Obama will volle Rechte für Homosexuelle

22. Jänner 2013, 08:44
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US-Präsident benutzte erstmals in Vereidigungsrede das Wort "gay" - Thema gehört zu den heikelsten in den USA

Washington - US-Präsident Barack Obama hat mit der Antrittsrede zu seiner zweiten Amtszeit die Verfechter von Homosexuellen-Rechten begeistert. Als erster Präsident überhaupt bei einer Vereidigungszeremonie benutzte Obama am Montag das Wort "gay" und forderte die Gleichbehandlung von Homosexuellen. "Präsident Barack Obama hat heute Geschichte geschrieben", erklärte Chad Griffin von der Bürgerrechtsorganisation Human Rights Campaign. Obamas Unterstützung für die Homo-Ehe sei ein "Fanfarenstoß, den alle Amerikaner jubelnd annehmen sollten".

Die National Gay and Lesbian Task Force nannte Obama den US-Präsidenten, der sich in der Geschichte am stärksten für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen einsetze. "Die nächsten vier Jahre sind voller Versprechen für weiteren Fortschritt, um sicherzustellen, dass Homosexuelle voll anerkannt werden", sagte die Leiterin der Lobbygruppe, Rea Carey.

"Unsere Reise wird nicht vollendet sein"

Obama hatte in seiner Rede auf den Stufen des Kapitols in Washington gefordert, allen Menschen in den USA die gleichen Chancen zu gewähren. "Unsere Reise wird nicht vollendet sein, bis unsere homosexuellen Brüder und Schwestern rechtlich wie alle anderen behandelt werden", sagte er. Dabei stellte der Präsident die Stonewall-Unruhen von 1969 in New York, die als Meilenstein des Strebens von Schwulen und Lesben nach gesellschaftlicher Anerkennung gelten, in eine historische Linie mit der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung und dem Kampf um die Gleichstellung der Frau.

Bei der Vereidigungszemeronie trat auch erstmals ein offen schwuler Dichter auf, der kubanischstämmige Richard Blanco. Der 44-Jährige trug das traditionelle Gedicht zur Inauguration vor, das er selbst verfasst hatte.

Die Rechte von Homosexuellen gehören zu den heikelsten gesellschaftlichen Themen in den USA. Der Oberste Gerichtshof will sich in diesem Jahr mit der Frage der Zulässigkeit homosexueller Ehen befassen. Der Supreme Court reagiert damit auf Klagen gegen das nationale Defence-of-Marriage-Gesetz (DOMA) von 1996, das die Ehe als Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau festschreibt und nur verheirateten heterosexuellen Paaren Vorteile in Bereichen wie Steuern, Erbschaft oder Krankenversicherung gewährt.

Zudem müssen die Richter des höchsten US-Gerichts über die Homo-Ehe in Kalifornien befinden. Bei einem Referendum im Jahr 2008 hatte sich eine Mehrheit in dem US-Staat dafür ausgesprochen, dass die Ehe Mann und Frau vorbehalten sein soll. Ein Gericht hatte diese Regelung jedoch gekippt, wogegen Gegner der Homo-Ehe klagten. Die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare ist in neun US-Bundesstaaten und in der Hauptstadt Washington zulässig, in 31 US-Staaten ist sie verboten. In den übrigen US-Staaten gibt es keine ausdrückliche gesetzliche Festlegung. Die Beratungen am Supreme Court sollen im März beginnen und in eine Entscheidung im Juni münden. (APA, 22.1.2013)

  • Obama bei seiner Rede nachdem er den Amtseid abgelegt hat.
    foto: carolyn kaster/ap/dapd

    Obama bei seiner Rede nachdem er den Amtseid abgelegt hat.

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    Die Rede des US-Präsidenten in voller Länge.

  • Nach der Angelobung wurde gewinkt und getanzt.
    foto: epa/pete marovich

    Nach der Angelobung wurde gewinkt und getanzt.

  • Obamas Rede als Wordle.
    foto: wordle.com/derstandard.at

    Obamas Rede als Wordle.

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