungsbereitschaft aufweisen

Tausch mit Familienmitgliedern "akzeptabel"

In den USA ist der Großteil des Contentaustausches nach gültiger Gesetzeslage nicht legal. In Deutschland durch das Recht auf Privatkopie - welches die nichtkommerzielle Nutzung und Weitergabe an Familie und Freunde beinhaltet - hingegen schon. Der Download von "eindeutig ungesetzlichen Quellen" ist dabei allerdings nicht inkludiert.

In beiden Ländern wird der Tausch von Musik und Filmen mit Familienmitgliedern als "akzeptables" Verhalten angesehen, wobei die Zustimmung mit steigendem Alter stark abfällt. Dass das Hochladen von geschützten Inhalten problematisch ist, scheint der großen Mehrheit hingegen bewusst zu sein. Nur 15 Prozent der amerikanischen und elf Prozent der deutschen Befragten gaben an, darin kein Problem zu sehen.

Mehrheit für Strafen

52 Prozent der amerikanischen User unterstützen Strafen für unautorisierte Downloads, sieben Prozent wünschen sich dabei aber eine Berücksichtigung der Umstände im Einzelfall. In Deutschland liegt die Quote bei 59 bzw. neun Prozent, unter den Filesharern liegt der Anteil bei 42 Prozent. 

Kaum Befürwortung von schweren Sanktionen

Allerdings geht es dabei um Verwarnungen und Geldstrafen. Strengere Maßnahmen wie Geschwindigkeitsdrosselung, Zugangsbeschränkungen oder gar Verbindungstrennungen finden jeweils nur Zuspruch von 16 bis 28 Prozent der Befragten. Die Mehrheit (67 Prozent der deutschen und 54 Prozent der amerikanischen Befragten) sieht zudem ausschließlich die Gerichte zuständig für die Urteilsfindung - und nicht private Unternehmen.

Die Ergebnisse können als PDF-Datei von der Homepage der American Assembly bezogen werden. (red, derStandard.at, 22.01.2013)

  • Nur ein geringer Teil der Mediensammlungen kommt mehrheitlich durch Filesharing zustande.
    foto: szorstki @ sxc.hu

    Nur ein geringer Teil der Mediensammlungen kommt mehrheitlich durch Filesharing zustande.

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