Spuren des Kokainbosses vom Balkan

21. Jänner 2013, 18:21
50 Postings

Drogenhändler Saric soll 1,7 Milliarden Euro über Fonds der Kärntner Hypo- und der RBI gewaschen haben. Die Banken dementieren

Belgrad/Wien - Der seit Ende 2009 flüchtige serbische "Kokain-König" , Darko Saric, soll 1,7 Milliarden Euro, die er mit illegalem Drogenhandel verdient haben soll, in die serbische Wirtschaft gepumpt haben. Laut der serbischen Zeitung Blic soll der seit 2009 Flüchtige das Geld bis 2009 über niederländische Fonds der Kärntner Hypo und Raiffeisen gewaschen haben, das Geld sei dann via Kredit an serbische Unternehmen geflossen. Laut Blic ermitteln die serbischen Behörden; Beweise legte das Blatt keine vor.

Beide Banken wiesen die Vorwürfe am Montag zurück. Die verstaatlichte Hypo betont, es gebe keine Anfragen von Behörden bezüglich Geldwäsche, man habe keine Informationen, dass es Untersuchungen gebe. Und die Hypo habe "keine direkte Geschäftsbeziehung zu Saric".

"Falsch und irreführend"

Die Raiffeisen Bank International nennt die Vorwürfe "komplett falsch und irreführend". Der von Blic genannte niederländische Fonds Raiffeisen International Eastern European Finance (RIEEF) sei eine RBI-Tochter, dessen Zweck die Finanzierung südosteuropäischer Unternehmen sei; alle Geschäftsfälle seien intern für in Ordnung befunden worden. Jeder einzelne Kredit sei bei der serbischen Notenbank registriert; das Volumen aller serbischen Kredite liege wesentlich unter den genannten Beträgen. Die österreichischen und niederländischen Behörden sowie das serbische Innenministerium geben keine Information, ob wegen Geldwäsche ermittelt wird.

Die niederländische Hypo-Holding ist inzwischen jedenfalls liquidiert. Laut Hypo seien die Geschäfte mit serbischen Kreditkunden "aus steuerrechtlichen Gründen" über die Niederlande getätigt worden. Laut einem Hypo-Banker werden die Geschäfte in Serbien derzeit geprüft. Verbindungen zu den von Blic als Mittelsmänner Sarics Genannten oder zu S aric seien bisher nicht aufgetaucht.

Einer der Hypo-Fälle, in denen Saric immer wieder als finanzierender Hintermann (100 Millionen Euro) genannt wird, ist das Finanzierungsprojekt Blok67. Dem Vernehmen nach soll dort Geld über Baurechnungen gewaschen worden sein. Auch der Economist hat 2010 über Hypo-Saric-Connections berichtet. Er brachte die MAT Company d.o.o ins Spiel, die von der Hypo finanziert worden sei; Geschäftsführer der um die Monte Flowery SpA auf den Marshall Islands gebauten Gruppe seien Verwandte von Saric gewesen. Auch da verliefen die Recherchen der Hypo-Forensiker im Sande.

Die von der Bank engagierten Rechercheure sind immer wieder auf die niederländische Hypo-Tochter gestoßen. In die Bücher konnten sie aber nie schauen. Immerhin wurden die Daten der Gesellschaft gesichert. Ähnliche Probleme kennt man aus Liechtenstein. Auch die dortige Hypo-Tochter wird abgewickelt.

Blic-Journalistin Tamara Markovic Subota sagt zum Standard, es sei nun an der niederländischen Polizei die Herkunft der Geldflüsse zu prüfen, angeblich seien die Gelder über die USA und den Liechtenstein zu den niederländischen Fonds geflossen.

Politikum auf dem Balkan

Bis 2009 kannte kaum jemand den Barbesitzer aus dem montenegrinischen Pljevlja. Dann wurden mehr als zwei Tonnen Kokain an der Küste Uruguays beschlagnahmt. Die Causa Saric ist in Serbien zum Politikum geworden.

Nicht nur weil serbische Medien regelmäßig berichten, dass der Drogenboss Kopfgelder auf Politiker - die Rede ist von zehn Millionen Euro - ausgesetzt hat. Eine der Zielscheiben von Saric soll der ehemalige serbische Staatspräsident Boris Tadic sein. In den vergangenen Jahren warfen sich Serbien und Montenegro auch gegenseitig vor, die Untersuchungen zu behindern bzw. Saric zu schützen.

Das serbische Innenministerium untersucht gerade, wer dafür verantwortlich ist, dass Saric einen serbischen Pass bekam und wie es möglich war, dass er in Serbien Privatunternehmen und Grundstücke kaufen konnte. Saric wird in Südafrika oder Lateinamerika vermutet. (Renate Graber, Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 21.1.2013)

  • Gegen Darko Saric wird wegen Geldwäsche ermittelt. Bruder 
Dusko steht bereits vor Gericht.
    foto: istockphoto.com/claudio divizia
    Gegen Darko Saric wird wegen Geldwäsche ermittelt. Bruder Dusko steht bereits vor Gericht.
Share if you care.