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vergrößern 533x800Heimat und Familie als Albtraum.
Wien - "Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss." Johann Gottfried Herders Diktum zufolge sind die Figuren in Anne Habermehls bemerkenswerten Kammerspiel "Luft aus Stein" allesamt Heimatlose. Über drei Generationen einer Familie hinweg zeigt die 1981 geborene Autorin und Regisseurin in ihrer Auftragsarbeit für das Wiener Schauspielhaus scheiternde Versuche des einander Begreifbarmachens. Von 1943 bis heute reiben sich die Protagonisten in einem fortwährenden Prozess von Anziehung und Abstoßung wund.
Da wären Ruth und Max, die sich in den letzten Kriegsjahren kennenlernen und deren Liebesfeuer nie eine Chance hatte, seine Einberufung zu überstehen.
1963 kann sich ihre Tochter Hanna der unter anderem durch die Kriegstraumata gestörten Mutter-Kind-Beziehung nur durch Flucht entziehen. Am Ende des Familienastes krallen sich schließlich Hannas Kinder Paula und Anton in eine ungesunde Geschwisterliebe fest, die in eine Katastrophe mündet und doch kein Ende findet.
Habermehl erzählt diese Geschichte nicht chronologisch, sondern springt zwischen den Generationen hin und her. Die genauen Verwandtschaftsverhältnisse enthüllen sich so erst allmählich, eine LED-Anzeige, die das gerade verhandelte Jahr für das Publikum anzeigt, bietet eine wertvolle Orientierungshilfe. Der Bühnenraum ist weitgehend leer, eine Fahrbahnmarkierung und zwei Reihen von Leuchtstoffröhren weisen den Weg für eine Nachtfahrt in die Finsternis - David Lynch lässt freundlich grüßen, die Bühne und Kostüme besorgte Christoph Rufer.
Mit ein paar Kleidungswechseln schlüpfen Franziska Hackl, Katja Jung, Gideon Maoz und Max Mayer jeweils in mehrere Rollen, wobei der sein Licht stärker auf die Frauenfiguren legende Text besonders Hackl und Jung die Möglichkeit zu glänzen gibt. Mit kühlen Schnitten werden Verletzungen der Psyche wie der Beziehungen offen gelegt, sich wiederholende Muster erkennbar. Zugleich muss vieles im Dunkeln bleiben. Neben dem bei aller Strenge auch immer wieder aufblitzenden Witz sind es gerade diese Leerstellen, die das Stück atmen und so noch stärker wirken lassen. (Dorian Waller, DER STANDARD, 22.1.2013)
Aufführungen noch bis 23.2.
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