"Gangster Squad": Blutiges Brokat im Mündungsfeuer

21. Jänner 2013, 17:08
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Kein Plot, kein Suspense. Da hilft selbst Ryan Gosling nicht. Ruben Fleischers Film erschöpft sich in den Oberflächlichkeiten edler Tücher. Der Rest ist Geballer

Wien - Der Gangsterboss Mickey Cohen schickt sich im Jahr 1949 an, die Stadt Los Angeles zu übernehmen. Er hat so viele Politiker und Polizisten auf seiner "Gehaltsliste", dass die Kräfte des Gesetzes entweder resignieren könnten - oder aber ihre Strategie verschärfen. In Ruben Fleischers Cop-Thriller Gangster Squad tritt der zweite Fall ein.

Der Polizeipräsident Chief Parker (Nick Nolte in einer ziemlich zerzausten Altersrolle) beauftragt den erprobten Faustkämpfer Sgt. O' Mara (Josh Brolin) mit der Zusammenstellung einer Spezialeinheit, die das organisierte Verbrechen mit dessen eigenen Mitteln bekämpfen soll. Dazu zählen vor allem der exzessive Einsatz von automatischen Feuerwaffen, aber auch technische Feinheiten wie das Anzapfen von Telefonleitungen ohne behördliche Genehmigung.

Die "Gangster Squad" besteht aus einer für Los Angeles repräsentativen Männergruppe. Neben dem resoluten Iren O'Mara der Afroamerikaner Coleman Harris (Anthony Mackie), der hispanische Navidad Ramirez (logische Besetzung: Anthony Pena), ein alter Gunman (Robert Patrick), ein Bastler (Giovanni Ribisi).

Und dann ist da der eigentliche Neo-noir-Hero, ein Sergeant namens Jerry Wooters, der bevorzugt in der Bar ermittelt. Gespielt wird er von der gegenwärtigen "definition of cool" im amerikanischen Kino, von Ryan Gosling, der sich in Gangster Squad in manierierten Modulierungen seiner Stimme ergeht und sich fast ein wenig über die Aufgabe lustig zu machen scheint.

Trotzdem kriegt er Grace Faraday ins Bett. Die kesse, aber verletzliche Schönheit (Emma Stone, stimmlich eher zu kokett für die Rolle) ist zugleich die aktuelle Geliebte von Mickey Cohen, für den Sean Penn die Augenlider auf Halbmast senkt - vielleicht musste er aber gar nicht stark auf den Typ "Abgelebter Lebemann" geschminkt werden.

Das augenfälligste Charakteristikum von Gangster Squad sind die Hemden der Herren. Sie scheinen von erlesenem Material zu sein und glänzen in Farbtönen, die das Licht gleichsam in sich versenkt - man könnte von einem Brokat-Noir sprechen, zu dem das viele vergossene Blut gut passt.

Leider ist Ruben Fleischer und dem Autor Paul Liebermann bei all dem Retro-Gepränge die Dynamik der Geschichte ein wenig entglitten. Gangster Squad stellt den filmischen Versuch dar, sich einen Weg zum Showdown freizuschießen. Einen Plot im entwickelten Sinn gibt es nicht, bewährte Erzählmittel wie Suspense und Überraschung sind dem Regisseur offenbar zu herkömmlich.

Stattdessen tut er so, als wäre die Spezialeinheit eine Abordnung der National Rifle Association. Die Vorliebe für Mündungsfeuer als den wichtigsten Spezialeffekt ließ Gangster Squad seit dem Vorjahr zu Hollywoods akutestem Problemfilm werden. Nach dem Massaker von Aurora erschien ein Filmstart nicht opportun, jeder neue Amoklauf lässt das Vorgehen der Gesetzeshüter rund um Sgt. O'Mara noch fragwürdiger erscheinen - vor allem aber die Art und Weise, wie Ruben Fleischer die " Vigilanten" glorifiziert.

Neo-Noir war einmal ein Genre der Ambivalenz, hier herrscht reine Brutalität. Ein Film, den niemand braucht. (Bert Rebhandl, DER STANDARD, 22.1.2013)

Ab Freitag im Kino

  • Nick Nolte (re.) in einer zerzausten Altersrolle in dem sich ansonsten in 
der bescheidenen Überzeugungskraft von Mündungsfeuer erschöpfenden Film 
"Gangster Squad". 
    foto: warner

    Nick Nolte (re.) in einer zerzausten Altersrolle in dem sich ansonsten in der bescheidenen Überzeugungskraft von Mündungsfeuer erschöpfenden Film "Gangster Squad". 

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