Geburtstagsfeier mit braunen Flecken

21. Jänner 2013, 17:35
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Die oberösterreichische Künstlervereinigung Maerz feiert heuer ihren 100. Geburtstag. Mit der NS-Vergangenheit einiger Mitglieder befasst Maerz sich nicht

Das sei nicht ihre, sondern die Aufgabe von Historikern.

Linz - 1913 zogen sechs oberösterreichische Kunstschaffende aus, um sich neu zu formieren. Der oberösterreichische Kunstverein schien ihnen zu konservativ, also gründeten Klemens und Franz Brosch, Franz Sedlacek, Heinz Bitzan, Anton Lutz und Hans Pollak die Künstlervereinigung Maerz. Eine Sezession klar im Sinne eines "ver:sacrum" und von Beginn an interdisziplinär und genreübergreifend.

Das ist man heute noch, vor allem wird Wert auf internationale Kooperationen gelegt, bringt man doch mit Ausstellungen und Projekten Gäste nach Linz. Heuer im Jubiläumsjahr legt man den Schwerpunkt auf die eigenen Mitglieder. Innerhalb der Reihe "zu Sedlacek" antworten aktuelle Mitglieder aus den Bereichen Bildende Kunst, Musik und Literatur auf Leben und Werk des Gründungsmitglieds Franz Sedlacek. Sie setzen sich teilweise kritisch mit der Haltung des Künstlers und Chemikers während der Zeit des Nationalsozialismus auseinander.

Maerz wurde 1938 von der Reichskulturkammer verboten und formierte sich erst 1952 neu. Doch das schützte nicht vor nationalsozialistischem Gedankengut. Einige Mitglieder waren wie Sedlacek Mitglieder der NSDAP. Schlimmer noch war Margarete Pausinger.

Die Grafikerin war ab 1921 Maerz-Mitglied, ab 1937 bei der NSDAP - und seit 2005 ist historisch belegt und veröffentlicht, dass sie im Dienste der NS denunzierte. Ein Malerkollege, den sie wegen seiner regimekritischen Äußerungen 1939 anzeigte, wurde zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Zu ihr gibt es allerdings keine Worte der Distanzierung vonseiten des Maerz. Aus dem Nordico - wo Arbeiten aus den Anfangsjahren gezeigt werden - kommt hingegen die Aussage: "Pausinger wird bei uns sicherlich nicht wie die anderen Künstler gezeigt, sondern kritisch kommentiert oder bearbeitet", sagt Kurator Andreas Strohhammer.

Man sei keine Institution, die für ihre Mitglieder sprechen könne, sagen hingegen Schriftsteller Christian Steinbacher, der das Literaturprogramm betreut, und der Maler Ewald Walser. Wissenschaftlich aufarbeiten müssten Historiker, dies sei nicht Aufgabe der Künstlervereinigung.

Neben den Anfangsjahren wird in der Galerie Maerz in Kooperation mit dem Architekturforum die Ausstellung Wegmarken gezeigt. Es werden Arbeiten von Valie Export, Inge Dick, Dietmar Brehm, Heimrad Bäcker zu sehen sein. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 22.1.2013)

Weitere Programmpunkte:

Maerz 1913 - Die Gründungsmitglieder der Linzer Künstlervereinigung, OÖ Landesgalerie, Eröffnung 13. 3. 2013

Aus dem Archiv der Künstlervereinigung Maerz: Galerie-Eröffnung 25. 6. 2013. / Notationen (Maerz-Musik), Eröffnung 24. 9.

  • Noch im "Vor-Maerz" entstanden: Klemens Broschs "Phantasie", um 1911. Zu 
sehen in Linz.
    foto: oö landesmuseen

    Noch im "Vor-Maerz" entstanden: Klemens Broschs "Phantasie", um 1911. Zu sehen in Linz.

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