Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
vergrößern 758x800Verhalf im Theater an der Wien einer Inszenierung zu Glanz- momenten: Florian Boesch als Diktator Tiridate.
Wien - Es wäre zweifellos erwägenswert, ihm in der Operngalerie der schillernden Machtungustln einen würdigen Platz einzuräumen: Tiridate, dem seine Gattin Polissena nur noch lästig ist. Tiridate, König Gnadenlos Armeniens, der von Familienaufstellung als Problemlösungsansatz nichts hält, der vielmehr die nächsten Verwandten seiner Gattin in einem Kriegszug auszuradieren bereit ist - schlicht, da er an einer heiklen Stelle Regungen verspürt.
Dass seine neue Angebetete, Zenobia also, mit Radamisto verheiratet ist, dem Bruder seiner ihm (wie gesagt) lästigen Gattin Polissena, tangiert ihn nicht sonderlich. Tiridate ist bereit, alles aus dieser Welt fegen zu lassen, was der Trieberfüllung im Wege steht. Also auch den Herrscher von Thrakien - Farasmane, Vater seiner Gattin und von Radamisto. Ein solches Monster verleiht einer Barockoper reichlich dramaturgische Energie. Wenn es auch noch der Obhut eines Darstellers von der Güteklasse eines Florian Boesch überantwortet wird, steht Georg Friedrich Händels Oper Radamisto im Theater an der Wien vor der Umbenennung in Tiridate. Regisseur Vincent Boussard sieht in diesem Werk die Initiationsstory des Prinzen Radamisto, der zum Herrscher wird und seines Amtes schließlich mit (Happy End bewirkender) Mildtätigkeit auch waltet.
Ein düsterer Charakter
Boesch dominiert die Szenerie mit einer in die Tiefe gehenden Auslotung eines düsteren Charakters. Sein Tiridate ist ein sich mangelnder Empathie bewusster Darsteller aller Gefühlslagen, die ihn seinen Zielen näher bringen. Da sind kindlicher Charme und Erpressung. Momente schrulligen, unberechenbaren Narzissmus stehen neben eitlem Einüben von Posen, wenn es darum geht, sich auf die Begegnung mit der wenig begeisterten Zenobia (intensiv, aber vokal nicht immer sattelfest Patricia Bardon) vorzubereiten, die mit samtig-weichem Tonfall umgarnt wird.
Virtuos, wie Boesch dies alles auch vokal auszudrücken vermag - ob er nun auf einem langen Tisch oder vor einem imaginären Spiegel steht. Ob er in diesem kahlen Raum aus einer der drei Türen kommt (Bühnenbild: Vincent Lamaire) oder seine potenziellen Opfer antobt. An sich will man diese Charakterstudie auch der Regie aufs Ideenkonto gutschreiben. Auch die Kostüme des französischen Designers Christian Lacroix waren in ihrer multihistorischen Offenheit eine Augenweide. Skeptisch stimmt allerdings, dass Vincent Boussard um Boesch herum vielfach nur ein Arienkonzert inszeniert hat, behübscht mit Filmprojektionen quirliger Zierfische.
Mit solch Illustrationen sollte so etwas wie die unbewusste Traumebene der Figuren transparent werden. Leider jedoch wirkt dieses Aquarienambiente reichlich abgekoppelt von den Bühnenvorgängen, bleibt somit ohne inhaltlichen Zusammenhang mit der Geschichte.
Der solide Gesang
So wirkt Boesch letztlich als subtile Ein-Tyrann-Oper im Milieu der szenischen Versteifungen. Traumsymbolische Interpretationen von - in der Oper eher alltäglichen - Utensilien (wie Schirm und Tisch) können sie nicht auflockern. Auch von der vokalen Seite her gibt es keine Erhebung über das Solide hinaus. Am stabilsten wirkte im Grunde Sophie Karthäuser (als Polissena), passabel auch Jeremy Ovenden (als Tigrane) und Fulvio Bettini (als Farasmane).
David Daniels (als Radamisto) schlug sich wacker im Lyrischen und bei Koloraturen, blieb aber doch einiges an Präsenz - sowohl vokal wie auch rollenmäßig - schuldig. So blieb es am Freiburger Barockorchester unter Rene Jacobs, das musikalische Niveau über den Durchschnitt zu heben. Ein verlässlich das Geschehen tragendes Kollektiv ließ sich bisweilen von Jacobs zu erfrischend ruppigen Akzenten animieren, denen theatrale Kraft innewohnte. Mühelos allerdings setzte man zwischendurch auch elegant delikate Phrasierungspointen. Eine Glanzleistung im Mikro- und Makrokosmos der Partitur. In den Applaus mixten sich Buhs für die Regie. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 22.1.2013)
22., 24., 27., 29. und 31.1., 19.00
Georg Friedrich Händels Dramma per musica "Orlando" - Der ganze bunte Abend kommt nicht über ein paar sympathische Momente hinaus
Nikolaus Harnoncourt bringt im März 2014 stattdessen konzertanten Zyklus der drei Mozart/Da Ponte-Opern
Premiere von Hector Berlioz' Oper "Béatrice et Bénédict": Regisseur Kasper Holten inszeniert den humorigen Kampf der Geschlechter so elegant wie flüssig und hat gute Sänger an seiner Seite
Der Regisseur und Chef von Covent Garden über die Situation der europäischen Opernhäuser und Hector Berlioz' Oper "Béatrice et Bénédict"
Dirigent Nikolaus Harnoncourt lotet klangliche und dynamische Extreme aus, Regisseur Herbert Föttinger verharrt zu oft in behäbiger Konvention und erntet einige Buhs
Am 17.3. hat "Fidelio" Premiere. Sopranistin Juliane Banse und Tenor Michael Schade über die Arbeit mit dem Dirigenten
Premiere von Gioachino Rossinis "Le Comte Ory" : Die Inszenierung von Leiser/Caurier sorgt für Heiterkeit; Pretty Yende, für Cecilia Bartoli eingesprungen, überzeugt durch vokale Leichtigkeit
Im Theater an der Wien feiert am Samstag Rossinis "Comte Ory" in der Regie von Moshe Leiser und Patrice Caurier Premiere
Puccinis "La Bohème", kurzgefasst und aktualisiert an der Wiener Kammeroper
Der Countertenor singt ab Sonntag im Theater an der Wien die Titelpartie der Händel-Oper "Radamisto"
Im Theater an der Wien wurden Teile jener Konzerte nachgestellt, die Richard Wagner 1862 und 1863 ebendort absolvierte
Premiere am Theater an der Wien: Regisseur Keith Warner inszeniert um eine Jesus-Skulptur herum ein routiniertes Stück Selbstsuche.
Hans-Jürgen von Boses Einakter "Verkehr mit Gespenstern" mit Texten von Franz Kafka
Das Haus am Fleischmarkt ist von nun an zweite Spielstätte des Theater an der Wien
Christoph Willibald Glucks "Iphigenie en Aulide" unter der Regie von Torsten Fischer
Das Theater an der Wien bringt Christoph Willibald Glucks "Iphigénie en Aulide" heraus. Dirigent Alessandro De Marchi über die Qual der Entscheidungen und seine Bauchgefühle
Radamisto ist ja kein einfaches Werk - Schauplatzwechsel, Handlungslücken, eher schwache Dramaturgie des Librettos (mit wenig Interaktion der Figuren) und ein aufgesetztes Happy End.
Letzteres umschifft Boussard mit dem famosen Florian Boesch elegant: Der, ein fast kindhaft triebgesteuerter Brutalo im Liebesrausch wähnt sich nämlich schon die letzte halbe Stunde, angesichts der unerschütterlichen Tugendhaftigkeit und Prinzipienfestigkeit der anderen Hauptfiguren sichtbar im falschen Film - und streicht schließlich die Segel.
Tiridate ist einfach der dramaturgische Motor der Oper - alle anderen Figuren reagieren eigentlich nur auf ihn und sind sonst eher "autistisch".
Schöne, atmosphärische Bilder; einige starke szenische Detailarbeiten.
Irgendwie seltsam - von den bei Premieren immer wieder bekrittelten Stimmproblemen einzelner Sängerinnen und Sänger ist bei den Folgeaufführungen bereits nichts mehr zu hören.
Daniels war gestern jedenfalls großartig - vor allem im zweiten Teil mit seinen extrem kräfteraubenden Arien. Da hat sich gezeigt, was dieser (auch nicht mehr ganz junge) Mann an stimmlichen Mittel aufzubieten hat. Zudem haben auch Countertenöre (wie Tenöre) unterschiedliche Fächer - und Daniels ist der klassische "Heldencountertenor".
Boesch gewohnt toll, Karthäuser und Bardon ebenfalls sehr gut - letztere mit großer Präsenz und Emotion. Die oft etwas "ruppigen" tiefen Töne in den Kolloraturen sind übrigens ein Markenzeichen von Jacobs, der diese ausarbeitet.
ich fand sowohl boesch als auch daniels in der darstellung einfach nur peinlich. die regie und ausstattung sinnlos und jacobs wie immer überschätzt. wenn ich da an das freiburger barockorchester unter bolton bei gluck denke, verstärkt sich noch der negative eindruck...
der intendant sollte das saallich-anschalten nicht so lange hinauszögern, sonst derstessen sich irgendwann einmal die leute beim rausgehen...
Wer vorher zwei, drei Stunden in einer Oper gesessen ist, wird es auch noch ein paar Minuten aushalten.
Oder soll jetzt das Orchester schneller spielen oder das Stück auf 45 Minuten gekürzt werden, damit die Leute noch früher das Theater verlassen können?
Dass Applaus und Verbeugen Teil einer Theatervorstellung oder eines Konzerts sind, scheinen manche Leute auch nach Jahren noch nicht begriffen zu haben.
sie scheinen nicht begriffen zu haben, dass es jedem frei steht, das theater wann immer zu verlassen - und ich nahm bezug darauf, dass der intendant immer versucht, wenn der applaus abzuebben beginnt, gegenzusteuern, indem er das saallich solange es geht nicht aufdrehen läßt und bereits der größte teil des publikums in dunkelheit zu den ausgängen tappt und das ist unverantwortlich und gibt`s nur im th. a. d. wien.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.